Für den Freund gelogen: Richter verurteilt zwei junge Männer – dabei haben sie noch Glück

rnAmtsgericht Ahaus

Im Januar waren zwei junge Männer als Zeugen vor Gericht. Jetzt saßen sie auf der Anklagebank. Sie hatten damals, so der Richter, falsche Aussagen gemacht, um den Angeklagten zu schützen.

Ahaus

, 12.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Geständnis führt in der Regel zu einem milderen Urteil. Zwei Ahauser, 19 und 20 Jahre alt, blieben dennoch bei ihrer Aussage, die sie im Januar bei einem Gerichtsprozess gemacht hatten. Kurioserweise war das für den 20-jährigen Angeklagten am Ende sogar von Vorteil. Beide mussten sich wegen uneidlicher Falschaussage und versuchter Strafvereitelung verantworten.

Vorsätzliche Körperverletzung und Nötigung – so lautete im Januar das Urteil gegen einen 19-jährigen Ahauser. Er beteuerte auch nach dem Urteil seine Unschuld und sah sich als Opfer. Seine beiden Freunde, 19 und 20 Jahre alt, sagten für ihn aus: Er habe im Gegenteil nur schlichten wollen und sei selbst vom Vater des Opfers geschlagen worden.

Richter glaubte Angeklagten nicht

Im Januar hatte der Richter ihnen nicht geglaubt. Die Folge war die Anklage gegen die beiden Ahauser. Und so war es auch am Montag am Amtsgericht, nachdem zwei Zeugen, das 18-jährige Opfer und sein Stiefvater, noch einmal ausgesagt hatten. Beide schilderten für den Richter glaubhaft die Geschehnisse auf der Kirmes 2018 in Ahaus.

Schon im Autoscooter wurden der 18-Jährige und seine Freundin von Jugendlichen beleidigt. Dann ging der Streit vor dem Autoscooter weiter. Immer mehr, rund 30 Personen, versammelten sich schließlich im Halbkreis vor dem Opfer. „Sie meinten, mich schubsen und beleidigen zu müssen“, so der Ahauser. Irgendwann sei der im Januar Verurteilte durch die Menge gekommen und habe ihn direkt ins Gesicht geschlagen.

Jetzt lesen

Sein Stiefvater berichtete, dass er und seine Lebensgefährtin bewusst auf die Kirmes gegangen seien, um nach ihrem Sohn zu sehen, da es schon ähnliche Vorfälle gegeben habe. Erst standen sie dabei. Als dann der Schlag kam, habe er den jungen Mann weggeschubst. „Ich wollte meinen Sohn schützen“. Der Mann habe dann noch seine Lebensgefährtin aufs übelste beleidigt, als diese die Polizei rief.

Es gab keinen Schlichtungsversuch

Ob der damals Verurteilte schlichten wollte? So fragten Richter und der Vertreter der Staatsanwaltschaft beide Zeugen. „Das ist absolut gelogen“, so das damalige Opfer. „Die einzigen, die versuchten zu schlichten, waren meine Eltern.“ Und der Stiefvater: „Der hat ja angefangen.“

Am Ende dann das eindeutige Fazit des Staatsanwalts: „Der Mann ist zu Recht verurteilt worden.“ Schwerer tat er sich mit dem Urteil. Mindestens drei Monate Freiheitsentzug sind für Erwachsene vorgesehen. Beim 19-Jährigen, der als Abiturient kurz vor einer Ausbildung noch zu Hause lebt, stand schnell fest, dass er nach Jugendstrafrecht verurteilt wird. Und das sieht nicht so eine Mindeststrafe vor. „Das ist ihr Glück“, so der Staatsanwalt.

Jugendstrafrecht für 20-Jährigen, weil die geistige Reife fehlt

Und auch der 20-jährige Angeklagte kommt noch in Genuss der Jugendstrafe, obgleich er bereits als Student eine eigene Wohnung hat und eigenständig lebt. Genau die Tatsache, dass er die Falschaussage weiter abstritt, sprach am Ende für ihn. „Dass sie das immer noch nicht einsehen wollen, zeigt, dass sie nicht die geistige Reife eines Erwachsenen haben“, so die Staatsanwaltschaft.

Dem schloss sich der Richter an. „Das ist ein Grenzfall. Sie haben Glück gehabt“, sagte er. Beide erhalten einen Freizeitarrest und müssen 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. „200 Stunden tun weh und geben Zeit darüber nachzudenken, ob es sich lohnt, einen Freund zu schützen“, so der Staatsanwalt.

Eine Frage hatte einer der jungen Männer noch. Was denn Freizeitarrest bedeute? Der Richter: „Samstagmorgen gehen Sie in den Jugendarrest und Sonntagabend oder Montagmorgen wieder raus. Ein Wochenende Knast zum Schnuppern.“

Lesen Sie jetzt