Gemeinde trägt Mitschuld an Monstertruckunglück

Ahauser verletzt

Die Gemeindeverwaltung im niederländischen Haaksbergen hätte die Monstertruck-Show im September 2014 nicht genehmigen dürfen. Während der Veranstaltung war damals das riesige, PS-starke Fahrzeug außer Kontrolle geraten und in die Zuschauermenge gerast. Drei Menschen starben, 28 Zuschauer wurden teils schwer verletzt.

AHAUS

von Von Martin Borck

, 28.10.2015, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gemeinde trägt Mitschuld an Monstertruckunglück

Bei der Monstertruck-Show in der Innenstadt von Haaksbergen waren im September 2014 drei Menschen getötet und 28 zum Teil schwer verletzt worden. Die Gemeinde hätte die Show so nie genehmigen dürfen, entschied jetzt das Gericht.

Der Richter am Verwaltungsgericht in Almelo urteilte gestern, dass die Gemeindeverwaltung keine Gefahreneinschätzung für die Show vorgenommen habe. Die Gemeinde habe sich vorher keinen Überblick über den konkreten Ablauf und die Sicherheitsrisiken der Show verschafft. Genaue Angaben dazu hatten im Antrag der Veranstalter gefehlt. Die Gemeinde hakte nicht nach. Das aber wäre nach Auffassung des Gerichts ihre Pflicht gewesen. Die Gemeinde trage somit eine Mitschuld an dem Unglück.

Den Opfern und ihren Angehörigen gibt das Urteil nach Aussage ihres Anwalts jetzt die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen die Gemeinde vorzugehen. Eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen bei der Verwaltung ist in den Niederlanden nicht möglich.

Separate Strafverfahren

Gegen den Fahrer des Monstertrucks und die Veranstalter der Show laufen derzeit separate Strafverfahren in Almelo. Der Staatsanwalt hatte konstatiert, dass der Platz vor dem Jumbo-Supermarkt in Haaksbergen viel zu klein für die Durchführung einer Monstertruck-Show sei. Das hätten sowohl der Veranstalter der Show als auch der Fahrer des Monstertrucks erkennen müssen.

Der Fahrer hatte stets ausgesagt, dass er wegen eines technischen Defekts nicht habe bremsen können. Der zur Zeit des Unglücks amtierende Haaksbergener Bürgermeister Hans Gerritsen hatte im Beschwerdeausschuss, der nach dem Unglück tagte, zugegeben, dass die Genehmigungsbedingungen nicht mit der notwendigen Sorgfalt unter die Lupe genommen worden seien.

Rücktritt im Juni

Dennoch war Gerritsen bei seiner Einschätzung geblieben, dass die Genehmigung auch nach einer genaueren Risikoprüfung durch die Gemeinde mit den damals erteilten Auflagen erteilt worden wäre. Darum hatte er auch die im September 2014 erteilte Genehmigung im Nachhinein nicht zurückgenommen. Diese Auffassung hatte Gerritsen heftige Kritik auch durch den niederländischen Untersuchungsrat für Sicherheit eingebracht. Gerritsen trat im Juni zurück.

Im Rahmen einer Vorführung in der Innenstadt von Haaksbergen war im September 2014 ein Monstertruck zunächst über einen PKW gesprungen, hatte dann eine Absperrung durchbrochen und war in die Zuschauermenge gerast. Auch ein Ehepaar aus Ahaus war bei der Katastrophe schwer verletzt worden.

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