Jens Spahn spricht mit Schülern der Canisiusschule

Einige Zitate

Jens Spahn, parlamentarischer Staatssekretär beim Finanzminister und CDU-Bundestagsmitglied aus Ottenstein, hat am Freitag rund 90 Minuten mit Schülern der Canisiusschule gesprochen. Einige Zitate:

AHAUS

, 05.02.2016 / Lesedauer: 5 min
Jens Spahn spricht mit Schülern der Canisiusschule

Jens Spahn zu den Schülern der Canisisusschule: "Ihr seid mein Boss!"

Zu den Chancen von Angela Merkel für eine weitere Wiederwahl zur Kanzlerin

  • „Die Debatte über das Zitat ‚Wir schaffen das‘ ist doch etwas Banales. Wer morgens wach wird und nicht daran glaubt, dass er es schafft, kann doch direkt liegen bleiben. Klar ist aber auch, dass wir um Vertrauen und Geduld werben müssen. Fragen, Sorgen und Zweifel sind vorhanden, die Umfragen sind leider so. Aber ich wüsste gerade keinen besseren Politiker an Stelle der Kanzlerin. Das sage nicht nur ich, das sagt zum Beispiel auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir. Wir können nicht nur über Probleme reden, wir müssen sie lösen.“

Zur Gegenwart in Deutschland

  • „Eigentlich geht es uns ziemlich gut. Vor zehn Jahren ging es im Gespräch mit Abschlussschülern immer nur um die Suche nach Ausbildungsplätzen. Wir hatten fünf Millionen Arbeitslose und ganz Deutschland hat sich eigentlich in einer kollektiven Depression befunden. Heute steht euch die Welt so offen wie nie. 80 bis 90 Prozent der Deutschen sagen, es geht ihnen gut bis sehr gut.“
  • „45 Jahre lang hat Deutschland Schulden gemacht. Im vergangenen Jahr haben wir zwölf Milliarden Euro Überschuss gemacht. Es läuft gut gerade.“
  •  „70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist Deutschland das beliebteste Land der Welt. Das ist ein großes Glück.“
  • „Die Grenzen in Europa merkt man gar nicht. Auch wenn uns das alltäglich vorkommt: Das ist nicht die Regel. Wir erleben gerade, dass sich das schnell ändern kann.“

Zur EU

  • „Mit 28 Partnern einen Kompromiss zu finden, ist einfach sehr schwer. Die nationalistischen Bewegungen in Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Finnland, Polen oder Ungarn machen das noch schwerer.“
  • „Beim Thema Schulden gehen die Meinungen schon gravierend auseinander. Ist es gut oder schlecht, Schulden zu machen? Da haben zum Beispiel Italiener, Spanier, Deutsche und Niederländer ganz unterschiedliche Meinungen.“
  • „Habt ihr eine Idee, was fehlen würde, wenn Großbritannien aus der EU austritt? Der Brückenkopf zu den USA und ein ganz anderer Blick auf die Welt würde fehlen.  Mal ganz abgesehen davon, dass sich Großbritannien dann wahrscheinlich auch auflösen würde: Die Schotten wollen in der EU bleiben. Dann hätten wir das Problem, dass sich ein starkes Land nur noch mit sich selbst beschäftigen würde.“
  • „Die EU wird zusammenbleiben aber auf verschiedenen Ebenen. Es gibt ja zum Beispiel den Schengen-Raum oder die Euro-Zone. Demnächst vielleicht eine gemeinsame Armee. Diese Ebenen ergeben sich aber aus der Zusammenarbeit zwischen Staaten und nicht durch die Arbeit des Europäischen Parlaments – so sehr ich das bedauere.“

