Südafrika-Reise wird wegen Corona zum Horrortrip: Am Ende läuft Alstätterin nach Deutschland

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Geplant hatte Julia Wigber aus Alstätte eine vierwöchige Südafrika-Rundreise. Wegen Covid-19 entwickelte sich die Tour aber zum Horrortrip. Am Ende kehrte sie zu Fuß nach Deutschland zurück.

Ahaus

, 25.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die vierwöchige Reise durch Südafrika sollte für die 28-jährige Julia Wigber das Highlight des Jahres werden. Doch am Ende wurde es für die gebürtige Alstätterin und ihre Freundin Christianna Wedel ein regelrechter Horrortrip. Grund dafür, wie sollte es in diesen Tagen anders sein: die Coronavirus-Pandemie.

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Rückblick: Vor zwei Wochen startete die 28-Jährige, die in Alstätte aufgewachsen ist und 2011 an der Canisiusschule ihr Abitur machte, noch optimistisch in ihren Jahresurlaub. „Hier in Deutschland gab es zwar die ersten Fälle, aber es war noch nicht dramatisch. Deshalb haben wir uns wenig Sorgen gemacht“, berichtet Julia Wigber. Vom Flughafen Frankfurt hoben sie und ihre Freundin in Richtung Johannesburg ab. Zwar sei es an Deutschlands größtem Flughafen vergleichsweise ruhig zugegangen, weitere Auffälligkeiten gab es aber keine.

Gesundheitscheck im Flieger und am Flughafen

Das änderte sich jedoch schlagartig, als die beiden Frauen in Südafrika landeten. Noch bevor sie den Flieger verlassen durften, wurde bei jedem Passagier das Fieber gemessen. Diese Hürde übersprangen Julia Wigber und ihre Freundin ohne Probleme. Genauso wie die zweite Kontrolle per Wärmebildkamera, nachdem sie den Flughafen betreten hatten. Ein mulmiges Gefühl beschlich die beiden aber schon da.

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Die ersten Tage vor Ort gestalteten sich allerdings weitgehend normal. Julia Wigber und Christianna Wedel bereisten den weltberühmten Kruger Nationalpark, beobachteten exotische Tiere, genossen das gute Wetter. Doch mit der Unbeschwertheit war es nur wenige Tage nach der Anreise vorbei. Die südafrikanische Regierung verhängte eine Einreisesperre für Bürger aus Ländern, die besonders vom Coronavirus betroffen waren. Dazu zählte neben Frankreich und Spanien unter anderem Deutschland.

Gültiges Visum, aber Ablehnung bei Einheimischen

Zwar waren die beiden jungen Frauen mit ihrem gültigen Visum (scheinbar) auf der sicheren Seite, doch die Stimmung im Land kippte. Und das bekamen deutsche Touristen schnell zu spüren. „Bei unserer Unterkunft fragte man uns aus, seit wann wir denn im Land wären. Sie haben uns klar mitgeteilt, dass sie uns nicht mehr aufnehmen wollen“, erklärt Julia Wigber. „Wir hatten Glück, dass wir eine verbindliche Buchungsbestätigung hatten.“ Das war in Mbombela, südlich vom Kruger Nationalpark.

„Ab dem Augenblick war uns klar, dass unsere Reise keine vier Wochen dauern würde. Also haben wir uns nach Rückflügen umgeschaut“, schildert die Alstätterin. Wegen der außergewöhnlichen Umstände war es möglich, den Rückflug kostenlos umzubuchen. Doch bei der Airline, bei der Julia Wigber und Christianna Wedel gebucht hatten, waren alle Leitungen überlastet. Erst nach Stunden erhielten sie einen neuen Flug. Der war da allerdings noch eine Woche entfernt.

Touristinnen decken sich mit Proviant ein

Weiteres Problem: Der Flughafen Kapstadt lag von ihrem Standort 1800 Kilometer entfernt, der in Johannesburg ebenfalls 700 Kilometer. Also deckten sich die beiden mit Proviant ein, um wenigstens in den nächsten Tagen versorgt zu sein. Durch das gemietete Auto hatten sie für den Notfall ein Dach über dem Kopf. „Wenn wir irgendwo unterkommen wollten, mussten wir lügen, dass wir schon länger im Land sind. Aber wir wurden trotzdem überall blöd angeguckt“, berichtet die Alstätterin.

