Betrunkene Männer randalieren in Ahauser Elektromarkt – mutiger Mitarbeiter setzt sie fest

rnLadendiebstahl

Drei stark alkoholisierte, aggressive Männer wollten am Samstagmittag Waren aus einem Elektromarkt klauen. Doch ihre Rechnung hatten sie ohne einen Mitarbeiter gemacht.

Ahaus

, 02.09.2019, 18:39 Uhr / Lesedauer: 3 min

Thomas Dieker ist im Ahauser Einzelhandel trotz seiner erst 55 Jahre ein alter Hase. In dritter Generation führt er den Elektrofachmarkt am Adenauerring in Ahaus.

Doch die Szenen, die sich am Samstagmittag im „Euronics XXL Dieker“abgespielt haben, sind auch für ihn neu. „Etwas Vergleichbares habe ich noch nie erlebt, das sind neue Dimensionen“, erklärt Thomas Dieker am Montag auf Anfrage der Redaktion. Obwohl der Vorfall mittlerweile 48 Stunden zurückliegt, ist seine Stimme noch von Emotionen gefärbt.

Drei betrunkene Männer rauchen im Elektromarkt

Was war passiert? Gegen 12 Uhr betraten am Samstag drei Mitdreißiger den Elektronikfachmarkt. Sowohl zahlreiche Kunden als auch Mitarbeitern fiel die Gruppe sofort negativ auf, da die Männer offenbar stark alkoholisiert waren. „Ihr Benehmen war unter aller Sau. Sie waren nicht nur betrunken, sondern rauchten später auch im Geschäft“, berichtet Thomas Dieker.

Seinem Mitarbeiter Jörg Konert (48) war die Männergruppe schon beim Betreten des Elektrofachmarktes ins Auge gefallen. „Ich bin schon etwas länger dabei und hatte sie sofort im Verdacht. Deshalb habe ich meine Kollegen aufgefordert, sie im Auge zu behalten“, sagt er am Montag.

Betrunkene Männer randalieren in Ahauser Elektromarkt – mutiger Mitarbeiter setzt sie fest

Jörg Konert (48) wies die Ladendiebe in die Schranken. © Johannes Schmittmann

Männer reißen mit Gewalt Warensicherung aus der Ankerung

Obwohl die Mitarbeiter die Gruppe sofort ins Visier nahmen, steuerten die Männer ohne Umwege und wenig diskret auf die Smartphone- und Fitnesstracker-Abteilung zu. Mit Gewalt rissen sie mehrere Produkte aus der Sicherung. „Sie hatten sich offenbar vorgestellt, schnelle Beute zu machen und dann das Weite zu suchen“, mutmaßt Thomas Dieker.

Als der Alarm anging, nahm sich Jörg Konert die Gruppe zur Brust: „Sie haben behauptet, die Warensicherung sei abgefallen und haben uns Mitarbeiter angepöbelt. Einem wurde mit Schläge gedroht.“

Mitarbeiter sperren Tor ab

Ihre Rechnung hatten die Männer aber ohne Jörg Konert gemacht. Der 48-Jährige ließ sich von den Pöbeleien nicht provozieren und machte den Ladendieben klare Ansagen. Die Waren rückten sie daraufhin umgehend wieder heraus.

Als aber die Ladendiebe nach dem Herausgeben der Elektroartikel das Geschäft verlassen wollten, drohte die Situation allerdings zu eskalisieren. Denn dort standen die drei Männer vor verschlossenen Türen. „Bis zum Eintreffen der Polizei wollten wir sie hier behalten“, erklärt Thomas Dieker. So sei das übliche Vorgehen.

Männer reagieren extrem aggressiv

Vor allem einer der Männer reagierte nach Angaben von Zeugen extrem aggressiv auf diese Maßnahme. Mehrere Male trat er gegen die automatische Schiebetür und versuchte so, sich Zugang nach Außen zu verschaffen. Auf der Überwachungskamera ist gut zu erkennen, wie er stark schwankend mit aller Gewalt zutritt.

„Er war überhaupt nicht zugänglich und ich war mir auch nicht sicher, ob er uns sprachlich versteht“, sagt Thomas Dieker. Deshalb habe er über die anderen beiden versucht, auf ihn einzuwirken – jedoch vergeblich.

Dass er selbst in diesem Moment extrem unter Spannung stand, daraus macht Thomas Dieker keinen Hehl: „Es war eine Extremsituation. Man musste ja damit rechnen, dass sich seine Aggression auch gegen Menschen richtet. Die Polizei war zwar schnell vor Ort, aber diese Minuten fühlten sich in der Notsituation ewig an“, sagt er.

Thomas Dieker froh, dass es bei Schock und Sachschaden geblieben ist

Am Ende des Tages war Thomas Dieker froh, dass bis auf den Schock „nur“ ein Sachschaden in Höhe von circa 1000 Euro durch zerstörte Schilder und Warensicherung entstanden ist. „Wenn das Tor nachgegeben hätte, hätten wir über das Wochenende eine dauerhaft offene Tür gehabt“, erklärt der Euronics-Geschäftsführer.

Ein Szenario, in dem es zu einer handfesten Auseinandersetzung kommt, möchte er sich auch zwei Tage nach dem Vorfall nicht ausmalen. „Ich bin froh, dass es am Ende relativ glimpflicht ausging.“

Thomas Dieker handelte rechtmäßig

Im Übrigen: Auf Anfrage der Redaktion bestätigte Thomas Ohm von der Pressestelle der Kreispolizei, dass es rechtmäßig war, die drei Männer durch das Verschließen der Automatiktür im Geschäft festzuhalten. „Diese Handlung ist durch den Paragrafen 127 der Strafprozessordnung abgedeckt, denn das Verschließen der Tür diente dazu, die Männer an der Flucht zu hindern“, erklärte Ohm.

In der Strafprozessordnung heißt es im Paragrafen 127: „Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.“

Lesen Sie jetzt