Gericht verurteilt 34-jährige Mutter zu viereinhalb Jahren Haft

Millionenschwere Untreue

Damit hatte die Ex-Buchhalterin des Marienhospitals Bottrop nicht gerechnet: Die 34-jährige Mutter aus Ahaus ist am Freitag in Essen wegen Millionen schwerer Untreue zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

AHAUS/ESSEN

15.05.2015, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kaum war das Urteil gesprochen, wischte sich die Angeklagte eine Träne aus dem Gesicht. „Mir tut das alles sehr leid“, hatte sie kurz vorher noch gesagt. „Vor allem für meine Familie.“

Drei Jahre ist ihr kleiner Sohn inzwischen alt. Wie schwer die Zukunft für ihn wird, wissen auch die Richter. „Das Kind wird eine entscheidende Lebensphase ohne seine Mutter verbringen“, sagte Dr. Oliver Greff, Vorsitzender Richter der zwölften Strafkammer des Essener Landgerichts. Die Schuld dafür trage die Angeklagte jedoch ganz allein. „Die Taten wurden immer dreister und skrupelloser.“ Die Angeklagte hatte gestanden, zwischen 2009 und 2013 fast vier Millionen Euro von den Konten der Klinik abgezweigt zu haben.

Gericht unbeeindruckt

Die Art und Weise ihrer Offenbarung hatte die Richter dabei allerdings nicht beeindruckt. „Sie hat die Taten so geschildert, wie andere von ihrem Urlaub erzählen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Buchungen waren als Rückzahlungen an Krankenkassen oder Privatpatienten getarnt gewesen, das Vier-Augen-Prinzip umging die Frau durch die Benutzung fremder Zugangs-Codes. Richter Greff: „Sie haben die Schwachstellen erkannt, systematisch ausgenutzt und ihr Vorgehen im Laufe der Zeit immer weiter perfektioniert.“ Gefälschte Emails, gefälschte Rechnungen, gefälschte Buchungslisten: Die Vorgehensweise der 34-Jährigen war offenbar so gut, dass die Untreue nicht einmal bei der Kontrolle der Jahresabschlüsse aufgefallen ist.

Wie ein Spiel

Ein Fehler der Klinik? „Die Kontrollmechanismen des Marienhospitals haben versagt“, hatte Verteidiger Clemens Louis in seinem Plädoyer erklärt. Für die Angeklagte sei die Untreue am Ende fast wie ein Spiel gewesen. „Sie hat mir einmal gesagt: Es war einfach nur ein Klick, und schon war das Geld weitergeleitet.“

Unverständlich sei auch, warum die Banken nicht wegen des Verdachts auf Geldwäsche Alarm geschlagen hätten. Die Angeklagte habe das Geld schließlich auf Konten ihrer Freunde und Bekannten verteilt. So waren bei einem Hartz-IV-Empfänger insgesamt fast drei Millionen Euro aufgelaufen.

Gegen den ebenfalls angeklagten Ehemann der 34-Jährigen sind zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt worden. Er hatte zeitweise ebenfalls in der Buchhaltung des Marienhospitals Bottrop gearbeitet.

Auch seine Frau hatte bis zuletzt auf eine Bewährungsstrafe gehofft. Dafür sahen die Richter jedoch keinen Spielraum. Der Staatsanwalt hatte sogar sechs Jahre Haft und ein fünfjähriges Berufsverbot gefordert.

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