„Raus heißt raus“: Eskalation an einer Disco in Ahaus endet vor Gericht

rnAmtsgericht

Ein 24 Jahre alter Ahauser und sein 30-jähriger Begleiter, ebenfalls aus Ahaus, schlugen in der Adventszeit 2018 im Next über die Stränge. Dafür standen sie am Montag vor dem Amtsgericht.

Ahaus

, 15.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Alle Jahre wieder...“ schlagen Partygänger in der Weihnachtszeit über die Stränge – und manchmal sogar zu. Zwei Ahauser mussten sich am Montag vor dem Amtsgericht in Ahaus wegen gemeinschaftlich begangener Körperverletzung verantworten.

Es war der 2. Dezember 2018, als der 24-Jährige und sein 30-jähriger Begleiter gegen 1 Uhr nachts in der Discothek Next am Marienplatz ein Hausverbot erhielten.

Der Grund: „Wir waren schon auf dem Weg nach draußen, da ist meinem Freund die Mütze runtergefallen“, erklärte der 30-Jährige dem Richter. Die Mütze sei in einen abgesperrten Bereich gefallen, die Security habe nicht erlaubt, die Kopfbedeckung zu holen.

„Ein bisschen gewehrt“

„Da habe ich mich ein bisschen gewehrt“, sagte der Angeklagte. Draußen sei die Schubserei weitergegangen, „dann lag ich auch schon in einem Kiesbett und wurde fixiert“, schilderte der 30-Jährige.

Kurz darauf sei die Polizei eingetroffen – „die waren alle ganz freundlich“ – und er habe pusten müssen. Der Wert: 0,76 Promille. „Ich war gut drauf, mein Kollege auch.“

Wie sich einer der drei Security-Mitarbeiter bei der Rangelei einen Finger gebrochen habe, dafür hatte der Angeklagte keine Erklärung. „Vielleicht haben die sich gegenseitig im Weg gestanden.“

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Einen Schlag ins Gesicht – einer der Sicherheitsleute trug eine geschwollene Lippe und Schürfwunden davon – habe es nicht gegeben. „Ich wollte meine Mütze wiederhaben“, erklärte der 24-jährige Angeklagte, wie es aus seiner Sicht zur Auseinandersetzung kam. „Zugeschlagen habe ich nicht. Ich habe mich nur ein bisschen gewehrt.“

Auf die Frage des Richters, wie er das gemacht habe, erklärte der junge Mann: „Wenn man zu Boden geworfen werden soll, bleibt man stehen.“

Längere Zeit nahmen die Zeugenaussagen der drei beteiligten Security-Mitarbeiter in Anspruch.

Leute angepöbelt

Der erste, ein 47-Jähriger aus Marl, berichtete vom überaus angetrunkenen Zustand der beiden Ahauser. „Sie schlugen gegen Wände und pöbelten Leute an. Wir haben ihnen gesagt, dass es reicht und sie freundlich gebeten, das Next zu verlassen.“

Das Duo sei nach draußen befördert worden, „aber sie wollten unbedingt wieder rein. Da hatten wir ruckzuck ein Handgemenge.“ Der Sicherheitsmann berichtete von einem Angriff der beiden Ahauser, seinem Kollegen sei der Finger gebrochen worden.

Über die beiden Angeklagten sagte der 47-Jährige: „Das sind ja nicht gerade die kleinsten Herrschaften und dann haben sie sich auch noch groß gefühlt.“ Streit um eine Mütze habe es überhaupt nicht gegeben. „Wir haben nur gesagt, raus heißt raus, da lassen wir uns auf keine Diskussion ein.“

Diskutiert wurde vor der Tür auch nicht, dort kam es vielmehr zum Kampf. „Wir mussten dem 24-Jährigen Handschellen anlegen, der war kaum zu bändigen“, sagte der Next-Mitarbeiter. „Als wir den auf dem Boden hatten, kam der andere noch dazu. Als wir den auch bändigen wollten, da hat er sich fast im Geländer festgebissen.“

Zeugenaussagen

Mit dieser Schilderung konnte der Zeuge den Verteidiger des 30-Jährigen nicht überzeugen. „Sie schaffen es mit drei Sicherheitsleuten nicht, zwei angetrunkene Gäste ohne körperliche Gewalt nach draußen zu bringen?“

Dem widersprach der Zeuge. „Das spielte sich alles draußen ab. Und manchmal schafft es selbst die Polizei nicht.“

Der zweite Zeuge, ein 40-jähriger Security-Mitarbeiter, schilderte den Fall ähnlich wie sein Kollege. „Am Ausgang eskalierte es und es kam zu Handgreiflichkeiten.“ Grundlos würde im Next niemand rausgeschmissen.

Der dritte Zeuge, ein 37 Jahre alter Security-Mitarbeiter aus Ahaus, saß in der besagten Nacht zuerst im Videoraum. „Dort sah ich auf dem Bildschirm, wie die zwei Gäste am Ausgang standen und eine Auseinandersetzung mit meinen Kollegen hatten. Das konnte ich anhand der Gestik und Mimik erkennen.“

Der 37-Jährige eilte als Verstärkung hinzu. Die beiden Angeklagten hätten versucht, sich an der Ausgangstür festzuklammern. „Wir versuchten, sie wegzuschieben.“ Plötzlich habe ihn der 24-Jährige geschlagen, „ich erwiderte den Schlag.“ Der Security sei es gelungen, dem 24-Jährigen Handschellen anzulegen. „Ich wollte ja nicht noch mal geschlagen werden.“

Freispruch für den 30-Jährigen

Nach der Beweisaufnahme stand für den Richter fest, dass der 24-Jährige die treibende Kraft gewesen sei. Er schlug vor, das Verfahren gegen den 30-jährigen Ahauser abzutrennen und diesen freizusprechen. Der 24-Jährige habe sich hingegen der einfachen Körperverletzung schuldig gemacht.

Der Hinweis dessen Verteidigers, dass man vielleicht noch eine eventuell vorhandene Videoaufzeichnung des Vorfalls sichten könnte, fand beim Richter nur bedingt Gehör. Der antwortete: „Es steht ja auch im Raum, dass das Video genau das zeigt, was die Zeugen sagen.“

Richter, Staatsanwältin und Verteidiger einigten sich schließlich darauf, dass das Verfahren gegen den 24-Jährigen gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 400 Euro eingestellt wird. Den beiden Ahausern gab der Richter noch folgendes mit auf den Weg: „Ich hoffe, dass das heute für Sie der einzige Ausflug zum Strafgericht bleibt.“

Kein Einzelfall

Das Geschehen am 2. Dezember 2018 war übrigens kein Einzelfall in der Adventszeit. Eine Woche später, am 9. Dezember 2018, trat und biss ein 29 Jahre alter Mann aus Ahaus gegen 3 Uhr auf dem Marienplatz mehrere Personen.

Mitarbeiter des Next-Sicherheitsdienstes hatten ihn daraufhin zur Seite genommen, der Mann zeigte jedoch kein Einsehen. Polizeibeamten gelang es schließlich, ihn in Gewahrsam zu nehmen.

Die Discothek Next hatte daraufhin auf der Homepage mitgeteilt, an den Wochenenden vor Weihnachten 2018 freitags nicht mehr zu öffnen.

An Samstagen und bei besonderen Events werde darauf geachtet, „dass Leute, von denen auch nur eine Gefahr ausgehen könnte, erst gar keinen Zugang zum Next bekommen.“ Die Sicherheit der Gäste stehe an oberster Stelle.

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