Geplante Gassi-Pflicht und mehr: Das sagen Hundehalter und Hundezüchter

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Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner plant eine Veränderung der Hundeverordnung für mehr Tierschutz. Nicht alle Hundehalter und -züchter in der Umgebung befürworten die Änderungen.

Ahaus

, 21.08.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mindestens zweimal täglich für insgesamt eine Stunde sollen Hunde Auslauf im Freien bekommen, Hundezüchter dürfen nur noch drei Hündinnen und ihre Welpen gleichzeitig betreuen und müssen sich in den ersten zwanzig Wochen mindestens vier Stunden am Tag mit den Welpen beschäftigen. All das steht in dem Entwurf der neuen Hundeverordnung, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf den Weg bringen möchte.

Besonders für Züchter haben die geplanten Veränderungen weitreichende Folgen. Ein Züchter aus dem Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung, der seinen Namen hier nicht lesen möchte, befürchtet, dass die neue Verordnung nicht wie geplant den Tierschutz verbessert, sondern sogar verschlechtert. „Das Ergebnis dieser Verordnung wird sein, dass im nächsten Jahr nur noch importierte illegale Welpen verkauft werden.“

Weniger legale Hundezucht durch die Verordnung?

Denn: Viele Menschen würden einen Hund haben wollen, am liebsten einen Welpen. So viele Welpen könnten die Züchter in Deutschland aber gar nicht legal züchten. Vor allem nicht, da nach der neuen Verordnung ein Züchter nur noch maximal fünf Hunde im zuchtfähigen Alter betreuen darf. Vorher waren es zehn.

Folglich würde das legale Angebot weniger, die Nachfrage bleibe aber bestehen. Das biete illegalen Hundezüchtern und -händlern dann genügend Raum. Ebenfalls sei das Züchten wirtschaftlich so nicht mehr tragbar. „Wenn ich das hier sehe, kann ich die Zucht aufgeben“, sagt der Hundezüchter.

Auch andere Regeln der neuen Verordnung findet er fragwürdig, zum Beispiel, dass Welpen vier Stunden am Tag beschäftigt werden sollen. „Natürlich müssen die Welpen sozialisiert werden. Aber in erster Linie muss die Mutterhündin das Tier aufziehen, nicht der Mensch.“ Ein Welpe könne nicht dauerhaft beschäftigt und bespaßt werden, sondern ihm müsse auch Ruhe gegeben werden.

Mindestens Vier Stunden Welpenbeschäftigung sind zu viel

Hans-Jürgen Kubik züchtet deutsche Schäferhunde in Hörsteloe. Auch er findet es schwierig, dass sich ein Züchter mindestens vier Stunden täglich mit den Welpen beschäftigen soll, allerdings aus einem anderen Grund. „Vier Stunden als Vorgabe finde ich ein bisschen viel, wenn Leute noch arbeiten gehen.“

Kubik ist nicht hauptberuflich Hundezüchter und hält auch nicht viel von gewerbsmäßiger Zucht. Alle drei Jahre hat er einen Wurf. Viele der neuen Regeln betreffen ihn daher nicht so stark. Trotzdem findet er die geplante neue Verordnung „von Grund auf richtig.“

Er fragt sich allerdings: „Wer soll das überprüfen?“ Laut Landwirtschaftsministerum sollen dafür die Behörden der Länder zuständig sein. Inwiefern das klappen soll, findet Kubik fraglich. Es sei schließlich jetzt schon schwierig, den Tierschutz genügend zu kontrollieren und zum Beispiel den illlegalen Welpenhandel zu unterbinden.

Für Tierschützer ist die Verordnung das Minimum an nötigem Tierschutz

Für Julia Rehermann von Julias Tierheim in Ahaus ist die neue Verordnung ein Schritt in die richtige Richtung, besonders was das Verbot der Ausstellung von Qualzuchten angeht. Und auch, dass die Zwingerhaltung durch verpflichtenden Auslauf für Hunde entschärft wird, findet sie gut. Aber die Verordnung sei auch „das Minimum.“

Zu der Regel, dass sich ein Betreuer um höchstens drei Würfe gleichzeitig kümmern darf, sagt sie: „Drei Würfe sind schon nicht ohne. Ein guter Züchter hat nur einen Wurf.“ Denn dann könne gewährleistet werden, dass der Züchter genügend Zeit hat, um die Hunde gut zu sozialisieren.

Doch nicht nur Züchter, auch Hundehalter sind von der neuen Verordnung betroffen, indem sie ihren Hunden zweimal täglich für insgesamt eine Stunde Auslauf im Freien gewähren sollen.

Das sagen Hundehalter zur Gassi-Pflicht

Michaela Kloster (46) aus Gescher findet diese neue Regel gut: „Man schafft sich ein Haustier an und das bedeutet ja auch Verpflichtung.“ Eine Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, ist da etwas anderer Meinung. „Ich glaube das hat jeder für sich schon erkannt, dass man mindestens zweimal am Tag mit dem Hund raus muss. Eine Verordnung ist deswegen nicht nötig.“

Filiz Zismann (30) aus Wüllen ist zwiegespalten, was die geplante Verordnung angeht. Auf der einen Seite findet sie: „Viele halten ihre Hunde falsch, zum Beispiel nur im Zwinger. Da ist so eine Verordnung sinnvoll.“ Andererseits: „Man kann es nicht so verallgemeinern. Wir gehen mit unserem Hund normalerweise drei Mal am Tag. Aber wenn es regnet oder sehr heiß ist, auch weniger und kürzer.“ Das passe dann nicht mit der Verordnung überein, sei aber nicht schlecht für den Hund.

Ähnlich sieht es Michael Pierk aus Gescher. „Der Ansatz ist gut. Ein Hund kann nicht ja nicht acht oder zehn Stunden am Tag alleine zu Hause bleiben.“ Eines bleibt für ihn aber unsicher: „Inwieweit das durchführbar und kontrollierbar ist, ist fraglich.“

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