Filialleiter Oliver Rauße gibt Tanja Nieland wichtige Tipps, wie sie die Schuhe optisch gut in Szene setzen kann. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Teilzeitausbildung

Junge Mütter als Azubis: Gelernt wird, wenn die Kinder im Bett sind

Drei Frauen, jung, ledig, alleinerziehend, ein Ziel: eine sichere Zukunft für sich und ihre Kinder. Der Weg dahin ist eine Ausbildung – in Teilzeit. Heute Teil 2 unserer kleinen Serie.

Drei junge, allein erziehende Frauen haben sich für eine Ausbildung in Teilzeit entschieden. Oft ein sehr steiniger Weg bis zur Abschlussprüfung und neben Beruf, Kind, Haushalt eine echte Herausforderung. Wir stellen beispielhaft die drei Frauen vor.

Nach Fabienne Anders sind es diesmal zwei weitere junge Mütter. Die eine steht ganz am Anfang ihrer Ausbildung, die zweite hat sie bereits abgeschlossen und wurde von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen.

Tanja Nieland hat einen besonders für Frauen „gefährlichen“ Ausbildungsplatz: ein Schuhladen. Genauer gesagt hat die 30-jährige ihre Teilzeitausbildung im Schuhhaus Kramer in Ahaus gerade begonnen.

Eine späte Entscheidung, bei der sie sich aber sicher ist, dass sie durchhalten wird. Und das, obwohl sie bislang immer nur mit verschieden Jobs ihr Leben bestritten hat. Ihr eigenes und seit acht Jahren auch das ihres Sohnes Phil.

Irgendwie fehlte ihr bislang eine berufliche Orientierung: „Ich wusste nie so richtig, was ich machen soll, habe auch mal daran gedacht, was Handwerkliches zu machen.“ Also war sie als Schulbegleiterin und im Einzelhandel aktiv. Nachdem aber der letzte Vertrag in einem Lebensmittelmarkt ausgelaufen war, erfuhr sie von TEP und der Beratung durch die BBS.

Entdeckungsreise auf dem Neuland

So kam schließlich der Ausbildungsplatz bei Kramer zustande, wo sie in der kurzen Zeit ihrer Ausbildung sehr viel Neuland entdeckt hat. Dabei hat sie natürlich auch Regale eingeräumt, aber gleichzeitig dabei auch gelernt, wie man sie optisch attraktiv präsentiert.

Ebenso galt es auch den Kramer-Online-Shop zu entdecken und überhaupt alles rund um das Thema Schuhe. „Es wird nicht lange dauern, bis ihr alles vertraut ist“, sagt Filialleiter Olver Rauße.

Und: „Ihre ersten Schuhe hat sie bereits verkauft.“ Zwei Jahre hat sie bis zum Abschlusszeugnis als Schuhfachverkäuferin Zeit. Eine Zeit, die für Auszubildende wie für Arbeitgeber Flexibilität voraussetzt.

Rauße: „Es wurde von Anfang an klar angesprochen, dass die Arbeitszeit so gestaltet wird, dass sie mit der familiären Situation vereinbar ist.“

Leonora Eisner, die von den Kollegen nur
Leonora Eisner, die von den Kollegen nur „Leo“ gerufen wird, an ihrem Arbeitsplatz. Sie hat ihr Ziel erreicht und trotz aller Anstrengungen nicht aufgegeben. © Christiane Hildebrand-Stubbe © Christiane Hildebrand-Stubbe

Ebenso wichtig ist Tanja Nieland aber, dass das Klima in einer Firma stimmt. Davon hat sie sich vorab während des Probearbeitens überzeugt.

Dennoch sind es zwei besondere zwei Jahre, in denen es nicht nur um Arbeitszeit und Berufsschule geht: „Das Lernen muss ich auf die Abende verschieben.“ Und vorerst ist sie neben Ausbildungslohn und Kindergeld auf zusätzliche staatliche Hilfen angewiesen.

Dennoch hat sie sich für diesen Weg und damit für eine Perspektive für sich und ihren Sohn entschieden. Für Oliver Rauße ist es ebenfalls die richtige Entscheidung: „Es ist heute nicht einfach, vernünftige Azubis zu finden.“ Den „Gefahren“ in den Regalen hat Tanja Nieland übrigens bislang trotz Personalrabatts widerstehen können. Noch.

Immer das Ziel vor Augen

Leonora Eisner ist sozusagen Kollegin. Die 25-jährige hat ihre Ausbildung bei Kramer in Ochtrup und Gronau absolviert und anschließend auch einige Monate im Ahauser Stammhaus gearbeitet, bevor sie im Mai dieses Jahres ihre Stelle bei ABC-Schuhe in Gronau angetreten hat.

Die gebürtige Deutschrussin hatte, wie sie sagt, immer ein Ziel vor Augen: „Ich muss was erreichen.“ Die Disziplin habe sie aus Rußland mitgebracht.

Als sie ihren Realschulabschluss mit 19 machte, war Tochter Daria bereits geboren. „Das passte genau, die Entbindung war in den Ferien, danach der Abschluss.“ Damit habe sie zwar „großes Aufsehen an der Schule“ erregt, aber auch große Unterstützung von Lehrern und Schulleitung. Sofort habe sie sich nach einer Tagesmutter umgeschaut und gefunden.

Nur so konnte sie die Ausbildung nämlich überhaupt beginnen und auch abschließen. Eine extrem anstrengende Zeit, in der sie immer darauf geachtet hat, dass ihre Tochter nicht zu kurz kommt.

„Das Schwierigste war, das mit dem Lernen, dem Kind und den Haushalt, das alles unter einen Hut zu bringen und der Schlafmangel.“ Dennoch steht für sie fest: „Es ist genau mein Beruf, wenn ich zurückdenke würde ich nichts ändern.“

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