Inklusive Rosenmontagsumzug: KG Ottenstein sagt alle Sessions-Termine ab

rnKarneval in Ottenstein

In Ottenstein fällt der Karneval aus – zumindest die offiziellen Termine der Karnevalsgesellschaft. Keine leichte Entscheidung. Aber den Verantwortlichen waren die Hände gebunden.

Ottenstein

, 21.09.2020, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, leicht fiel diese Entscheidung keinem. Doch sie war wohl unausweichlich. Die KG „Die Burggeister“ Ottenstein hat alle offiziellen Termine der Session 20/21 abgesagt. Die Cornavirus-Pandemie fordert damit ein weiteres Opfer. Für das karnevalsverrückte Dorf ein herber Schlag. Umso erstaunlicher, wie nüchtern und sachlich KG-Präsident Carsten Berthues die Sache einschätzt.

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„Es war damit zu rechnen. Die Äußerungen von Jens Spahn vor einigen Wochen waren ja recht eindeutig“, sagt er. Der ausgerechnet aus Ottenstein stammende Bundesgesundheitsminister hatte Mitte August erklärt, dass er sich den Karneval „in diesem Winter, mitten in der Pandemie“, schlicht nicht vorstellen könne. Doch auch ohne Spahns Erklärung wäre die Session wohl ins Wasser gefallen.

„Im Moment geht es einfach nicht“

Berthues sagt: „Im Moment geht es einfach nicht. Niemand weiß, wohin die Reise geht. Es kann sich in ein, zwei Wochen alles ändern. Selbst wenn man wollte, könnte man so nicht planen.“ Ein Hygienekonzept, wie es andere Karnevalsgesellschaften präsentieren wollen, sieht er nicht als Lösung an. „Wir kennen es doch alle. Wenn die Leute die ersten paar Bier aufhaben, hält sich doch niemand mehr an die strikten Vorgaben.“

Auch im kleinen Kreis zu feiern, wie es aktuell erlaubt ist, sei keine Option gewesen. „Am Ende muss es auch wirtschaftlich passen. Wenn in einen großen Saal aber maximal 80 Personen dürfen, kann sich das nicht rechnen“, so Berthues. Für ihn war es am Ende auch eine generelle Frage. „Können wir wirklich die Verantwortung dafür übernehmen? Ich denke nicht. Wir wollen hier kein zweites Heinsberg.“ Die Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg gehörte zu den ersten Corona-Hotspots in Deutschland. Der Ursprung damals: eine Karnevalsfeier.

Alle Termine abgesagt

Daher entschieden Carsten Berthues und seine Kollegen aus dem Vorstand, nicht nur den Karnevalsauftakt am 11. November abzusagen, sondern gleich alle Termine. Auch der traditionelle Rosenmontagsumzug findet demnach nicht statt. „Es ist natürlich nicht schön. Aber wir können den Karneval nicht um jeden Preis stattfinden lassen“, sagt der KG-Präsident. „Stellen Sie sich einmal vor, am Ende kommt dadurch der Opa oder die Oma eines Freundes ums Leben. Dann heißt es nachvollziehbarerweise: Du mit deinem scheiß Karneval.“

Den Karneval absagen, könne man natürlich nicht. „Man kann auch nicht Weihnachten oder Ostern absagen.“ Daher glaubt Carsten Berthues, dass sich die Feiern ins Private verschieben werden. „In kleinen Gruppen, unter Einhaltung der Regeln, spricht da ja nichts gegen. Aber wir sind dann auf jeden Fall nicht mehr verantwortlich, falls etwas passiert.“

Große finanzielle Verluste hat der Verein im Übrigen wohl nicht zu befürchten. Durch das offizielle Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. Dezember 2020 durch das Land NRW ist man zumindest für die ausgefallenen Termine in diesem Jahr auf der sicheren Seite. Carsten Berthues Hoffnung ruhen nun auf der Wissenschaft. „Ich bin optimistisch, dass wir am 11. November 2021 die neue Session eröffnen können.“

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