Holzpfosten vom Burgfundament wiederentdeckt

In Baugrube

Eins muss man den mittelalterlichen Ottensteinern lassen: Stabil bauen konnten sie. Ihre Spuren haben Jahrhunderte überdauert. Schwere Pfostenfundamente sind jetzt beim Ausheben einer Baugrube an der Burgstraße zum Vorschein gekommen. Die Herkunft: Mittelalter oder frühe Neuzeit. Erst einmal übernehmen jetzt die Archäologen das Kommando.

OTTENSTEIN

, 09.12.2016, 18:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wolfram Essling-Wintzer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) steht am Freitagmorgen am Rand der Baugrube: "Bei so einem Fund schlägt das Archäologenherz höher", sagt der Archäologe. Gut erhaltene Eichenpfosten und Balken verteilen sich über den Grund der Grube. Deutlich sind Umrisse des Bauwerks zu erkennen. An einer Ecke findet sich ein alter Baumbrunnen. An der östlichen Seite glauben die Archäologen eine Spundwand oder einen alten Graben ausgemacht zu haben.

Die Stadt hatte den LWL am Dienstag informiert. Am Donnerstag hatten die Archäologen begonnen, die Fundstelle freizulegen. Freitag ging es dann mit der Vermessung los. "So ein Fund ist für uns ungeheuer wertvoll", erklärt Wolfram Essling-Wintzer. Schließlich ist der Fund eines Bauwerks eine unverfälschte Primärquelle. Im Gegensatz etwa zu einer urkundlichen Erwähnung der Burg gibt es bei dem Fund keinen Interpretationsspielraum. "Wenn ein mittelalterlicher Autor die Burg beschreibt, ist das ja immer subjektiv", sagt er.

Kleines Puzzlestück

Was genau dort vor Jahrhunderten einmal an der jetzigen Ecke Burgstraße/Solmstraße gestanden hat, mochte der Archäologe am Freitag noch nicht mit letzter Sicherheit sagen. "Vielleicht ein Torwärterhäuschen oder ein Teil der Befestigung. Es könnte auch ein Teil der Vorburg oder bereits ein Wohnhaus sein", erklärt er.

Genauere Rückschlüsse kann er jedoch erst ziehen, wenn die jetzige Fundstelle in den Gesamtplan der Burganlage eingefügt wird. "Die gesamte Burg ist ja riesig, die jetzige Fundstelle nur ein ganz kleines Puzzlestück", sagt Wolfram Essling-Wintzer. Auch das genaue Alter der Pfosten und Balken ergebe sich erst nach einer Untersuchung im Labor.

Morastiger Boden

Etwa 1,6 Meter unterhalb der Erdoberfläche sind die Spitzen der Fundamentpfosten zum Vorschein gekommen. Wolfram Essling-Wintzer schätzt, dass sie mindestens noch zwei Meter tiefer in den Boden reichen. "Für die Fundamente mussten die Menschen früher schließlich festen Boden unter dem torfigen und morastigen Boden erreichen", sagt er. Zunächst wird der Fundort nun weiter vermessen. Der LWL verwendet dafür seit einiger Zeit ferngesteuerte Drohnen und fotografiert die Fundstellen aus der Luft. Die Fotos werden dann später im Computer exakt aufgemessen. "Das geht viel schneller, als wenn wir vor Ort messen und zeichnen würden", erklärt er.

Reinhard Haveresch, Vorsitzender des Heimatvereins Ottenstein, freut sich über die Spuren aus der Vergangenheit. Aufheben wolle der Verein das alte Holz aber nicht. "Wir haben ja schon einige Balken vom Börgerdieksweg aufgehoben", sagt er.

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