Flüchtling gibt im Nachtschrank gefundenes Bargeld zurück

1000 Euro sind wieder da

Christiane Ezeh kann ihr Glück immer noch nicht so richtig fassen. Nachdem sie ihre Möbel für eine Flüchtlingsfamilie in Ahaus gespendet hat, ist plötzlich eine lange vermisste Brieftasche wieder aufgetaucht. Deren Inhalt: tausend Euro in bar. Geld, das Christiane Ezeh nach einem Umzug vermisst und nie wiedergefunden hat. Aber der Reihe nach.

AHAUS

, 09.11.2016, 14:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Über Jahre war die schwarze Brieftasche spurlos verschwunden. Samt der 1000 Euro Bargeld darin, die Christiane Ezeh für eine Wohnungskaution zurückgelegt hatte. Nachdem sie ihre Schlafzimmermöbel gespendet hat, ist das Geld wieder aufgetaucht. Eine Flüchtlingsfamilie hat das Geld entdeckt und direkt zurück gegeben.

Über Jahre war die schwarze Brieftasche spurlos verschwunden. Samt der 1000 Euro Bargeld darin, die Christiane Ezeh für eine Wohnungskaution zurückgelegt hatte. Nachdem sie ihre Schlafzimmermöbel gespendet hat, ist das Geld wieder aufgetaucht. Eine Flüchtlingsfamilie hat das Geld entdeckt und direkt zurück gegeben.

Vor vier Jahren muss Christiane Ezeh mit ihrer Tochter umziehen. Unglücklicherweise kommt sie direkt nach dem Umzug wegen einer Knieoperation ins Krankenhaus. Das Geld für die Kaution der neuen Wohnung, eine schwarze Briefmappe mit zwei 500-Euro-Scheinen habe sie vorher im Schlafzimmer deponiert. „Ich habe meiner Tochter dann gesagt, sie soll das Geld nehmen und es dem Vermieter geben“, erzählt Ezeh heute. Doch die Tochter kann das Geld zwischen den Umzugskartons im Schlafzimmer nicht finden. „Da ist mir im Krankenhaus ganz anders geworden“, erzählt Christiane Ezeh. Ihr Vater streckt das Geld erst einmal vor. Dann beginnt die große Suche: „Meine Familie und ich haben die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt.“ Das kleine Mäppchen bleibt verschwunden.

Ergebnislose Suche 

Noch aus dem Krankenbett heraus lässt sich die heute 57-Jährige damals für einen Tag beurlauben und sucht selbst nach den Geldscheinen. Ergebnislos. Auch Wochen später, als sie das Krankenhaus verlassen hat, taucht das Geld nicht wieder auf. Die Umzugskartons werden ausgepackt, einige überzählige Möbel auf dem Dachboden eingelagert, das Geld bleibt verschwunden. So schwer es für die Frührentnerin auch war, irgendwann hat sie das Geld abgeschrieben. „Was sollte ich denn machen?“, fragt sie. Das Geld sei nicht wieder aufgetaucht.

Zum Wegwerfen zu schade

Vor ein paar Monaten dann steht erneut ein Umzug an. Christiane Ezeh legt ihren Haushalt mit dem ihrer Eltern zusammen. Doppelte Möbel werden aussortiert. So auch ihre alte Schlafzimmereinrichtung und damit auch das Nachtschränkchen, das die vergangenen Jahre auf dem staubigen Dachboden verbracht hat. „Zum Wegwerfen waren die Sachen aber noch viel zu schade“, sagt sie heute. Deswegen hat sie die Möbel für Flüchtlinge gespendet. Am Montag werden sie abgeholt. „Am Dienstag klingelte dann plötzlich mein Telefon“, erzählt sie. Man habe sie gefragt, ob sie zwei 500-Euro-Scheine vermisse. Nur langsam bringt sie ihr vermisstes Geld mit ihrer Möbelspende zusammen: „Ich konnte es gar nicht glauben“, erzählt sie strahlend.

Beim Putzen wiedergefunden

Eine aus ihrem Heimatland nach Ahaus geflohene Frau hat die Möbel bekommen und geputzt – nach einigen Jahren auf dem Dachboden war das wohl dringend nötig. Hinter einer der Schubladen des Nachtschränkchens entdeckt die Frau dabei das eingeklemmte Mäppchen mit dem vermissten Geld. Über ihre Integrationslotsin wendet sie sich an Christiane Ezeh und gibt das Geld noch am selben Tag zurück.

Erklärung für unglaubliche Geschichte

Christiane Ezeh hat eine Erklärung für die eigentlich unglaubliche Geschichte: „Ich kann mich wegen meiner künstlichen Gelenke nicht gut hinknien. Das Mäppchen muss ganz unten zwischen die Schubladen im Nachtschränkchen gerutscht sein.“ Sie erinnert sich daran, dass tatsächlich eine der Schubladen ein wenig geklemmt hatte. „Aber ich konnte nicht dahinter sehen. Die Brieftasche habe ich nicht entdeckt“, sagt sie. Der ehrlichen Finderin ist sie unendlich dankbar. „Die Frau hat überhaupt nichts. Hätte sie das Geld einfach behalten, hätte niemand etwas gemerkt“, sagt sie. Da ist sie sich ganz sicher. Und selbst den Finderlohn habe die Frau erst nicht haben wollen. „Ich musste sie regelrecht dazu überreden, das Geld anzunehmen“, sagt sie. Und weiter: „Ich finde das bemerkenswert. “ Als Frührentnerin habe sie selbst nicht viel Geld und könne sich zumindest ungefähr vorstellen, was es für die Frau bedeutet haben muss, plötzlich die beiden Geldscheine zu entdecken.

Schutz der Person

Carmen Esposito-Stumberger, die bei der Caritas in Ahaus die Arbeit der Integrationslotsen koordiniert, bestätigt den Vorfall: „Die Geschichte ist tatsächlich so passiert“, sagt sie. Alle Beteiligten seien absolut zuverlässig und glaubwürdig. Einen Kontakt zu der ehrlichen Finderin oder der Integrationslotsin, die sich um sie gekümmert hat, will sie aber auf keinen Fall herstellen. „Die Finderin oder ihr Aufenthaltsort dürfen nicht in die Öffentlichkeit kommen“, sagt sie. Sie müsse in jedem Fall geschützt werden. Auch zu näheren Hintergründen hält sie sich bedeckt. Das sei zu gefährlich. Zu schnell sei eine Identifizierung möglich.

Neben ihrer großen Dankbarkeit ist für Christiane Ezeh eins aber nun definitiv klar: „In der Wohnung deponiere ich kein Geld mehr“, sagt sie lachend.

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