Hoffnungsschimmer ein Jahr nach der Öl-Katastrophe

Familie Sundermann

Am 12. April 2014 trat nahe einer der als unterirdische Ölspeicher genutzten Kavernen im Salzstock unterhalb des Graeser/Eper Venns Öl aus. Innerhalb weniger Tage tauchten weitere Fundstellen auf. Die Katastrophe nahm ihren Lauf. Sie kostete einigen Kühen das Leben - und Familie Sundermann die Heimat.

GRAES/EPE

, 10.04.2015, 17:05 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es ist ein schmucker Hof - noch immer. Im Vorgarten blühen Forsythien und eine weiße Magnolie. Die Rosen sind ordentlich gestutzt. Vor der Marienfigur im Bildstock an der Hofeinfahrt brennt ein ewiges Licht. Eben hat ein Goldfasan den Weg gekreuzt. Am Straßenrand steht eine prall gefüllte Mülltonne zur Leerung bereit.

Kaum zehn Meter weiter ackert sich ein Radlader durchs Feld und lässt die Idylle vergessen: Hier lebt niemand mehr. Weil man hier nicht mehr leben kann. Und doch: Willi Sundermann öffnet die Tür. Die Frage wirkt fast rhetorisch - entsprechend fällt die Antwort aus: "Wie soll man sich schon fühlen?", sagt der 85-Jährige. Er kommt noch täglich her, obwohl er seit bald einem Jahr im Hotel schlafen muss.

Dauerhaft unbewohnbar

Am 16. April 2014 sickerte das Öl auf dem Gelände seines Hofes an die Oberfläche und machte ihn dauerhaft unbewohnbar und nicht mehr zu bewirtschaften. Wegen der mit dem Öl austretenden Gase waren die Sundermanns mit drei Generationen evakuiert worden.

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Inzwischen hat der Betreiber der leckgeschlagenen Kaverne, die Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW), den Hof übernommen, Sundermanns Familie hat seit der Jahreswende einen neuen, doch das Altenteil ist noch nicht fertig. Darum hat der Senior seine Möbel noch hier. Zwei bis drei Wochen könnte es noch dauern, bis er endgültig umziehen kann, schätzt er.

Alles frisch renovíert

"Das war alles erst neu gemacht", sagt er und zeigt ein renoviertes Wohnzimmer vor, mitsamt neuem Laminatboden, moderner Heizung und Dekortapete. Auch der gemauerte Kamin ist offenkundig restauriert, muss aber hier bleiben, weil er im neuen Domizil nicht passt. Die Haustür aber wollten sie mitnehmen, sagt er.

Ein Haus ohne Tür zurücklassen? Er hoffe einfach, dass bald alles vorbei sei und wieder Ruhe einkehre. "Ich denke, dass es abgerissen wird", überlegt Sundermann beim Abschied.

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