Ahauser Anwalt erscheint in Robe – ist aber selbst der Angeklagte

rnStrafprozess

In einer Robe erschien ein Rechtsanwalt zum Prozessauftakt. Allerdings war er auch der Angeklagte. Er soll einen Mandanten um Geld betrogen haben. Der Prozess begann mit einer Kleiderfrage.

Ahaus

, 02.07.2019 / Lesedauer: 3 min

„Bitte ziehen Sie Ihre Robe aus“, sagte der Richter zum Prozessauftakt am Montagmorgen im Amtsgericht Ahaus. Der Verteidiger folgte der Bitte verlegen mit den Worten: „Ist ja auch warm genug hier.“ Doch die Temperatur war nicht der Grund für die Bitte des Richters. Der Verteidiger war zugleich der Angeklagte.

Wegen Untreue musste sich am Montag der 52 Jahre alte Anwalt aus Ahaus im Strafprozess vor dem Amtsgericht verantworten. Eigentlich, so der Richter, sei es in diesem Fall juristisch sinnvoller, von Treubruch oder Betrug durch Unterlassung zu sprechen.

Erben des Mandanten wollen Geld zurück

Konkret warf der Staatsanwalt dem Anwalt vor, im Jahr 2016 die Vorschusszahlung eines Mandanten über 4000 Euro nicht korrekt mit der Erstattung durch die Rechtsschutzversicherung verrechnet zu haben. Der Mandant ist zwischenzeitlich verstorben. Mit den Erben hat der Anwalt bereits in einem Zivilverfahren einen Vergleich geschlossen. Er erstattet 3000 Euro zurück.

„Rechtsschutzversicherung lässt mich am langen Arm verhungern“

Im Strafprozess am Montag beteuerte der angeklagte Anwalt, korrekt gehandelt zu haben. Sein Mandant sei ihm sehr wohlgesonnen gewesen. Und er sei überaus zufrieden mit seiner erfolgreichen anwaltlichen Vertretung gewesen. „Ich habe das Beste für ihn herausgeholt.

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Nur die Rechtsschutzversicherung lässt mich am ausgestreckten Arm verhungern.“ Sie erkenne den hohen Streitwert nicht an und habe nur einen kleinen Betrag gezahlt. Darum habe er den Vorschuss nicht zurückerstattet.

Rechtsanwalt nicht zum ersten Mal angeklagt

Der Anwalt räumte ein, dass seine Kanzlei nicht gut laufe. „Es ist alles ein bisschen knapp“, so der Anwalt. Er stand am Montag auch nicht zum ersten Mal als Angeklagter vor Gericht.In dem früheren Verfahren war er beschuldigt worden, weil er Geld von Dritten verspätet zurückgezahlt hatte. Das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. Damals habe er zu Recht zahlen müssen, sagte der Anwalt am Montag.

Exakte Beträge noch nicht ermittelt

Der Staatsanwalt erklärte zum aktuellen Verfahren, es bestehe prinzipiell keine Rückzahlungspflicht beim Vorschuss, solange der Anwalt nicht die volle Summe von der Rechtsschutzversicherung erhalten habe. Die genaue Höhe der Erstattungen durch die Versicherung konnte der angeklagte Anwalt am Montag aber nicht beziffern. Diese Information sah der Richter aber als gewichtig an. Er unterbrach die Verhandlung. Nun muss bei der Rechtsschutzversicherung erst der exakte Betrag ermittelt werden, bevor der Prozess fortgesetzt wird.

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