Immer auf das Herz hören

Abendsprechstunde

Er kommt plötzlich und verändert das Leben für immer: Der Schlaganfall. Bei der Abendsprechstunde des Klinikums Westmünsterland und der Münsterland Zeitung informierten Prof. Dr. Hermann Menger und Dr. Johannes Schoofs über die häufig unterschätzte Krankheit.

AHAUS

, 29.09.2016, 18:36 Uhr / Lesedauer: 1 min

Thorsten Ohm, Redakteur der Münsterland Zeitung, moderierte das Podiumsgespräch und die anschließende Fragerunde mit dem Publikum.

Viele Risikofaktoren

"Jeder Schlaganfall ist ein Notfall", mahnte Professor Menger die rund 250 Zuhörer im Fürstensaal des Ahauser Schlosses. Der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie im St.-Marien-Hospital Borken erläuterte, dass pro Jahr rund 270000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall erleiden. In der Stroke-Unit des Borkener Krankenhauses landen davon etwa 1500. "Von diesen 270000 Schlaganfällen sind 70 Prozent Wiederholungsschlaganfälle", erklärte Menger. Viele Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und Übergewicht hätte aber jeder selbst in der Hand.

Herz aus dem Takt

Dr. Johannes Schoofs, Chefarzt der interventionellen Kardiologie St. Marien Ahaus und Borken, erläuterte anschaulich, wie ein Großteil der Erkrankungen entsteht. Oft sind Herzrhythmusstörungen die Ursache. "Vorhofflimmern ist eine sehr häufige Herzrhythmusstörung", sagte Schoofs und stellte fest, dass Patienten mit einer solchen Störung ein erheblich erhöhtes Schlaganfallrisiko haben.

Täglich den Puls fühlen

"Man kann jedem Patienten nur empfehlen, jeden Morgen und jeden Abend für eine Minute seinen Puls zu fühlen. Wenn der unregelmäßig ist, besteht ein Risiko für ein Vorhofflimmern", riet der Mediziner. Anhand von Illustrationen erklärte der Kardiologe, wie durch den ungleichmäßigen Herzschlag, größtenteils im linken Vorhof-Ohr, Blutklumpen entstehen, die später die Halsschlagader oder Gehirngefäße verstopfen.

Schoofs stellte Alternativen zu bekannten, blutverdünnenden Medikamenten wie Makumar vor, aber auch die Möglichkeit eines invasiven Eingriffs ließ er nicht aus.

Fragerunde

Anstatt das Vorhof-Ohr abzubinden, könne ein so genannter "Amplatzer Cardiac Plug" gesetzt werden, um es zu verschließen. Er warnte aber auch davor, allzugroße Hoffnungen in diese Methode zu setzen. "Klar sein muss, dass diese Therapie nicht für alle in Frage kommt", sagte Schoofs. Nur ausgewählte Patienten mit einem hohen Einblutungsrisiko würden damit behandelt. In der anschließenden Fragerunde beantworteten die Fachärzte Fragen wie: "Wenn ein Gerinnsel sich aufgelöst hat, muss ich noch weiter Makumar nehmen?" oder "Spielt erbliche Vorbelastung eine Rolle?".

 

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