Interessengemeinschaft Josefsviertel will jetzt doch Bebauungsplan

Angst vor Fehlentwicklungen

AHAUS. Große Aufregung herrschte im Josefsviertel, als vor zwei Jahren Pläne der Stadt bekannt wurden, das bestehende Wohnviertel für neue Bewohner attraktiv zu machen. Ablehnung und Protest führten dazu, dass diese Pläne begraben wurden. Jetzt plötzlich wollen die Bewohner doch, dass die Stadt ihr Viertel baurechtlich überplant.

AHAUS

, 29.06.2016, 19:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Interessengemeinschaft Josefsviertel will jetzt doch Bebauungsplan

Im Josefsviertel bestehen heute vielfältige Bebauungsstile und Gebäudegrößen. Die Anlieger wünschen sich eine Regelung durch einen Bebauungsplan. gehring

Die Überraschung der Kommunalpolitiker über den Antrag der Interessengemeinschaft (IG) Josefsviertel, einen Bebauungsplan für den Bereich und besonders für die Eichendorffstraße zu erstellen, war am Dienstagabend im Rat hörbar, Verärgerung spürbar. Die Interessengemeinschaft wünscht sich einen Bebauungsplan, der "die Erhaltung der aktuellen Wohnkultur fördern" und "Fehlentwicklungen abwenden" soll.

Investor plant Mehrfamilienhaus

Den Hintergrund für den Antrag erkannten die Mitglieder des Stadtrates sofort: Ein stadtbekannter Investor plant im Josefsviertel ein größeres Mehrfamilienhaus. Weitere Projekte sind beantragt oder bereits auf dem Weg, erfuhren die Politiker auf Anfrage vom Beigeordneten Georg Beckmann.

Protest gegen Pläne

Im Rahmen der Regionale sollten vor zwei Jahren mit Fördermitteln im Josefsviertel neue Wege gefunden werden, um das bestehende Wohnviertel für neue Bewohner attraktiv zu machen. Dafür hatten bei einem Wettbewerb junge Architekten Ideen entwickelt. Als "enteignende Idee" aus Sicht der Bewohner des Viertels führte das Projekt zur Gründung der Interessengemeinschaft Josefsviertel, die sich gegen die - aus ihrer Sicht - "Zwangsbebauung" stemmte.

Da die Stadt nichts gegen den Willen der Bewohner machen wollte, wurde das Konzept zur Belebung älterer Wohngebiete für das Josefsviertel nicht weiter verfolgt.

Kein Bebauungsplan

Folge: Das Viertel ist weiterhin ohne gültigen Bebauungsplan. Bedeutet: Neubauvorhaben müssen sich hinsichtlich Art und Maß der Nutzung sowie der Bauweise in die Bestandsbebauung der näheren Umgebung einfügen. Ob diese Bedingungen erfüllt sind, muss die Baubehörde im Einzelfall entscheiden.

Die Interessengemeinschaft hofft, mit der nun beantragten Überplanung ihres Viertels eine "einseitige Klientelpolitik" zu verhindern. Sie bezieht sich dabei auf die "bereits bestehenden, vielfältigen Bebauungsstile und Gebäudegrößen" im Viertel. Diese würden sämtlichen Bevölkerungsgruppen die Integration in das Josefsviertel ermöglichen, heißt es in dem Antrag.

"Anderen Bebauungsplänen Vorrang geben"

Für Felix Ruwe (UWG) ließ der Antrag die Frage offen, ob tatsächlich das gesamte Josefsviertel hinter dem Antrag steht. "Es haben nur Anwohner der Eichendorffstraße unterschrieben", meinte Ruwe. Franz Benölken (CDU) wies auf die viele Arbeit hin, die vom Planungsamt schon jetzt in das Josefsviertel gesteckt wurde und die dort Ablehnung erfuhr. Er forderte dazu auf, zunächst anderen Bebauungsplänen den Vorrang zu geben. Die würden ohnehin "in der Reihenfolge wie beschlossen" abgearbeitet, erklärte Georg Beckmann.

Chance vertan

"Der Bebauungsplan hätte viel früher aufgestellt werden können. Mit besserer Begleitung und mit Fremdmitteln", wies CDU-Fraktionschef Thomas Vortkamp auf die verpasste Chance hin. Für ihn kommt ein Bebauungsplan allein für die Eichendorffstraße nicht in Frage. "Das was wir jetzt durch die IG haben, hatten wir schon als Stadt in die Wege geleitet", meinte auch Klaus Löhring (Grüne). Nachdem nun ein Investor vier Wohneinheiten plane, erkenne die IG die Problematik. "Ich verstehe nicht, dass die IG nicht vorher mehr Rat angenommen hat", so Löhring weiter. Der Antrag soll jetzt im Ausschuss für Stadtplanung weiter beraten werden.

 

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