Gericht spricht 28-Jährigen nach Streit bei Karpaten von Körperverletzung frei

rnKrawall bei Karpaten

Auch fast ein Jahr nach der letzten Karpaten-Veranstaltung, hat es das Amtsgericht Ahaus noch mit Zwischenfällen der Partys dort zu tun. Am Dienstag ging es um vorsätzliche Körperverletzung.

Ahaus

, 13.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine Partynacht auf Karpaten 2018. Gegen 4 Uhr kommt es zum Streit zwischen mehreren Feiernden. Am Ende wird ein heute 28-Jähriger aus Borken vom Sicherheitspersonal abgeführt. Vor Gericht stand er am Dienstag, weil er einem der Mitarbeiter in den Rücken getreten haben soll.

Laut dem Leiter des Sicherheitsdienstes an jenem Abend hatte der 28-Jährige seinem Kollegen mehrfach in den Rücken getreten, als dieser einen anderen Feiernden vor die Tür brachte. So hatte er es in der Anzeige zu Protokoll gegeben. Vor Gericht kann er den Angeklagten als Täter aber nicht mehr zweifelsfrei identifizieren.

Opfer hat Täter nicht gesehen

Der Sicherheitsmitarbeiter, ein 45-jähriger Anlagenmechaniker aus Münster, der den Security-Job nebenberuflich ausübt, erleidet eine Nierenprellung. Drei Tage kann er nicht arbeiten, hat Blut im Urin und eine knappe Woche Schmerzen. Ob er den Täter denn nicht gesehen habe, fragt ihn der Richter. „Ich weiß nicht, ob Sie schon mal einen Tritt in den Rücken bekommen haben, aber das ist nicht so angenehm“, gibt der betont ruhig zurück. Nein, den Täter habe er nicht erkannt. Nach dem Angriff sei er erst mal außer Gefecht gewesen. Zunächst habe er sogar an eine Stichverletzung gedacht.

Drei Freunde des Angeklagten, die mit ihm an dem Abend gefeiert hatten, nahmen ihn jedoch in Schutz: Nach einem kurzen Streit mit einer anderen Gruppe sei sofort das Sicherheitspersonal da gewesen. Sie hätten ihn erst zu Boden gerungen und dann mit den Armen hinter dem Rücken und nach unten gedrücktem Kopf aus dem Zelt geführt. „Das war schon unnormal brutal“, so einer der Zeugen. Treten hätte der Mann zu diesem Moment auf keinen Fall mehr können.

Riesendurcheinander vor dem Partyzelt

Auch vor dem Zelt muss es in dieser Partynacht noch hoch her gegangen sein: Der 42-jährige Polizist, der vor Ort die Anzeige aufgenommen hat, und an diesem Morgen vor Gericht als Zeuge befragt wird, spricht nur von einem „Riesendurcheinander“ und davon, dass es „hoch herging“. Er sei die ganze Zeit damit beschäftigt gewesen, mehrere Personen zu beruhigen, festzuhalten und den Sachverhalt aufzunehmen. „Nüchtern war da keiner mehr“, sagt er dem Richter. Auch der Angeklagte gibt dort noch keine Ruhe. Er ist so aufgebracht und aggressiv, dass er die Nacht im Polizeigewahrsam verbringt. Ein Atemalkoholtest vor Ort ergibt umgerechnet rund 1,1 Promille Alkohol im Blut.

Einen Streit mit anderen Partygästen hatte der 28-jährige Angeklagte zu Beginn des Verfahrens eingeräumt, die Tritte gegen den 45-Jährigen jedoch stets vehement bestritten. Dass der 45-Jährige angegriffen wurde, steht für das Gericht außer Zweifel. Dem Angeklagten kann der Tritt aber nicht nachgewiesen werden. Freispruch.

Schulungen sollen Personal vor Übergriffen schützen

Übergriffe auf Sicherheitspersonal sind bei PMC, dem Sicherheitsdienstleister aus Stadtlohn für den auch der Geschädigte tätig ist, bekannt, aber sehr selten. Wie eine Mitarbeiterin von PMC im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt, seien alle Mitarbeiter auf Deeskalation und entsprechendes Auftreten geschult. Namentlich möchte sie allerdings nicht genannt werden. „Wir sind dafür auch zertifiziert“, erklärt sie weiter.

Ein strenges Verfahren, das an hohe Standards und regelmäßige Schulungen gekoppelt wird. „Viele unserer Kunden sind Stammkunden. Da können wir es uns gar nicht leisten, schlechte Arbeit zu liefern oder nicht-zertifiziertes Personal zu schicken“, sagt sie. Dennoch sei eben der Umgang mit stark alkoholisierten Menschen immer schwierig. Deswegen geben sich die Sicherheitskräfte bei den unterschiedlichen Veranstaltungen gegenseitig Deckung. „Dass da jemand alleine in eine Menge geht, kommt nicht vor“, erklärt sie. Dass es immer wieder Ausnahmesituationen gebe, zeige der jetzt verhandelte Fall.

Die Gewalt auf Veranstaltungen habe über die vergangenen Jahre nicht nennenswert zugenommen. Eine andere Entwicklung hat sie aber beobachtet: „Der Respekt ist ein anderer geworden“, sagt sie. Das wiederum sei aber ja kein spezifisches Partyproblem, sondern zeige sich ja überall in der Gesellschaft.

Insgesamt keine auffällige Veranstaltung

Angesprochen auf Zwischenfälle bei Karpaten, spricht die Polizei von einer eher übersichtlichen Menge von Straftaten. Wie Thorsten Ohm von der Polizeipressestelle der Polizei Borken erklärt, mussten die Beamten 2018 dort ungefähr zwölf Anzeigen wegen Körperverletzungen aufnehmen. Vor dem Hintergrund, dass dort an jedem der sechs Wochenenden um die 5000 Personen feierten, sei das keine auffällige Veranstaltung.

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