Hundefriseurin Heike von der Forst: Mit Ruhe und Leidenschaft bei der Arbeit

rnSommerserie: Eine Stunde...

Für die Sommerserie „Eine Stunde“ war unsere Reporterin eine Stunde lang beim Hundefriseur. Wie so ein tierischer Friseurtermin wohl abläuft?

Ahaus

, 26.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Ein hoher Tisch nimmt den Großteil des kleinen Raumes ein. Drumherum liegen, überall auf dem Boden verteilt, schwarze Hundehaare. Hier, in ihrem Haus in Wessum, hat Heike von der Forst seit Ende 2017 ihr Hundestudio „GoodDog“. Gerade schneidet die 55-jährige das Fell von Shiba. Die kleine Shih Tzu-Dame ist schon fast eineinhalb Stunden bei der Hundefriseurin.

„Die Besitzer wollen das Fell immer ganz kurz und pflegeleicht haben“, sagt Heike von der Forst. Mit der Schere schneidet sie vorsichtig das Fell an Shibas Rute. Zwischendurch nimmt sie sich Zeit, den Hund zu loben und zu streicheln. Dann stellt sie ihn auf den Boden. „So sehe ich besser wie das Fell fällt“, erklärt die Hundefriseurin.

Viele verschiedene Schergeräte

Mit einer Stelle ist Heike von der Forst noch nicht zufrieden. Kurz geht es für Shiba zurück auf den Frisiertisch. Ganz unbeeindruckt lässt sich die Hündin weiter das Fell schneiden und das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Shibi, du siehst ja gut aus“, ruft die vierjährige Johanna, als sie ihren Hund abholt. Liebevoll schließt sie Shiba in ihre Arme.

Sobald die Hündin auf dem Weg nach Hause ist, reinigt und desinfiziert Heike von der Forst die genutzten Schergeräte und den Tisch. Auf der Ablage an einer Seite des Raumes liegen etliche Schergeräte, Bürsten und Scheren. „Welche ich benutze kommt immer auf den Haartyp an. Diese schwere Schere benutze ich zum Beispiel bei Hunden, die sehr viel Fell haben, damit komme ich dann besser durch“, erklärt Heike von der Forst während sie eine Schere in die Höhe hält.

Zähneputzen für Hunde

Kurz drauf kommt der 13 Jahre alte Mischling Felix mit seinem Frauchen ins Hundestudio. Der Hund hat entzündetes Zahnfleisch und Zahnstein. Mit einer Ultraschallzahnbürste soll Heike von der Forst die Zähne des Rüden „putzen“. Auch das zählt zu den Aufgaben einer Hundefriseurin. „Es ist nur ein ganz kleiner Bereich, von dem, was ich hier mache. Aber ich finde es wichtig, dass sich die Leute mehr Gedanken über die Zähne ihrer Hunde machen.“ Schließlich seien manche Rassen besonders anfällig für Zahnstein.

Mit der Zahnbürste nähert sich Heike von der Forst Felix‘ Maul und streicht vorsichtig darüber, um ihn an das unbekannte Gerät zu gewöhnen. Frauchen Cornelia Bausmann steht hinter ihrem Hund und streichelt ihm über den Rücken. Dann trägt die Hundefriseurin eine spezielle Zahncreme auf die Bürste auf und hält sie an Felix‘ Zähne. Zusammen mit dem Ultaschallgerät bildet die Zahncreme Bläschen, die die Bakterien auf den Zähnen abtöten. Der Hund merkt davon nichts, es sei denn die Bürste kommt versehentlich an das entzündete Zahnfleisch.

Check beim Tierarzt nötig

Anfangs fiept Felix noch und versucht einige Male sich wegzudrehen. „Im Moment ist er ein bisschen auf Abwehr, ich bin schon froh,wenn ich überhaupt einen Zahn treffe“, sagt Heike von der Forst. Trotzdem lobt sie den Hund immer wieder. „Fein, du machst das gut, Felix“, sagt sie. Sie krault Felix und streichelt ihn. Irgendwann wird er ruhiger und die Hundefriseurin kommt mit der Zahnbürste besser an seine Zähne. „Jetzt lässt er es sich doch ziemlich gut gefallen“, stellt sie überrascht fest.

