Gesundheitsministerin warnt vor drohendem Ärztemangel

Besuch in Ahaus

Die gute Nachricht vorweg: Die Versorgung mit Ärzten in Ahaus ist noch gut. Die Versorgungsquote liegt bei 110 Prozent. Für NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) ist das aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil: Genau jetzt sei der Moment, um die Stadt für die Zukunft sicher aufzustellen.

AHAUS

, 14.08.2015, 18:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gesundheitsministerin warnt vor drohendem Ärztemangel

Barbara Steffens diskutierte am Donnerstag mit Bürgermeisterkandidat Jürgen Schmeier, Internistin Dr. Barbara Tielkes und Urologe Cornelius Bertels.

„Wenn wir jetzt nicht dafür sorgen, dass mehr Ärzte aufs Land kommen, kann die Situation in vier oder fünf Jahren auch in Ahaus schon ganz anders aussehen“, sagte die Ministerin am Donnerstagabend in Ahaus. Abgesehen von der Bundesgesetzgebung oder einer Reform des Medizinstudiums oder einem höheren Praxisbezug in der Ärzteausbildung könne auch auf Landesebene mehr für die medizinische Versorgung getan werden.

Beispiel Prävention: „Wir müssen die Prävention stärken und sie gerade in den Köpfen der Älteren verankern“, sagte Steffens. So ließe sich der Moment, in dem Menschen pflegebedürftig werden, um Jahre nach hinten schieben. „Und wenn alleine in NRW die Menschen nur einen einzigen Monat später pflegebedürftig würden, könnten wir pro Jahr zwischen 45 und 50 Millionen Euro sparen und besser einsetzen“, erklärt sie.Beispiel Strukturen: „Wir brauchen eine bessere Zusammenarbeit und bessere Vernetzung vor Ort, um die bestmögliche Qualität für die Patienten liefern zu können“, so Steffens. Ein Parallelbetrieb, wie er zum Beispiel mit zwei Augenzentren geschehe, sei nicht zielführend. Die immer größere Spezialisierung der Ärzte führe zu einem weiteren Problem: „Natürlich ist Spezialisierung und die doppelte Facharztschiene mit niedergelassenen Fachärzten und Fachärzten in Krankenhäusern ein Gewinn. So lange wir genug Ärzte haben, um alle Stellen zu besetzten“, erklärte Steffens. Auf dem Land würden aber eben die Generalisten gebraucht, um eine Grundversorgung sicher zu stellen. Schwierig seien auch die Zuständigkeiten: „Die Politik muss die Zukunft gemeinsam mit den Ärzten planen“, sagte sie.Beispiel Infrastruktur: Der Bereich Telemedizin könne eine Möglichkeit sein, um zukünftig Behandlungen zu vereinfachen. So könnten vor allem älteren Menschen unnötige Wege zur Arztpraxis erspart werden, erklärte die Ministerin. Dafür müssten jedoch neue Strukturen geschaffen werden. Steffens erklärte auch, dass es noch keine Musterlösung gebe, um in Zukunft mehr Mediziner aufs Land zu bekommen. Auch eine Diskussion über die Finanzierung müsse noch geführt werden.

Steffens war auf Einladung der Kreistagsfraktion der Grünen nach Ahaus gekommen. Mit auf dem Podium saß auch Jürgen Schmeier, Bürgermeisterkandidat von SPD, UWG, Grünen und WGW in Ahaus. Er hielt sich jedoch im Hintergrund und erklärte lediglich, dass er sich im Falle seiner Wahl dafür einsetzen wolle, mehr Ärzte nach Ahaus zu locken und auch mit der Verbesserung der Infrastruktur vor Ort halten wolle. 

Die Besucherresonanz auf die rege Diskussion im Fürstensaal war bei schwülen Temperaturen am Donnerstagabend eher verhalten. Rund 50 Zuhörer saßen im Publikum – vor allem Vertreter der vier Ahauser Fraktionen, für die Jürgen Schmeier in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt zieht – sowie drei Gegenkandidaten von Schmeier.

Lesen Sie jetzt