Schüler und Lehrer sind am Strand oder im Freibad. In vielen Schulen wird derzeit trotzdem hart gearbeitet. Ferienzeit ist immer auch Sanierungszeit. In Ahaus klappt das trotz Hochkonjunktur gut.

Ahaus

, 03.08.2018, 17:14 Uhr / Lesedauer: 4 min

An gleich fünf Schulen in Ahaus und den Ortsteilen haben während der Ferien die Handwerker das Kommando übernommen:

Zunächst die größte Baustelle: Der Umbau der Gesamtschule im Vestert befindet sich im letzten Abschnitt. Bis zum Beginn des Schuljahrs sollen die Arbeiten im Mittelbau abgeschlossen werden. Gleichzeitig wird am Schulhof und den Fahr-
radabstellanlagen gearbeitet.

Schulhof wird umgestaltet

Auch die große Umgestaltung des Schulhofes im Süden und Osten hat begonnen. In der Kappenbergschule in Wessum ist die Renovierung bereits im letzten Bauabschnitt angekommen: Trockenbau, Elektro-, Boden- und Malerarbeiten werden bis zum Ende der Ferien fertig, erklärt die Verwaltung. An der Overbergschule ist es nur eine kleinere Renovierung: Der Verwaltungstrakt bekommt einen neuen Fußboden. Auch das ist bis Schuljahresbeginn erledigt. In der Aula des Alexander-Hegius-Gymnasiums haben die Vorbereitungen für den provisorischen Mensabetrieb im kommenden Schuljahr begonnen. In der Katharinengrundschule in Alstätte werden weitere Flure und Klassenzimmer saniert.

Alle Bauarbeiten in den Ferien erledigen

Die Stadt Ahaus setzt alles daran, alle Bauarbeiten, die den Schulbetrieb stören, innerhalb der Ferienzeit zu erledigen. Sie kann als Schulträger autonom über die Sanierung der Schulen entscheiden. Seit Einführung der Bildungspauschale vor acht Jahren macht das Land keine Vorgaben mehr bei Sanierungsarbeiten. Besondere Regelungen für Bauarbeiten im sensiblen Bereich Schule gibt es in Nordrhein-Westfalen ebenfalls nicht.

Sommerferien? Hitzefrei? Nicht auf den Schulbaustellen in Ahaus: Wie hier auf dem Schulhof der Gesamtschule wird an fünf Schulen gearbeitet. Foto: Stephan Teine

Sommerferien? Hitzefrei? Nicht auf den Schulbaustellen in Ahaus: Wie hier auf dem Schulhof der Gesamtschule wird an fünf Schulen gearbeitet. Foto: Stephan Teine

Für die Sanierung und Modernisierung der Schulen stehen in Ahaus zwischen 2017 und 2020 rund 7,1 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Die jährliche Bildungspauschale des Landes beträgt 2018 1,2 Millionen Euro. Groß ist auch der Topf des Programms „Gute Schule 2020“ des Landes. 2.231.760 - aufgeteilt auf vier Jahre - fließen davon nach Ahaus – 557.940 Euro pro Jahr. In der ersten Jahreshälfte wurde kein zusätzlicher Euro abgerufen. Wie bei den allermeisten Städten in NRW dürfte das Geld auch erst in der zweiten Jahreshälfte angefordert werden. Ahaus greift gerade auf die Mittel aus 2017 und 2018 zu.

Gute Planung ist wichtig

Nachdem vor Monaten über diese Verzögerung eine laute Diskussion entbrannte, warten nun alle ab. „Das muss einen nicht beunruhigen, wenn die Städte noch in den Planungen sind“, sagt Regina Hahmeier, Vorsitzende der Landeselternschaft Grundschulen: „Eine gute Planung ist wichtig, damit die Kinder nicht in ein paar Jahren wieder in unzureichenden Schulen sitzen. Beunruhigend ist es aber, wenn Städte jetzt nicht ausreichend planen, sondern aufgrund von Personalmangel untätig sind. Städte können auch Externe mit der Planung beauftragen und dies über die zur Verfügung gestellten Mittel finanzieren.“

Der Städte- und Gemeindebund als Vertretung der Kommunen betont immerzu, dass die Städte das Fördergeld fristgerecht abrufen werden, bevor es verfällt. In der überwiegenden Zahl der Fälle seien die politischen Entscheidungen, für welche Projekte Mittel aus dem Programm „Gute Schule 2020“ eingesetzt werden sollen, längst getroffen, sagen die kommunalen Spitzenverbände in NRW.