Nach etwa einer halben Stunde ist die Behandlung zu Ende. Heike von der Forst gibt ihrer Kundin den Rat Felix‘ Zähne beim Tierarzt durchchecken zu lassen. „Wenn der Zahn unter dem Zahnstein schon faulig ist, bringt die Ultraschallzahnbürste natürlich nichts“, so die 55-jährige.

Von der Hundeschule zum Hundestudio

Dann legt die Hundefriseurin den Zahnbürstenkopf zur Seite. Er kommt in eine Tüte mit Felix’ Namen, denn jeder Hund, der sich die Zähne reinigen lässt, hat einen eigenen Zahnbürstenkopf. Genauso hat jeder Hund eine eigene Karteikarte, auf der sich die Hundefriseurin nach jedem Termin notiert, was gemacht wurde und wie sich der Hund verhalten hat. So weiß sie beim nächsten Mal direkt, welchen Kamm sie am Besten benutzen kann, wann die Krallen wieder gestutzt werden müssen und, ob die Haare im Ohr gezupft werden sollten.

Die Box mit den Karteikarten ist gut gefüllt, obwohl „GoodDog“ erst seit 2017 in Wessum ist. Vorher war das Hundestudio in Bayern, wo Heike von der Forst 18 Jahre lang gelebt hat. Bevor die gebürtige Münsteranerin Hundefriserurin wurde, war sie unter anderem Hundetrainerin. „Ich musste den Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, wollte aber weiter etwas mit Hunden machen.“ Also hat sie 2010 ein Praktikum im Hundestudio gemacht, trat zwei Heimtierpflege-Verbänden bei und nahm an vielen Workshops und Seminaren für Hundefriseure teil. „Das meiste habe ich mir aber letztendlich durch Abgucken und Ausprobieren selbst beigebracht.“

Ruhe ist das Wichtigste

Besonders wichtig in ihrem Job sei nicht die Schneidetechnik, sondern die Ruhe bei der Arbeit. „Ein bisschen Stress haben die Hunde immer, wenn sie so lange auf dem Tisch bleiben müssen. Aber wenn ich merke, der Hund braucht besonders viel Ruhe, dann nehme ich mir die Zeit auch.“ Mit Schmuseeinheiten und Leckerlis hilft sie den Tieren sich zu beruhigen. Gerade junge oder sehr alte Hunde bräuchten das. „Bei denen teile ich das Schneiden auch schon mal auf zwei Termine auf.“

Hundefriseurin Heike von der Forst: Mit Ruhe und Leidenschaft bei der Arbeit

Mehr und mehr von Teds Fell landet auf dem Frisiertisch. © Madlen Gerick

Bei Ted ist das allerdings nicht nötig. Der Malteser war schon oft bei der Hundefriseurin. Sein Frauchen kann ihn hier problemlos absetzen und in eineinhalb Stunden wieder abholen. Heike von der Forst beginnt mit dem Schergerät das Fell an den Pfoten des Hundes zu schneiden. „Hinten lassen sich die Hunde das noch gut gefallen, an den Vorderpfoten sind sie meistens empfindlicher“, sagt die Hundefriseurin.

Liebevoller Umgang mit den Hunden

Doch Ted lässt sich nichts anmerken. Lässig steht er da, würde sich aber am liebsten hinlegen. Mit einem Griff unter Teds Bauch weiß Heike von der Forst das zu verhindern. Sie muss jetzt das Fell im Intimbereich kürzen und das geht nur wenn Ted stehen bleibt.

Danach fährt sie mit dem Schergerät über Teds Rücken. Für feinere Arbeiten benutzt sie die Schere. Die kommt zum Beispiel an den Beinen zum Einsatz, wo das Fell meist länger bleiben soll. Heike von der Forsts Blick ist konzentriert, auf ihren Lippen liegt ein leichtes Lächeln. Dann lässt sie Ted sich kurz hinlegen und streichelt ihn, um ihm eine kleine Pause zu gönnen. Denn eines gilt für Heike von der Forst immer: „Ich gehe so mit den Hunden um, als wären sie meine eigenen.“

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