Der Klimawandel hat den Krammarkt in Ahaus erreicht

rnKrammarkt in Ahaus

Dicke Schals und Wollmützen waren beim Krammarkt in Ahaus nicht unbedingt die Verkaufsschlager. Hat das nun mit dem Wetter zu tun oder mit dem Klimawandel? Händler reagieren.

Ahaus

, 09.09.2019, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kirmesmontag ist traditionell Krammarkt in Ahaus. An über 200 Ständen in der Fußgängerzone und entlang der Wallstraße treffen wortgewandte Verkäufer auf eine einigermaßen kaufwillige Kundschaft.

Die Palette der Angebote reicht von Kuscheltieren für die Mikrowelle über Power-Gartenscheren, die die dicksten Äste schneiden bis zum Gemüseschneider, der laut Händler in drei Farben erhältlich ist: „grün, orange und sch...egal.“

Stoffbeutel statt Plastiktüten

Die Geschäfte laufen gut, sagen die meisten Verkäufer. Zurückhaltend äußern sich allenfalls die Händler für Schals und Mützen. „Es lief schon mal besser in Ahaus“, sagt eine Händlerin, die unter anderem Winterkleidung verkauft und namentlich lieber nicht genannt werden möchte.

Ob die Leute davon ausgehen, angesichts des Klimawandels auf wärmende Kleidung verzichten zu können? An einigen Ständen hat schon ein Umdenken stattgefunden: Die Händler verpacken ihre Waren statt in Plastiktüten in Stoffbeutel.

„Rausverkauf“ lautet das Motto am Stahlwaren- und Uhrenstand von Petra Iffland. „Zwei Uhren für 15 Euro“ steht auf einem Schild. Die aus Dortmund angereiste Verkäuferin ist seit mehr als 20 Jahren mit ihrem Stand beim Krammarkt in Ahaus dabei. Warum es sie nach Ahaus zieht? „Die Kundschaft im Münsterland ist sehr nett“. Nächste Verkaufsstation: der Mariä-Geburtsmarkt in Telgte.

Der Klimawandel hat den Krammarkt in Ahaus erreicht

„Rausverkauf“ lautet das Motto am Stahlwaren- und Uhrenstand von Petra Iffland. Die Dortmunderin ist seit mehr als 20 Jahren mit ihrem Stand beim Krammarkt in Ahaus dabei. © Christian Bödding

„Es wird von Jahr zu Jahr schwerer“, berichtet Verkäuferin Yvonne Kaupenjohann aus Ahlen. Sie verkauft in Ahaus Pfannen und Töpfe. Das Problem, das sie mit vielen anderen Krammarkt-Händlern teilt: „Überall gibt es Sonderangebote und ein Überangebot im Internet.“

Der Klimawandel hat den Krammarkt in Ahaus erreicht

Wie die Geschäfte laufen? "Ich bin zufrieden", sagt Käseverkäufer René Dibbets aus Holland. © Christian Bödding

Der Holländer René Dibbets ist mit seinem Käsestand das dritte Mal beim Ahauser Krammarkt. Wie die Geschäfte laufen? „Ich bin zufrieden“, sagt der Händler. „Gouda geht immer.“ An gefühlt jedem dritten Stand beim Ahauser Krammarkt bieten die Händler Glasputztücher an. Mal tituliert als „Bambus Kristall-Tuch“, mal als „Weltneuheit Spezialfasertuch“.

Der Klimawandel hat den Krammarkt in Ahaus erreicht

Thomas Meyer verkauft seit 30 Jahren Lederpflege und Industriekleber. Der Wallenhorster schwört auf die Ahauser Stammkundschaft. © Christian Bödding

Thomas Meyer verkauft seit über 30 Jahren Lederpflege und Industriekleber. Die Lederpflege sorge für „super Glanz“, verspricht der Wallenhorster. „Damit habe ich gestern noch meine Schwiegermutter eingerieben.“ Thomas Meyer schwört auf die Ahauser Stammkundschaft. „Denen kannst du noch was erzählen, die hören wenigstens noch zu.“

In der Tat, auch im größten Gedränge bleibt vielen Besuchern immer noch Zeit für ein Pläuschchen. Zahlreiche Ahauser schlendern am Montag über den Krammarkt und anschließend über die Kirmes.

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