Griff in die digitale Kasse landete vor Gericht

Anklage wegen Betrugs

Sie hielt es für eine Sicherheitslücke im System des Gastronomiezweigs von Tobit Software und ergaunerte so zunächst 2636 Euro. Die Freude darüber hielt allerdings nicht sehr lange. Schon nach wenigen Wochen steckte die Anzeige im Briefkasten der 20-Jährigen - die Kündigung war längst ausgesprochen. Auch ihr damaliger Lebensgefährte erhielt bald darauf Post.

AHAUS

von von Johannes Schmittmann

, 09.12.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Tobit-Karten sind viele Ahauser vertraut. Seit Jahren wird in den verschiedenen Tobit-Locations und auch auf den vielen vom Unternehmen organisierten Veranstaltungen kein anderes Zahlungsmittel akzeptiert. Egal ob im Offsite, beim Winterzauber oder im Next.

Das Prinzip ist relativ simpel und funktioniert aktuell wie folgt: Geld wird entweder bar an einer sogenannten Cash-Box aufgeladen, oder eine Verknüpfung mit dem eigenen Bankkonto sorgt für eine automatische Abbuchung der entsprechenden Umsätze. So kommen in der Regel weder Gäste noch Mitarbeiter in den Kontakt mit Bargeld. In jedem Lokal gab es allerdings ein mobiles Gerät, mit dem der leitende Mitarbeiter Karten manuell aufladen konnte. Der Gast hatte am Ende des Besuchs die Möglichkeit, an einer Cash-Box den Restbetrag zu erhalten.

Aushilfe bediente sich

Diese Methode machte sich eine Aushilfe des Unternehmens im Stadtlohner "Spieker" zunutze und lud nicht personalisierte Karten mit einem Betrag auf, der angeblich von Gästen gedeckt worden war. Dazu verschaffte sie sich unbemerkt Zugang zu einem der angesprochenen Geräte. Anschließend fuhr sie nach Ahaus - oder wurde gefahren - und ließ sich an einer Cash-Box im Bamboo oder auf dem Tobit-Campus den Betrag auszahlen. Da die Buchhaltung des Unternehmens diese Transaktionen nicht immer sofort an den Folgetagen überprüfte, fiel der Betrug erst Wochen später auf. Das ermutigte die 20-Jährige zum Weitermachen.

Nach anfänglich 35 Euro wurden die abgehobenen Beträge schnell höher: hier 50 Euro, dort 100 Euro. Nach drei Wochen hatte die Frau den Gesamtbetrag von genau 2636,50 Euro erreicht, bevor ihr endgültig das Handwerk gelegt wurde. Sie hatte es schlicht übertrieben und 350 Euro an einem Tag in die eigene Tasche fließen lassen. Kamerabilder entlarvten sie eindeutig. Ende September bereits wurde sie vom zuständigen Richter am Amtsgericht Ahaus zu 100 Sozialstunden und einer Woche Dauerarrest verurteilt. Besonders schwer wog der lange Zeitraum der Handlungen, der genug Zeit zur Einsicht bot.

Freispruch für Freund

Am Donnerstag folgte nun die Verhandlung gegen ihren vermeintlichen Komplizen. Ihr damaliger Freund hatte sie mehrfach nach Ahaus gefahren und ebenfalls Bargeld mit betreffenden Karten abgeholt. "Ich habe gedacht, es sei Lohn oder Trinkgeld", verteidigte er sich. Trotz erheblicher Zweifel des Richters an den Aussagen des Angeklagten konnte ihm aber keine Mitschuld nachgewiesen werden.

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