Hegeringe suchen Jagdpächter für Revier im Amtsvenn

Noch keine Bewerbungen

Die Bezirksregierung Münster hat ein Revier von 295 Hektar Größe im Naturschutzgebiet Amtsvenn-Hündfelder Moor zur Eigenjagd ausgeschrieben. Der bisherige Pächter will nicht mehr, Bewerbungen liegen noch keine vor. Kein Problem, sagt die Bezirksregierung. Doch die Jäger sehen das anders.

AHAUS

, 14.04.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Jäger auf seinem Hochsitz. Offenbar ein seltener werdendes Bild. Denn für ein 295 Hektar großes Revier findet sich aktuell kein neuer Pächter.

Ein Jäger auf seinem Hochsitz. Offenbar ein seltener werdendes Bild. Denn für ein 295 Hektar großes Revier findet sich aktuell kein neuer Pächter.

"Es wird immer schwieriger", sagt Robert Freimuth. Der Gronauer Hegeringleiter erklärte auf Anfrage: "Die Jäger sind nicht mehr bereit, die hohen Pachten zu bezahlen." Die Hege werde immer aufwendiger, der Wildbestand gehe ständig zurück, dazu "Prädatorendruck" und die Belastung durch Spritz- und andere Hilfsmittel in der Landwirtschaft.

Freimuth: "Die Hege ist immer weniger erfolgreich." Dabei sei die besonders wichtig. "Hege geht immer noch vor Jagd, das bleibt auch so", sagt er. "Wir wollen ja auch einen artenreichen Wildbestand und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bei den Tieren." Das sei immer schwerer zu gewährleisten. Hinzu kämen "Erschwernisse durch das neue Jagdgesetz".

Lage in Naturschutzgebiet

Bei dem jetzt ausgeschriebenen Revier gilt das umso mehr. Es liegt komplett im Naturschutzgebiet. Entsprechend hoch sind die Auflagen und Einschränkungen, unter denen die Jagd dort stattfinden kann. "Der zukünftige Jagdpächter muss sich mit den naturschutzfachlichen Bedingungen identifizieren und bereit sein, diese umzusetzen."

Wer sich um die Pacht bewirbt, durchläuft ein Verfahren, ähnlich einer Bewerbung um eine Arbeitsstelle - Bewerbung, Zeugnisvorlage und Bewerbungsgespräch inklusive. "Wir möchten schon sehen, dass die sich mit der Ausschreibung beschäftigt haben", sagte dazu Thomas Drewitz von der Pressestelle der Bezirksregierung. Etwa eine Woche nach Ende der Bewerbungsfrist am 20. April würden mögliche Jagdpächter zum Gespräch eingeladen. Drewitz: "Wir gucken uns die Leute an."

Brutzeit von März bis Juli

Das ausgeschriebene Revier ist als Teil des Naturschutzgebiets Amtsvenn-Hündfelder Moor auch Teil des Vogelschutzgebiets "Moore und Heiden des westlichen Münsterlandes" und des europäischen Schutzgebietsnetzes "Natura 2000". Darum ist etwa zur Brutzeit der Vögel von Mitte März bis Mitte Juli das Jagen bis auf wenige Ausnahmen nicht erlaubt.

Hier sieht Stefan Woltering vom Hegering Alstätte-Ottenstein-Wessum-Graes ein "Riesenproblem". Etwa um die gleiche Zeit würden nämlich auch die Frischlinge beim Schwarzwild geboren. "Wenn Schweine da sind, müssen die bejagt werden", sagt er. "Eigentlich sind wir ein Gebiet, wo es kein Schwarzwild geben sollte", sagt er. Aber die Bestände nähmen zu - mit sichtbaren Folgen. "Die verursachen Wiesenschäden bei ihrer Suche nach Engerlingen, weil die das Eiweiß brauchen", erklärt er. Und behoben werden müssten derlei Schäden durch die Jäger.

Preisverfall bei der Pacht

Etwa 25 Euro pro Hektar kann eine Jagdpacht jährlich kosten. "Wer die zahlt, zahlt schon sehr viel", erklärt Freimuth. Inzwischen böten viele nur noch 15 bis 18 Euro. Man verpflichte sich schließlich auch auf bis zu zehn Jahre hinaus, diesen Preis zu zahlen.

Bei der Bezirksregierung hält man dagegen: "Es geht nicht allein ums Geld", sagt Pressesprecher Drewitz. "Es gibt auch unter Jägern Leute, die sich um Naturschutz kümmern." Er gehe nicht davon aus, dass es schwierig werde, einen Nachfolger für die Jagd im Amtsvenn zu finden. "Letztes Jahr hatten wir eine Ausschreibung im Tütenvenn, da gab es ein Dutzend Bewerber." Erfahrungsgemäß liefen die Bewerbungen erst kurzfristig vor Fristende ein.

Einschränkungen

Freimuth ist da eher skeptisch. "Das tut sich keiner an", schätzt er. Auch Woltering sieht die naturschutzrechtlich bedingten Einschränkungen kritisch. "Die Bejagung ist stark eingeschränkt und nur zu Zeiten gestattet, die für uns nicht immer passend sind", erklärt er. Hinzu käme, dass Reviereinrichtungen wie etwa Hochsitze nur mit Genehmigung der unteren Landschaftsbehörde eingerichtet und umgesetzt werden dürften.

Und noch etwas störe ihn: "das Volksaufkommen", sprich "die Leute, die im Naturschutzgebiet Tag und Nacht herumrennen." Sein Gronauer Kollege betreibt indes Gedankenspiele: "Sollen NABU, BUND und diese Leute mal so etwas pachten", schlägt er vor. "Da bin ich mal gespannt." Die Ausschreibung ist online auf der Homepage der Bezirksregierung zu finden. brms.nrw.de/go/amtsvenn-ost

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