Gastwirt Bernd Bredeck hat etwas gegen Raser

rnKirchstraße in Alstätte

Es gibt keine andere Straße in Ahaus, in der sich auf so kurzer Distanz so viele Kneipen knubbeln wie auf der Kirchstraße. Bislang gilt „Tempo 30“, das ist manchen Anliegern noch zu schnell.

Ahaus

, 25.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dienstagvormittag auf der Kirchstraße in Alstätte. Ein Autofahrer zuckelt gemächlich durch den Ort, doch die meisten haben es deutlicher eiliger, mit ihrem Wagen durch die Tempo-30-Zone zu kommen. Spitzenreiter dürfte an diesem Vormittag wohl der Fahrer eines Paketdienstes sein, der jenseits der 50 km/h-Marke durch die Straße rauscht.

Bernd Bredeck vom Hotel/Gasthof Bredeck-Bakker kennt diese Verkehrssituation zur Genüge. Sein Betrieb liegt direkt an der Kirchstraße, Teile der Außengastronomie auf der anderen Straßenseite. „Hier fährt keiner Tempo 30, teilweise fahren die hier mit 80 Sachen durch“, sagt der 44-Jährige. „Dass noch kein Autofahrer im Schaufenster bei Augenoptik Banken gelandet ist, das wundert mich.“

Verkehrsberuhigung mit einfachen Mitteln

Eine Verkehrsberuhigung müsse doch mit einfachen Mitteln möglich sein, sagt der Anlieger. Vielleicht müssten die „30“-Schilder größer sein, vielleicht müsste „30“ mit weißer Farbe auf dem Pflaster markiert werden. Vielleicht müssten die Autofahrer auch einfach nur mit dem Fuß auf dem Bremspedal fahren. „Aber das macht ja keiner.“

Vielleicht wäre auch die Einrichtung einer Einbahnstraße eine Möglichkeit, sagt Bernd Bredeck. „Oder eine Spielstraße.“ Von den sogenannten Berliner Kissen, in den Boden eingelassenen Temposchwellen, hält er nicht ganz so viel. „Die sind eher unpraktisch, wenn hier ein Rettungswagen fahren muss.“

Unterm Strich sei es doch nur ein kleines Anliegen, sagt der Gastwirt, der die Dinge selber schon mal in seinem Sinne geregelt hat. „Da war hier so viel Verkehr, da habe ich einen Pylon mitten auf die Straße gestellt.“ Prompt habe sich das Ordnungsamt bei ihm gemeldet. „Es hieß von der Verwaltung, ich würde in den Straßenverkehr eingreifen, das ginge nicht.“

Ab und zu sorgt Bernd Bredecks Hund „Schnitzel“ vor dem Gasthof für eine natürliche Entschleunigung des Verkehrs – immer dann wenn er sich auf die Straße setzt. „Aber das kann er ja auch nicht Tag und Nacht tun“, sagt sein Herrchen.

Gastwirt Bernd Bredeck hat etwas gegen Raser

Bernd Bredecks Hund "Schnitzel" wirft ab und zu ein Auge auf den Verkehr, ganz im Sinne seines Herrchens. © Christian Bödding

Den Pylon hat Bernd Bredeck immer noch, für alle Fälle. „Wir müssen die Bürgersteige von Eis und Schnee freihalten, das wird von uns Anliegern verlangt. Aber die Stadt müsste doch auch dafür Sorge tragen, dass der Autoverkehr hier sicherer wird. Das ist doch ein Geben und Nehmen.“

„Keine Lawine lostreten“

Über die Verkehrsberuhigung auf der Kirchstraße hat er schon mit mehreren Anliegern gesprochen. Sie alle wollen „keine Lawine lostreten“, würden sich aber doch zusätzliche verkehrslenkende Maßnahmen wünschen. So wie Mazlum Akyol vom Kurfürstengrill an der Kirchstraße: „Eine Tempo-20-Begrenzung wäre hier schon gut.“

Verwundert ist Bernd Bredeck über das Ergebnis der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Auf Antrag der Grünen ging es um die „Überprüfung zur Errichtung einer Tempo-20-Zone“ auf der Kirchstraße.

Neben Bredeck-Bakker, dem Dorfgasthof Wissing, dem Hotel/Gasthaus Franke sowie „Teles Pinte“ kämen zusätzlich noch mehrere Einzelhändler hinzu. Der Verkehr zeichne sich durch einen hohen Anteil an Radfahrern und Fußgängern aus. Die Straße zeige einen „innenstadtähnlichen Charakter“.

„Rechtlich haltbar“

Ob tatsächlich die Ausweisung einer Tempo-20-Zone möglich sei, dazu hatte die Verwaltung Informationen eingeholt. „Es ist rechtlich haltbar, das zu tun“, lautete das Fazit von Ordnungsamtsleiter Fabian Wellers nach einem Gespräch mit der Kreispolizeibehörde. „Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage.“

Auf die Frage, ob die Ausweisung einer Tempo-20-Zone nicht einen „Beschilderungsaufwand“ nach sich ziehe, antwortete Wellers: „Da wird es etwas bunter in Alstätte.“ Einen Tempo-20-Bereich gebe es in Ahaus bislang nicht, erläuterte der Ordnungsamtsleiter in der Sitzung. Aber: „Die Kirchstraße ist schon eine besondere Straße. Es gibt keine andere Straße in Ahaus mit einer solch geballten Gastronomie entlang einer schmalen Straße.“

Ludwig Niestegge (UWG) berichtete von seinen Erfahrungen als Bürgerbusfahrer. Entlang der Kirchstraße würden viele Autos parken. „Schneller als mit Tempo 30 fährt man dort sowieso nicht.“ Franz Benölken (CDU): „Wenn ich dort 20 fahren kann, fahre ich schnell.“

Die Stadt solle keinen Schilderwald produzieren, eine größere Verkehrssicherheit sei so nicht zu bekommen. Bei lediglich einer Ja-Stimme (Grüne) lehnte der Ausschuss den Antrag auf Einrichtung einer Tempo-20-Zone ab.

Verkehr auf der Hamalandroute

Viel zu unbekümmert sei dieses Vorgehen, sagt Bernd Bredeck. Die Hamalandroute führe direkt über die Kirchstraße. Oldtimer, Treckertouren, all das werde durch den Ortskern geleitet. „Das ist natürlich toll, bringt aber auch zusätzlichen Verkehr mit.“

Bernd Bredeck sorgt sich um die Sicherheit seiner Familie, um seine kleinen Kinder und natürlich auch um seine Bedienung und die Gäste. Gerade in Sachen Außengastronomie gebe es in den Sommermonaten doch brenzlige Situationen, weil die Autos zu schnell über die Kirchstraße fahren würden. Hinzu komme der beengte Straßenquerschnitt. „Wenn zwei Autos sich mit hohem Tempo hier begegnen, wird es gefährlich.“

Entlang der Kirchstraße zeugen Begrenzungspoller in Schieflage davon, dass das in der Vergangenheit wohl mehr als einmal vorgekommen ist.

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