Für Ahauser Kinobetreiber geht der zweite Lockdown ans Eingemachte

rnCorona-Schutzverordnung

In den Ahauser Lichtspielhäusern ist es dunkel. Zum zweiten Mal in diesem Jahr! Für die Betreiber eine dramatische Situation. Am dunkelrot angestrahlten Cinema wurde das auch optisch klar.

Ahaus

, 11.11.2020, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diesmal spricht man vom Lockdown light. Die Konsequenzen für ihre Branche schätzen die Kinobetreiber in Ahaus und Umgebung aber noch gravierender ein als beim „echten“ Lockdown im März. Dass sich die „Alarmstufe Rot“ jetzt dunkelrot färbt, machten die Karl-Hövel-Lichtspielhäuser in der ersten Novemberwoche mit ihren dunkelrot beleuchteten Kinos in Ahaus, Coesfeld und Dülmen deutlich.

Alarmstufe rot als Zeichen und Notsignal

Eine Aktion, die ein Zeichen setzen sollte, „um auf die kulturellen und wirtschaftlichen Schäden“ der Branche hinzuweisen und „ein Notsignal zu senden“, wie es in einer Pressemitteilung dazu heißt. Zur aktuellen Situation allgemein aber gibt es kein Statement. „Dazu möchte ich mich gar nicht äußern, es ist für viele und auch für uns eine schwere Zeit, die es gilt zu überstehen“, teilte Karolin Rottstegge auf Anfrage für die Karl-Hövel-Lichtspielhäuser mit.

Dominik Paffrath, der zusammen mit seinem Bruder Patrick den Familienberieb übernommen hat, zu dem neben dem Cinetech in Ahaus auch Kinos in Gronau und Emsdetten gehören, ist da weniger zurückhaltend: „Die Situation für die gesamte Freizeitbranche ist wirklich unbefriedigend.“ Ein nur scheinbar harmloses Wort, in dem ziemlich viel Dramatik steckt. Und das, nachdem man sich von Juli bis Oktober etwas berappelt hatte, wie Dominik Paffrath betont.

Verluste im sechsstelligen Bereich

Der Kinobetreiber spricht nicht nur davon, dass die Verluste immer größer werden, sondern beziffert diese für die drei Häuser auf einen „mittleren sechsstelligen Betrag“. Die „Corona-Hilfen“ seien da zwar „geschenktes Geld“ gewesen, gerade für kleinere Kinos aber hätten sie die Situation nicht wirklich gerettet, da sie nur für die Betriebskosten, nicht aber für den Lebensunterhalt zur Verfügung standen. „Auch mein Bruder und ich haben da kein Geld bekommen“, betont Dominik Paffrath. Durch Rücklagen und auch mit Hilfe von KfW-Darlehen versuche man, weiter zu machen: „Einen Plan B haben wir nicht.“

Umfangreiche Sanierung der Kinos

Und so nutze man sogar die Zeit des neuen Lockdowns für die umfangreiche Sanierung in den Kinos. Dafür ist ebenfalls ein sechsstelliger Betrag eingeplant. Was Dominik Paffrath aber neben den wirtschaftlichen Verlusten durch die Pandemie besonders beunruhigt, ist der mögliche Vertrauensverlust der Kinobesucher.

Auch, als die Kinos im Sommer wieder geöffnet hatten, kamen weniger Besucher. Und nicht nur, weil wegen der Abstandsregeln weniger Zuschauer zugelassen waren. „Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die Leute wieder angstfrei ins Kino gehen“, vermutet er. Dabei habe man wirklich alles an Hygienemaßnahmen veranlasst, was nur möglich war. Und Branchenkollegen verweisen auch darauf, dass es weltweit noch zu keiner Infektion in einem Kino gekommen sei.

15 Millionen Euro für die NRW-Kinos

Dafür, dass es in diesem Jahr bundesweit einen deutlichen Besucher-Rückgang gegeben hat, nennt Dominik Paffrath aber noch einen anderen Grund. Die neuesten Filme werden nicht mehr selbstverständlich zuerst in den Kinos gezeigt, sondern oft vorab im Pay-TV. Außerdem sei man hier auch von Amerika abhängig, das aktuell bekanntermaßen am extremsten von der Corona-Pandemie betroffen sei.

Jetzt lesen

Trotz der von der NRW-Landesregierung angekündigten weiteren 15 Millionen Euro für die rund 275 Kinos im Land und auch großer Unterstützung vom Hauptverband der Kinobetreiber und der Dehoga, geht Dominik Paffrath davon aus, dass es für weitere Kino-Unternehmen ganz schwer wird, durchzuhalten.

Den Kopf in den Sand zu stecken, steht für die Paffrath-Brüder trotz alledem aber nicht an: „Wir beobachten weiter die Zahlen, eine Deadline haben wir aber nicht.“ Und wie schon beim ersten Lockdown, als man zum Beispiel mit den Auto-Kino-Aktionen gezeigt habe, dass man „maximal kreativ“ sei, ist eine Fortsetzung auch jetzt wieder geplant. Entsprechende Anträge sind bereits gestellt.

Da gebe es allerdings von einigen Kommunen Bedenken, weil laut Corona-Schutzverordnung Freizeit-Veranstaltungen aller Art verboten seien. Für Dominik Paffrath ist das nicht nachvollziehbar.

Lesen Sie jetzt