Gonda Nobbe-Elsing und Berthold Elsing sind froh, dass sie das Attic endlich wieder öffnen dürfen. Sie hoffen jetzt darauf, dass sie mit dem Club an die Erfolge vor der Pandemie anknüpfen können. © Stephan Rape
Neustart nach Corona

Für die Betreiber des Attic wurde es in der Pandemie richtig knapp

19 Monate steckte das Ahauser Attic in der Pandemie-Zwangspause. Ein paar Mal wurde es richtig knapp. Nur die Fans und Gäste retteten den Betrieb. Jetzt wollen die Betreiber Neustart feiern.

Berthold Elsing und seine Frau Gonda Nobbe-Elsing haben sich durchgebissen: Auch eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie gibt es ihren Musicclub Attic an der Bahnhofstraße noch. Obwohl es ein paar Mal gefährlich knapp gewesen ist. Alleine hätten sie es wohl nicht geschafft.

Das Problem: Mit der Musikschule Jam, dem Musikgeschäft Gentle Musik und eben dem Club Attic setzt das Paar eigentlich gleich auf drei Standbeine. „Und wenn dann keines davon läuft, macht man sich schon einige Sorgen“, gibt Berthold Elsing zu.

Schnelle Soforthilfen wurden zu zähem Kaugummi

Klar, die ersten Soforthilfen seien schnell geflossen. „Doch danach wurde es zäh wie Kaugummi“, fügt er hinzu. Die Gelder aus der Überbrückungshilfe III etwa habe er immer noch nicht erhalten. Dabei startete dieses Hilfsprogramm bereits im vergangenen Februar.

Noch bleiben im Attic viele kleine Dinge zu tun. Pünktlich am Samstagabend, 19 Monate nach der letzten Veranstaltung dort, soll aber alles fertig sein.
Noch bleiben im Attic viele kleine Dinge zu tun. Pünktlich am Samstagabend, 19 Monate nach der letzten Veranstaltung dort, soll aber alles fertig sein. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auf eine Bank konnte das Paar aber sicher bauen: seine Gäste. Binnen kürzester Zeit sammelten Gäste und Freunde des Attics 10.000 Euro bei der Aktion „Keep the attic up“.

Geld, mit dem das Paar auch seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Denn das ist mit den Zuschüssen aus Sofort- oder Überbrückungshilfe nicht möglich. Diese Gelder sind nur für Fixkosten vorgesehen.

„Wir waren überglücklich und zu Tränen gerührt“, sagt Gonda Nobbe-Elsing über die Unterstützung. Das Benefizkonzert, das Harry Richter zusammen mit Eintracht Ahaus und verschiedenen Bands im Sommer 2020 organisierte, habe auch viel bewegt.

Gang zum Amt stand kurz bevor

Der Gedanke, Attic, Musikschule oder das Geschäft aufzugeben, sei ihnen nicht gekommen. „Aber ich war schon ein paar Mal knapp vor dem Gang zum Amt“, sagt Berthold Elsing.

Kein leichter Weg, der ihm zum Glück erspart geblieben sei. Im Rückblick besonders bitter für das Paar: Die Monate vor dem ersten Lockdown seien im Attic so gut gelaufen wie nie zuvor in der mittlerweile zehnjährigen Geschichte des Clubs.

An diesen Erfolg wollen sie jetzt anknüpfen. „Wir hoffen jetzt auf Menschen und darauf, dass wir die Talsohle jetzt hinter uns haben“, sagt Berthold Elsing.

Im Attic ist dafür jedenfalls das Meiste gemacht: Der gesamte Club ist klimatisiert und mit Luftreinigern ausgestattet. Auch renoviert hat das Paar. Ein paar letzte Handgriffe fehlen noch, als unsere Redaktion Anfang der Woche mit ihnen spricht. Aber das sind nur noch Kleinigkeiten.

Neustart kommt etwas spät, aber genau richtig

19 Monate nach dem letzten Konzert planen sie den Neustart. Doch kommt der nicht etwas spät? Schließlich wäre der Betrieb schon seit mehreren Wochen wieder möglich. „Schneller wäre es auch einfach nicht gegangen“, sagt Berthold Elsing.

Schließlich hätten sie Umbau und Sanierung zu zweit bewältigt. „Mal eben eine Kolonne Handwerker hier durch zu jagen, können wir uns nicht leisten“, sagt er ganz klar.

Gleichzeitig glaubt er aber auch, mit der Eröffnung genau zur richtigen Zeit zu kommen: „Die Menschen haben wieder Lust auf Veranstaltungen. Darauf, vor die Tür zu kommen und etwas zu erleben.“ „Leute zu treffen“, ergänzt Gonda Nobbe-Elsing.

Drei Samstage sind schon fest verplant

Am Samstag, 23. Oktober, legt DJ Hase auf. „Easy und chillig“, wie Gonda Nobbe-Elsing es formuliert. Es soll ein Wiedersehen und Hallo-sagen werden. Der ganze Abend steht unter dem Motto „Auf das Attic!“ – und beginnt bei freiem Eintritt um 20 Uhr.

Auch weitere Termine gibt es schon: Am 30. Oktober steht der Rocktober an: Drei Bands aus Ahaus und Gronau sollen dann die Bühne im Attic rocken: „Color Kid“ mit Punk Rock, „Gum Bucket“ mit Power-Grunge-Stoner-Rock und „Seal of Senses“ mit Progressive Hard Rock. Einlass 20 Uhr, Eintritt: zehn Euro.

Wieder eine Woche später, am 6. November, steht mit „Guru Guru“ eine Legende des Krautrock auf der Attic-Bühne. Auch dann beginnt der Einlass um 20 Uhr. Karten kosten 25 Euro. Bei allen Veranstaltungen gilt die 3G-Regel.

Karten gibt es an der Abendkasse oder unter www.attic-musicclub.de.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape