Heimatverein Ottenstein stolpert über alte Holzpfähle

Baugebiet am Börgerdieksweg

Unauffällig liegen die Holzpfähle am Rand der Baustelle des zukünftigen Baugebietes am Börgerdieksweg. Es könnte sich auf den ersten Blick um Bauholz oder Abfall handeln. Doch der Heimatverein Ottenstein ist sicher: Die sind hunderte Jahre alt und haben einmal einen Teil der Ottensteiner Befestigung getragen. Gewusst hat davon bis vor wenigen Tagen aber offenbar niemand.

OTTENSTEIN

, 19.08.2015, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein gutes Dutzend massiver Holzpfähle liegt am Rand der Baustelle lose aufgestapelt. Tiefgrau, an einer Seite angespitzt, zum Teil gesplittert. Jeder rund drei Meter lang und etwa 30 mal 30 Zentimeter breit und tief. „Die sind richtig massiv. Das ist uraltes Holz. Vielleicht sogar Mooreichen“, sagt Reinhard Haveresch, Vorsitzender des Heimatvereins Ottenstein. Solche Pfähle seien auch bei anderen Bauarbeiten in Ottenstein schon gefunden worden. Es soll sich dabei um Gründungspfähle von Teilen der alten Dorfbefestigung handeln. Sie wurden auf der Baustelle unter der Mutterbodenschicht gefunden, doch der Denkmalschutz weiß erst seit vergangenem Wochenende davon – dank des Heimatvereins.

„Wir wundern uns, dass wir nicht von der Stadt informiert wurden“, sagt Haveresch. Anwohner und Spaziergänger hätten den Heimatverein über die alten Pfähle benachrichtigt. Und Haveresch ärgert sich auch ein bisschen: Die Spuren der Pfähle im Boden und die Grundrisse der Fundamente seien unwiederbringlich verloren. „Egal was dort gestanden hat, es handelt sich um ein Stück Geschichte, das jetzt verloren ist“, sagt er. Die Baumaschinen haben nach dem Fund einfach weitergearbeitet.

Heimatverein meldet Fund an LWL

Deswegen habe der Heimatverein schließlich am vergangenen Wochenende eine E-Mail an die Stadt und den Landschaftsverband Westfalen-Lippe geschrieben und um eine Untersuchung gebeten. Die sollte noch gestern Abend erfolgen.

Eigentlich ist die Stadt als untere Denkmalbehörde für die Bodenfunde zuständig. Und eigentlich müssen Bodenfunde bei Bauarbeiten direkt gemeldet werden. Doch auch im Rathaus habe man erst durch die Nachricht des Heimatvereins vom Fund erfahren, hieß es gestern auf Anfrage der Münsterland Zeitung dazu aus dem Rathaus. Doch inzwischen sei der LWL ja informiert. Der sei jetzt für das Prozedere zuständig.

„Vielleicht haben dort tatsächlich einmal Gebäude gestanden“, sagt Werner Leuker vom Büro des Bürgermeisters. Er hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Baustelle wegen des Fundes stillgelegt worden wäre und der Landschaftsverband eine umfangreiche Bodenuntersuchung vorgenommen hätte. „Bei ähnlichen Funden wurden Gründungspfähle auch aus dem Boden geholt, an der Seite gelagert und dort untersucht“, sagt er.

Stelen für den Dorfpark?

Die Pfosten will der Heimatverein in Zukunft auf jeden Fall nutzen. „Man könnte sie zum Beispiel als Stelen aufstellen – vielleicht im Dorfpark“, sagt Haveresch. Doch das sei noch Zukunftsmusik. Erst einmal sollen die Pfosten nach der Untersuchung in Sicherheit gebracht werden. „Damit sie nicht weiter beschädigt werden“, so Haveresch.

Auf den Fall angesprochen konnte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Mittwoch noch nichts über die Hölzer sagen. Erst seit Montag habe man Kenntnis davon, dass in Ottenstein offenbar Gründungspfähle gefunden wurden. Daher müsse man nun erst einmal prüfen, worum es sich genau handele. Interessant: Trotz eines vollen Terminkalenders haben die Sachverständigen beim LWL extrem schnell auf den Fund reagiert und einen Ortstermin vereinbart. Schon gestern Abend wollte sich ein Vertreter des LWL mit Mitgliedern des Heimatvereins treffen, um sich die Pfähle anzusehen und zu entscheiden, wie es weitergeht.

Weiterer Ablauf wird geprüft

Der weitere Ablauf war am Mittwochabend noch offen. „Wir prüfen das. Das kann aber noch dauern“, so eine Sprecherin des LWL in Münster. Offen ist daher auch, wie die Arbeiten im Baugebiet weitergeführt werden können. „Hier wird bestimmt kein neues Bodendenkmal entstehen“, sagte Heimatvereins-Vorsitzender Reinhard Haveresch. Eine genaue Untersuchung sei dennoch wichtig. „Das ist unsere Geschichte“, so Haveresch. 

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