Gegen die Tradition: Sollen Schützenvereine Frauen ans Gewehr lassen?

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Gleichberechtigung ist in vielen Schützenvereinen noch nicht angekommen. Frauen dürfen nicht Mitglied sein. Olaf Scholz findet reine Männervereine nicht zeitgemäß. Ändert das etwas in Ahaus?

Ahaus

, 14.11.2019, 12:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Schützenverein Oldenburg hat gerade seine Satzung geändert. Ab sofort dürfen Frauen Mitglieder werden. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, die Frauen nur als Begleitung der Schützen zu sehen“, so hatte es der Vorsitzende Alfred Thiel der Generalversammlung erklärt. In Ahaus ist sein Verein dabei eher die Ausnahme.

Eine Umfrage bei Vorsitzenden der Ahauser Schützenvereine bringt immer wieder die gleiche Aussage: „Das ist bei uns kein Thema.“ Und was sagen sie zu dem Vorstoß des SPD-Politikers Olaf Scholz, der Vereinen, die grundsätzlich keine Frauen aufnehmen, die Gemeinnützigkeit und damit Steuervorteile entziehen will?

Viele Schützenvereine sind gar nicht als gemeinnützig anerkannt

Andreas Lackmann, Chef des Protokolls beim Bürger- und Junggesellenschützenverein Ahaus 1584/1606, erläutert: „Wir sind nicht als gemeinnützig anerkannt. Insofern trifft uns das nicht.“ Beim Schützenverein Feldmark 05 ist das genauso. Vorsitzender Uwe Fellrath spricht von einem Strohfeuer.

Und Christian Gosling, Vorsitzender des Bürgerschützenvereins St. Georg Ottenstein, erläutert: „Die Umsätze von früher sind gar nicht mehr vorhanden. Deshalb trifft uns das nicht.“ Er glaubt zudem, dass Scholz mit seinem Vorstoß nicht durchkommt. Es seien ja nicht nur Schützenvereine, sondern viele andere Vereine betroffen.

Gegen die Tradition: Sollen Schützenvereine Frauen ans Gewehr lassen?

Stehen hier bald auch Frauen: Der Schützenverein Oldenburg nimmt jetzt auch Frauen auf. © Kippic (Archiv)

Der Bürger- und Junggesellenschützenverein Ahaus ist der älteste in der Stadt. Rund 650 Mitglieder gibt es, Frauen waren nie darunter. Eine besondere Note bekam diese Tatsache, als Karola Voß Bürgermeisterin wurde. Die Satzung sieht die Möglichkeit vor, dass der Ahauser Bürgermeister Präsident wird. Zu einem Wechsel kam es damals nicht. Dass Karola Voß eine Frau ist, war nicht ausschlaggebend, so Andreas Lackmann. „Wir wollten Felix Büter behalten. Er ist ein guter Präsident.“

Thema beim Treffen der Stadtschützenvereine

Andreas Lackmann sagt auch: „Wir hatten nie eine Bewerbung von einer Frau.“ Frauen seien sowieso immer dabei. Wenn er das nächste Treffen der fünf Stadtschützenvereine ausrichtet, könnte die Mitgliedschaft von Frauen aber Thema werden. Neben Feldmark 05, Feldmark Süd und Ammeln ist auch Oldenburg dabei. „Man muss den Frauen die Möglichkeit geben, Mitglied mit allen Rechten und Pflichten in unserem Verein zu werden“ – diese Aussage von Alfred Thiel könnte dann Diskussionsgrundlage sein.

Auch in Ottenstein sind Frauen von der Mitgliedschaft ausgeschlossen. Christian Gosling, Vorsitzender des 666 Mitglieder zählenden Bürgerschützenvereins St. Georg, sieht darin kein Problem. „Wir versuchen, Frauen zu integrieren“, sagt er: „Beim Ausholen des Königs laufen inzwischen Frauen in der Parade mit.“ Grundsätzlich sei er nicht abgeneigt, das Thema aufzugreifen. „Ob bei den Schützen oder in einer eigenen Abteilung, das müsste man überlegen.“ Vor allem müsste man auch die Meinung der Frauen erfragen.

Schützen sind Traditionsvereine

Christian Gosling verweist aber auch auf die Tradition, die zu erhalten schließlich auch die Aufgabe der Schützenvereine sei. Und das traditionelle Bild der Schützen gehört für ihn auch dazu.

Auch für Uwe Fellrath, Vorsitzender des mit rund 750 Mitgliedern größten Schützenvereins, Feldmark 05, ist die Frage nach der Mitgliedschaft von Frauen kein Thema. Das aber aus einem anderen Grund. „Wir haben bereits vor zwei, drei Jahren die erste Frau für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt.“

Gegen die Tradition: Sollen Schützenvereine Frauen ans Gewehr lassen?

Der Bürgerschützenverein „St. Andreas Wüllen 1686“ © KIPPIC (Archiv)

Die Frauen sind allerdings in der Minderheit. Bürgermeisterin Karola Voß ist übrigens eine von ihnen. Auch Uwe Fellraths Frau ist nicht Mitglied, aber selbstverständlich immer dabei. „Dann müssten wir ja doppelt Beitrag zahlen“, sagt Fellrath lächelnd. Im Ernst: In den Vorstand hat es eine Frau noch nicht geschafft.

Eine Schützenkönigin wäre ungewöhnlich

Und eine Schützenkönigin? „Die Satzung schließt das nicht aus“, sagt Uwe Fellrath und nach kurzem Nachdenken: „Das wäre ungewöhnlich“. Denn auch Feldmark 05 ist ein Traditionsverein. Und so sind die weiblichen Mitglieder zwar dabei, aber sie wollen nicht den Vogel runterholen oder wie am kommenden Sonntag beim Volkstrauertag mit den Schützen mitmarschieren.

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Uwe Fellrath sieht in Heek ein anderes, ein schlechtes Gegenbeispiel. „Das ist eine ziemliche Katastrophe, was in Heek passiert“, sagt er. Dort hat sich der Frauenschützenverein St. Elfi gegründet. „Wenn Frauen einen eigenen Verein gründen, ist das in Ordnung, Aber dann dürfen abends nur Frauen ins Zelt rein. Das ist keine Gleichberechtigung. Sie hatten die Chance, den Männern donnernd zu zeigen, wie man es machen könnte. Schade eigentlich.“

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