Mittel für Ahaus aus dem Programm „Gute Schule 2020“

Das ist auch in Ahaus so: Die Mittel aus dem Programm „Gute Schule 2020“ fließen in Ahaus in das Medienentwicklungskonzept an den Ahauser Schulen. Der Medienentwicklungsplan wurde durch ein Beratungsunternehmen in enger Zusammenarbeit mit den Schulleitungen, der Verwaltung und dem Kreis Borken erstellt. Er beinhaltet eine Gesamtstrategie zur Schaffung einer lernförderlichen IT-Infrastruktur an den Schulen. Dazu zählen die schulinternen Netzwerke, die Breitbandanbindung, die Versorgung mit Hard- und Software. Dabei sollen bestehende Strukturen an den unterschiedlichen Schulen vereinheitlicht werden. So soll der finanzielle und personelle Aufwand überschaubar gehalten werden.

Der Rat hat die Umsetzung des Konzeptes sowie die Haushaltsmittel im Dezember 2016 beschlossen. Im vergangenen Jahr wurden davon bereits 24 digitale Tafeln, 165 neue Rechner sowie die Schulservertechnologie Iserv angeschafft, die den Aufbau eines Schulnetzwerkes inklusive Webportalen ermöglicht.

Stadt Ahaus ist in Vorleistung getreten

Bei den Kosten ist die Stadt Ahaus in Vorleistung getreten und ruft gerade die Mittel 2017 und 2018 (rund 1,1 Mio. Euro) beim Land NRW ab. Marc Frieler vom Büro der Bürgermeisterin erklärt, dass das Finanzministerium NRW bereits im März erklärt hat, dass es für Kommunen möglich ist, die Mittel für 2017 erst in 2018 abzurufen.

Eine Hürde für die Städte ist die Hochkonjunktur. Handwerksbetriebe punktgenau in das Zeitfenster der Sommerferien zu buchen, ist in diesem Jahr in vielen Regionen noch schwieriger als in den Vorjahren schon. „Ein Quartal muss man mindestens im Vorfeld einplanen. Bei Ausschreibungen mit EU-Mitteln sogar ein ganzes Jahr“, sagt Philipp Stempel, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW.

Ein vom Land gemachtes Problem

Aus Sicht der Städte ist das auch ein von der Landespolitik gemachtes Problem. Eine Nebenwirkung der guten Tat, sozusagen. Oder wie es Stempel sagt: „Punktuelle Förderprogramme führen daher immer auch zu Engpässen, die bei einer langfristigen finanziellen Unterstützung vermieden werden können“. Angesichts der starken Nachfrage nach Handwerkerleistungen sei es jetzt oft sehr schwierig, Unternehmen zu finden, die Leistungen in dem vorgesehenen Zeitraum und zu einem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis erbringen wollten.

Nicht nur in Einzelfällen, heißt es beim Städte- und Gemeindebund, sind manchen Kommunen Handwerker wieder abgesprungen – trotz Ausschreibung und Beauftragung. Wenn die Geschäfte zu gut laufen, ist man wohl nicht auf jeden kommunalen Kunden angewiesen. Auch Landeselternvertreterin Regina Hahmeier sind solche Fälle untergekommen: „Idealerweise müsste man über Vertragsstrafen nachdenken, wenn Baufirmen eingeplante Zeitfenster nicht einhalten.“

Handwerker für fünf Schulen gefunden

Ahaus ist dabei in diesem Jahr noch einmal gut weggekommen: Für die fünf Schulen hatte die Stadt noch keine Probleme, die passenden Handwerker zu finden. Dazu Marc Frieler: „Es handelte sich bei den Aufträgen noch um Altaufträge oder um Folgeaufträge, in denen eine Erledigung der Arbeiten in den Ferien zugesichert wurde.“ Auch kreisweit halten sich diese Sorgen – zumindest laut Kreishandwerkerschaft – noch in Grenzen.

„Die durchzuführenden Arbeiten konnten allesamt vergeben werden und werden pünktlich abgeschlossen“, sagt Hauptgeschäftsführer Christoph Bruns. Die Kommunen hätten mit Blick auf bestehende Kapazitätsgrenzen in den Handwerksbetrieben sehr frühzeitig geplant. „Somit ist es größtenteils nicht zu kurzfristigen Auftragsvergaben gekommen“, sagt Bruns. Die Gemeinden hätten keine Schwierigkeiten gehabt, Handwerksbetriebe für ihre Aufträge zu finden.

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