Kaufhaus-Investor fühlt sich unfair behandelt

Interview

Am Rathausplatz baut Hans-Georg Berken-Schirmeisen sein Kaufhaus mit Tiefgarage. Am anderen Ende der Fußgängerzone soll ein Geschäfts- und Wohnhaus auf dem ehemaligen Volksbank-Gelände entstehen. Im Interview redet Berken-Schirmeisen Klartext, was er davon hält.

Ahaus

, 30.11.2017, 18:14 Uhr / Lesedauer: 4 min
Kaufhaus-Investor fühlt sich unfair behandelt

Hans-Georg Berken-Schirmeisen in der künftigen Tiefgarage seines Kaufhauses.bödding © FOTO: Christian Boedding

Die Parkplatzsituation ist in Ahaus immer wieder Thema in der Politik. Jüngst ging es darum, dass bei der Überplanung für das Volksbank-Gelände im Gutachten ebenso „schöngerechnet“ worden sei wie für Ihr Kaufhaus. Wie sehen Sie das?

Vorweg, ich möchte die Antworten lieber in der Wir-Form geben. An diesem Projekt arbeiten viele unserer Mitarbeiter mit.

Wir mussten für unsere 5400 Quadratmeter Verkaufsfläche plus Bürofläche laut Gutachten 88 plus 25 Parkplätze schaffen. Wenn wir das auf die Volksbank-Fläche mit ihren 2130 Quadratmetern umrechnen, brauchen sie dort statt der 36 geplanten Parkplätze doch mindestens 35 plus 28.

Auf unser Gelände passen gar nicht mehr Parkplätze: 110 in der Tiefgarage und zwölf oben. Sie werden keinen Parkplatz finden, der schmaler als 2,60 Meter ist. Wir können uns nicht gegen die Planung am anderen Ende der Fußgängerzone wehren. Aber wir können sagen, dass wir uns unfair behandelt fühlen. Dort werden Parkplätze durch Papier substituiert.

Warum unfair? Das lässt sich doch alles mit Zahlen belegen?

Zahlen können wir auch nennen. Ein Tiefgaragenplatz kostet zwischen 25.000 und 30.000 Euro. Wenn die Volksbank 40 Stellplätze ablösen muss, ist das für sie uninteressant, weil der Mietpreis je Quadratmeter Verkaufsfläche dann bei etwa 28 Euro liegt. Die Stadt könnte sagen: Macht 80 Stellplätze und die Sache ist gut. Oder sie könnte sagen, dass die Verkaufsfläche so weit reduziert werden muss, dass es mit den Stellplätzen passt.

Schwer vorstellbar, dass die Stadt das so macht, wie Sie das möchten. Was dann?

Wenn die Stadt das nicht macht, könnten wir unser geplantes Kaufhaus als Einkaufszentrum vermieten. Es lassen sich ganz leicht Wände einziehen und Shops betreiben. Wir verlieren keinen Cent und die Volksbank bekommt nicht einen einzigen Mieter. Denn die sind schon bei uns eingezogen.

Die zweite Möglichkeit wäre, dass wir unsere Mischfläche so umbauen, dass wir den höchstmöglichen Textilbereich nehmen, nämlich 3500 Quadratmeter. Dann gibt es ein Textilhaus mit Randsortimenten. Wie das in Ahaus ausgeht, muss die Politik dann verantworten.

Das hört sich wie eine Drohung an.

Das ist keine Drohung. Beides ist nicht unsere Philosophie. Wir werden dazu gezwungen. Was sollen wir machen? Die Politik wollte unser Kaufhaus. Wir hoffen nicht, dass der Rat vergessen hat, was er vor Jahren beschlossen hat. Sie müssen sich doch mal klarmachen: Es kommen 6000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche für Bekleidung in die Innenstadt. 3500 von uns und 2500 bei der Volksbank. Das muss die Stadt erst mal verkraften. Sage nachher keiner, Berken hat die Innenstadt kaputt gemacht.

Der Druck auf die Parkplätze wird kommen. Dann muss die Stadt mit dem Geld der Bürger entweder eine Tiefgarage unter der Wallstraße oder ein Parkhaus auf dem Kirmesplatz bauen. Eine Stunde Parken wird dann vier bis sechs Euro kosten.

Warum sind Ihnen Parkplätze so wichtig? Am Domhof gibt es jeden Tag genügend freie Plätze auf den Parkdecks.