An deren ersten Tagen konnten die beiden jungen Frauen den Urlaub noch genießen.

An deren ersten Tagen konnten die beiden jungen Frauen den Urlaub noch genießen. © privat

Als dann die Nachricht durchsickerte, dass zeitnah alle Flughäfen geschlossen werden sollen, beschlossen Julia Wigber und Christianna Wedel, nicht mehr länger zu warten. „Bei uns ist die Panik ausgebrochen. Wir waren in Tränen aufgelöst und haben vergeblich versucht, das Auswärtige Amt anzurufen“, erklärt die 28-Jährige. Schnell stellte sich heraus, dass die beiden Deutschen aber auf sich allein gestellt sind.

Am Flughafen Johannesburg herrscht blankes Chaos

Also fuhren sie direkt zum Flughafen Johannesburg, um dort irgendwie in einer Maschine Platz zu finden. Im Terminal herrschte das blanke Chaos, wie Julia Wigber berichtet: „Es wurde geschrien, geweint und geschimpft. Viele Schalter waren nicht mehr besetzt. Wir haben uns auf jede erdenkliche Warteliste setzen lassen.“ Ein unmoralisches Angebot für einen Flug über Doha und Istanbul, der 2800 Euro kosten sollte, schlugen die beiden aus.

Weil Lufthansa jede Anfrage abblockte, versuchten die beiden Touristinnen bei der niederländischen Fluggesellschaft KLM ihr Glück. „Dort wurde uns gesagt, dass alle Maschinen mit 200 Passagieren überbucht sind. Da hatten wir einen Rückflug schon fast abgeschrieben“, so die 28-Jährige. Doch ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft, der den beiden Frauen schon vorher Auskünfte gegeben hatte, setzte sich für sie ein.

Plötzlich geht alles ganz schnell

„Plötzlich hieß es: Ihr könnt heute noch fliegen. Ihr müsst aber rennen“, erinnert sich Julia Wigber. Also nahmen sie und ihre Freundin die Beine in die Hand. Dass sie auf dem Weg zum anderen Terminal ihren Proviant verloren und Nudeln überall verstreuten: Nebensache. Als letzte der insgesamt rund 1000 Passagiere betraten sie den Air-France-Flieger nach Paris. „Wir hatten Freudentränen in den Augen und konnten unser Glück in diesem Moment gar nicht fassen“, berichtet die Alstätterin.

Endlich im Flieger zurück nach Europa: Julia Wigber (l.) und Christianna Wedel.

Endlich im Flieger zurück nach Europa: Julia Wigber (l.) und Christianna Wedel. © privat

Doch nach der ersten Euphorie holte sie die Realität in Paris ein: Wie sollten sie zurück nach Deutschland kommen? Aus den Medien hatten sie erfahren, dass aufgrund der Corona-Pandemie alle Züge und Flüge in die Heimat gestrichen worden waren. Als einzige Möglichkeit blieb ihnen, ein Auto zu mieten. Das durfte die Grenze allerdings nicht passieren. Also warfen sie den Schlüssel in den Briefkasten der Straßburger Hertz-Filiale und spazierten über die deutsch-französische Grenze.

Auf der anderen Seite der Rheinbrücke empfing die beiden Frauen Beamte der Bundespolizei. Nach der Vorlage ihrer Dokumente konnten Julia Wigber und Christianna Wedel dann aber endlich in das Auto ihrer Freunde steigen, die sie aus Kehl nach Bonn shuttelten. Dort arbeiten die beiden als Krankenschwestern. 38 Stunden lagen zwischen Abflug und Ankunft. 550 Euro zahlten sie jeweils für den Rückflug. Doch am Ende überwog eines: die Erleichterung, endlich zu Hause zu sein.

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