Zu Flüchtlingen und Migranten

  • „Wer nicht zwischen Flüchtlingen und Migranten unterscheidet, verkennt die Lage. 2015 sind eine Millionen Menschen nach Deutschland gekommen. Etwa die Hälfte werden als Flüchtlinge anerkannt. Ich kann auch die Gründe der anderen Hälfte verstehen: Viele Menschen kommen zum Beispiel aus dem Kosovo: Die Hälfte der Menschen dort ist jünger als 25 Jahre. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 90 Prozent. Ich verstehe jeden, der nach einer besseren Perspektive sucht, aber diese Menschen haben keinen Asylgrund.“
  • „Da ist die Bundesregierung gerade dabei, große Informationskampagnen zu starten. Wir versuchen den Menschen dort zu erklären, dass sie sich das Geld für einen Schlepper sparen sollen. Diesen Menschen werden die größten Versprechungen gemacht.“
  • „Was wir definitiv unterschätzt haben, ist der Faktor Kommunikation: Flüchtlinge können per Smartphone Bilder in ihre Heimat schicken, wie wir hier leben. Dadurch machen sich natürlich mehr Menschen auf den Weg. Der Zustrom der Flüchtlinge stellt uns an vielen Stellen vor große Aufgaben.“
  • „Bei vergangenen Flüchtlingswellen haben wir Fehler gemacht. Die machen wir heute nicht mehr: Deutsch- und Integrationskurse sind verpflichtend. Wer sich nicht an unsere Regeln halten will, ist im falschen Land gelandet. Das muss man freundlich aber bestimmt und ohne Schaum vorm Mund so sagen.“
  • „Die Menschen, die zu uns kommen, müssen arbeiten dürfen. Auch das ist anders als früher, als zum Beispiel die Flüchtlinge aus dem Jugoslawienkrieg nach Deutschland kamen. Wir brauchen Arbeitskräfte.“
  • „Arbeit hat aber noch einen Vorteil: Sie hilft bei der Integration. Das war früher zum Beispiel in Ottenstein nichts anderes: Junge Männer, die nichts zu tun haben, bringen Ärger.“
  • „Die Menschen, die nach Deutschland kommen, sind keine besseren oder schlechteren Menschen als die Deutschen. Man darf sie aber auch nicht unter einen Generalverdacht stellen.“
  • „Straftäter werden in ihre Heimat zurückgeschickt. Wenn ihre Heimat sie nicht  aufnimmt, wie es zum Beispiel zur Zeit in Marokko vorkommt, ist auch die Lösung  über Drittstaaten eine Variante: Die Flüchtlinge werden dann in das Land zurückgeschickt, durch das sie nach Deutschland gekommen sind.“
  • „Den Nachzug von Familienangehörigen der Flüchtlinge müssen wir im Moment aussetzen. Das ist hart, aber wir können nicht alle versorgen. Dafür sind unsere Systeme nicht ausgelegt.“
  • „Bei Katastrophen früher hieß es „Frauen und Kinder zuerst“. Ist es richtig, dass viele junge Männer jetzt zuerst fliehen und die Schwächsten in den Krisengebieten zurückbleiben? Wir brauchen eine Kontingentlösung um die Schwächsten in einem Krisengebiet auf einem sicheren Weg in Sicherheit zu bringen.“
  • „Es kommen nicht nur Akademiker nach Deutschland, sondern auch Menschen ohne Schulabschluss. Da sind wir gerade im Gespräch, wie wir sie durch Praktika oder Zeitarbeit qualifizieren können. Natürlich ist das eine Riesenaufgabe.“
  • „Deutschland ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten in einer Krise, die alle bemerken. Das stresst die Menschen natürlich. Wir müssen uns aber eingestehen, dass das Leben nicht nur Sommer, Sonne, Sonnenschein und Weltmeisterschaft ist. Wir können nicht nur Autos exportieren, sondern müssen uns auch um die Konflikte in der Welt kümmern.“
  • „Ich bin dafür, zu diskutieren. Wir müssen über die Fragen und Probleme reden, sonst werden von den Menschen einfache Lösungen gesucht. Und einfache Lösungen führen nie zum Ziel.“
  • „Deutschland ist zu klein, um die Probleme alleine zu regeln. Wir müssen den Menschen in ihrer Heimat eine Perspektive bieten. Gerade auch in Afrika., Sonst war das alles nur der Anfang.  Das schafft Europa nur zusammen.“
  • „In Syrien herrscht seit fünf Jahren Krieg. Der hat bisher aber für die Deutschen hauptsächlich im Fernsehen stattgefunden. Der Nahe Osten heißt aber so, weil er nah ist. Diese Menschen kommen jetzt zu uns.“

Persönliches

  •  „Zur CDU bin ich damals aus einem Bauchgefühl heraus gekommen. Ich bin mit Freunden in die JU eingetreten. Ich konnte so immer Politik und Spaß miteinander verbinden und bin dann dabei hängen geblieben. Im Nachhinein hat sich bestätigt, dass das mein Laden ist, auch wenn ich nicht mit 100 Prozent einverstanden bin.“
  • „Ihr seid mein Boss. Eure Steuern, die auch ihr mit jedem Käsebrötchen bezahlt, finanzieren das alles.“
  • „Politiker kann man nur sein, wenn man es wirklich mag. Ich diskutiere und gestalte gern und bin mit Herzblut dabei. Natürlich verdient ein Politiker auch viel Geld, aber schon der Vorstand der Sparkasse verdient mehr, als die Kanzlerin. Wer reich werden will, sollte etwas anderes als Politiker werden.“
  • „Größten Respekt habe ich vor Politikern in kleinen Orten. Ein Bürgermeister in einer Kleinstadt wie Ahaus oder in einer kleinen Gemeinde wie Heek steht noch viel mehr unter Beobachtung, als ein Politiker im Bundestag.“
  • „Ich bin gern in Ahaus. Aber nur noch hier zu leben, kann ich mir nicht mehr vorstellen.“
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