Wir investieren viel Geld in unsere Immobilie, alleine drei Millionen Euro in die Tiefgarage. Natürlich hätten wir lieber ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück gehabt und davon 5000 Quadratmeter als Parkplatz ausgewiesen. Parkplätze kosten ein Vermögen, aber auf Dauer sind sie Gold wert. Unser Kaufhaus kann nicht nur von der Frequenz in der Fußgängerzone leben. Unser Ansatz muss sein: Wenn die Ahauser Hausfrau in die Innenstadt fahren will, dann muss sie in diese Tiefgarage und sich nicht mit dem Wagen in die Wallstraße quetschen. Wenn uns das nicht gelingt, haben wir verloren. Das A und O des Gebäudes ist die Tiefgarage.

Darf die Ahauser Hausfrau bei Ihnen kostenlos parken?

Bei dem Druck, den wir jetzt haben, werden wir sicherlich eine Parkraumbewirtschaftung machen müssen. Das heißt, kostenfreies Parken gibt es nur für die, die bei uns kaufen. Wie wollen sie sonst die Dauerparker rausbekommen?

Glauben Sie noch, dass Ihr Kaufhaus in Ahaus funktioniert?

Wir glauben, dass Kaufhäuser die Zukunft solcher Städte sind. Das glaubt uns zwar keiner, weil die großen Kaufhäuser alle Pleite gehen, aber das hat Gründe. Die Kaufhäuser sind deswegen die Zukunft: Wenn sie ein Einkaufszentrum in dieser Größe bauen, dann haben sie sechs oder sieben Mieter. Diese Mieter wollen zwischen 500 und 1000 Quadratmeter haben, oder mehr. Dann haben sie ein Edelfachmarktzentrum, denn der Kunde sieht nur die Fachmärkte, nicht das Ganze.

Wie sieht das Ganze denn in Ahaus aus?

Wenn Sie ein Großstadterlebnis wollen, dann fahren Sie nach Münster oder gleich zum Centro nach Oberhausen. Da kommen Sie nicht auf die Idee, sie hätten zu wenig Auswahl. In Ahaus bekommen wir auf 5400 Quadratmetern die Vielfalt mit vermieteten Flächen nicht hin. Das geht nur mit einem Kaufhaus, wo die Shops nicht abgeteilt sind. Haushaltswaren, Glas, Porzellan, Spielwaren, Schreibwaren, diesen Mix bietet nur ein Kaufhaussortiment. Nehmen Sie mal Geschenkartikel. Sie können im Kaufhaus auf 250 Quadratmetern so gut wie ein Fachmarkt auf 500 Quadratmetern sein. Sie brauchen keine Nebenräume und kein Lager.

Warum die kleine Kopie, wenn ich auch das große Original haben kann?

Die Zukunft der Kaufhäuser in Orten wie Ahaus ist: alles unter einem Dach. Das Centro in Oberhausen, reduziert auf Ahauser Verhältnisse. Wenn Sie durch die Innenstädte in Münster oder Osnabrück laufen, sehen Sie überall die gleiche Ware von europaweit tätigen Filialisten. Da ist doch keine Auswahl mehr. Das Kaufhaussystem bietet noch Anreize. Wir sagen nicht, dass es einfach ist. Es ist schwer. Aber die Menschen möchten unbeschwert im Kaufhaus flanieren. Wir sehen das in unseren Kaufhäusern in Stadtlohn, in Selm und in Lüdinghausen.

Als sie mit Ihrer Planung anfingen, war die Entwicklung des Volksbank-Areals in weiter Ferne. Wie sehr schlagen Ihnen die Pläne der Bank ins Kontor?

Bislang haben wir immer gesagt, das kommt nie. Wir müssen uns keine Gedanken machen. Es gibt keine Stadt, die das genehmigt. So eine Nummer mit so wenig Stellplätzen gibt es in ganz Deutschland nicht. Ein ortsfremder Investor kommt doch nicht auf die Idee, 2130 Quadratmeter Verkaufsfläche und 990 Quadratmeter Büronutzung zu bauen und nur 36 Parkplätze vorzuhalten. Jetzt sind wir an einem Punkt, wo wir sagen: Hallihallo, da kann was passieren.

Vielleicht legt man an das Gebäude der Volksbank doch noch den gleichen Maßstab an. Es gibt auch die Möglichkeit, festzustellen, dass man sich geirrt hat und für uns die entsprechende Anzahl an Stellplätzen fordert wie bei der Volksbank. Nur, dann haben wir 31 Stellplätze zu viel für gut eine Million Euro gebaut. Jeder muss den Weg für sich finden. Wir als Familienunternehmen und die Stadt als Genehmigungsbehörde.

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