Furioses Gehirnstottern mit Reiner Kröhnert

Politisches Kabarett begeistert

Das Polit-Kabarett, das die rund 250 Zuschauer am Montagabend im Rahmen der Ehrenamtswoche zu sehen bekamen, war wirklich die Krönung – „Kröhnerts Krönung“ eben. Die Ehrenamtlichen freuten sich diebisch an den vergnüglichen Seitenhieben auf „Bimbesregierung“ und Showgeschäft.

AHAUS

von Von Anna-Lena Haget

, 17.09.2013, 17:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kabarettist Reiner Kröhnert führte die rund 250 Zuschauer durch die absurden Niederungen von deutscher Politik und Showgeschäft.

Kabarettist Reiner Kröhnert führte die rund 250 Zuschauer durch die absurden Niederungen von deutscher Politik und Showgeschäft.

Die Begrüßungsworte sprach der stellvertretende Bürgermeister Rudolf Enning-Harmann. „Ohne Ehrenamt geht nichts. Wir wollen uns bedanken für das ehrenamtliche Engagement, das Sie zeigen“, sagte der Politiker. Sybille Großmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahaus, hatte den Abend mitorganisiert und begrüßte die Teilnehmer persönlich. Die Gäste, die sich das ganze Jahr über in Vereinen und Verbänden im Stadtgebiet einbringen, bekamen im Fürstensaal des Schlosses ein bissiges Dankeschön serviert. Kabarettist Reiner Kröhnert wartete bei seinem Auftritt mit minimalistischem Bühnenbild (nur er und ein Schwingsessel) auf. Die politischen Pointen waren dafür umso fetter.

Zur Eröffnung kam Kröhnert mit einer Angela-Merkel-Parodie auf die Bühne, die sich gewaschen hatte. Als „junges, naives Polit-Girlie auf der Suche nach potenten Potentaten“ sorgte der Komödiant für die ersten Lacher. Politische Zwangsehen mit dem „Presssack in Strickweste“ Helmut Kohl, „Jim Knopf auf Valium“ Franz Müntefering und dem „Esel als Außenminister“ Guido Westerwelle inklusive. „Esel haben es schlichtweg nicht verdient, mit Guido Westerwelle auf eine Stufe gestellt zu werden“, echauffierte sich Kröhnert. Das eselfreundliche Publikum stimmte mit frenetischem Applaus zu. Auch das gescheiterte Bauprojekt Stuttgart 21 bekam sein Fett weg. „Stuttgart 21 kommt bis nach Berlin – womöglich mit der Bahn“, so das Fazit. Reiner Kröhnert ging unter anderem der Frage nach, wie viele Gesichter der Intellekt hat. Und hielt den Größen des bildungsfernen Fernsehens schonungslos den Spiegel vor. Ob als Boris Becker mit Gehirnstottern oder Dieter Bohlen mit furiosen Fäkalfantasien – zu lachen gab es für die Zuschauer jede Menge.

Selbst die großen, alten Herrschaften der klassischen deutschen Parteienlandschaft gaben sich im Programm „Kröhnerts Krönung“ die Ehre. Perfekt imitierte der Kabarettist beispielsweise den gelben Pullunderträger Hans-Dietrich Genscher. Im Trigespräch mit den alten Haudegen Hans-Jochen Vogel und Rita Süssmuth entstand eine ganz eigene, teils absurde Welt zwischen Altersmilde und Altersdemenz der einst so starken Parteifunktionäre. Für die älteren Semester ein absolutes Schmankerl – jüngere Gäste bis 25 Jahre mussten Otto Graf Lambsdorff anschließend wahrscheinlich erst einmal googlen. „Wahnsinn, der hat ja Sprüche drauf!“ staunte eine Besucherin in der Pause, als für die Gäste kostenlose Getränke gereicht wurden. In einem waren sich aber wohl alle einig: Die Ehrenamtswoche ist eine sehr lohnenswerte Veranstaltung, die unbedingt wiederholt werden muss.

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