Keine Chance auf Bewährung: Richter sieht bei Ahauser zu viele Gewalt-Rückfälle

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Für zehn Monate sollte er wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ins Gefängnis. Das wollte ein 31-Jähriger nicht einsehen. Seine Berufung blieb wegen seiner Vorgeschichte erfolglos.

von Klaus Möllers

Ahaus

, 12.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann sitzt früh morgens in einer Garage, schwer angetrunken mit 1,9 Promille Blutalkohol. Drei Polizisten wollen ihn stellen, weil er zuvor unter anderem die Wohnungstür seiner Frau eingetreten hat. Der Mann dreht sich zu den Polizisten, schlägt und tritt um sich, trifft aber niemanden. Das war trotzdem Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte.

Zu zehn Monaten Gefängnis – ohne Bewährung – verurteilte ihn deshalb im Februar das Amtsgericht Ahaus. Weil der 31-Jährige allerdings hoffte, dass die Strafe im Nachhinein zur Bewährung ausgesetzt werden würde, ging er in Berufung. Das Landgericht lehnte eine Bewährung jetzt ab, weil der Ahauser „immer wieder“, so sagte es der Richter, in alkoholisiertem Zustand gewalttätig geworden sei.

Gutachten soll Alkoholabhängigkeit feststellen

Stattdessen soll nun ein psychiatrisches Gutachten zur Alkoholabhängigkeit des Mannes erstellt werden. Im ungünstigsten Fall müsste der Angeklagte eine Entzugsmaßnahme unter geschlossenen Bedingungen durchlaufen. Die würde dann nicht, wie die verhängte Strafe des Amtsgerichts, zehn Monate dauern, sondern zwei Jahre, erklärte der Richter.

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An besagtem Septembermorgen war es bereits zum dritten Mal kurz hintereinander zu Polizeieinsätzen wegen des 31-Jährigen an der Wessumer Straße gekommen. Hintergrund war häuslicher Streit. Letztlich wurde er fixiert und zur Wache gebracht. Etliche ähnlich gelagerte Vorfälle waren ausschlaggebend, dass der Mann keine Berufung erreichen konnte. „Es reicht nicht die Hoffnung, dass jemand keine Straftaten mehr begeht, sondern wir müssen die Erwartung haben“, sagte der Richter.

Elf Einträge im Zentralregister

Für den Angeklagten sind im Bundeszentralregister elf Gerichtsentscheide vermerkt: Schon als Jugendlicher fiel er wegen Körperverletzung und Beleidigung auf, dann mehrmals wegen Diebstahls, erneut wegen Körperverletzung, zudem wegen Nötigung, Bedrohung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Erste Haftstrafen wurden verhängt, als Mittzwanziger erstmals nach Erwachsenenstrafrecht wegen gefährlicher Körperverletzung.

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Im vergangenen Jahr dann verurteilte ihn das Amtsgericht Ahaus – wegen versuchter Körperverletzung und Widerstands – zu neun Monaten Haft. Der Ahauser hatte nach einer betrieblichen Weihnachtsfeier und einem Disko-Besuch betrunken auf dem Domhof auf einen „ihm völlig unbekannten“ Mann, so der Richter, eingeschlagen. Das Opfer erlitt Bänderrisse in einer Schulter, musste zwei Mal operiert werden und war vier Monate lang arbeitsunfähig. Auch die Polizei, die den Täter stellen wollte, „musste Schläge und Tritte abwehren“, heißt es im Urteil des Amtsgerichts.

Therapie-Versprechen reicht dem Gericht nicht

Zwar hat sich der 31-Jährige im Zuge der Diagnose einer Alkoholabhängigkeit um eine ambulante Therapie bemüht, wie seine Verteidigerin darlegte. Das reichte dem Gericht aber nicht.

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