Das Vredener Krankenhaus wird geschlossen und in eine Reha-Klinik umgebaut. © Markus Gehring
Meinung

Klinikum Westmünsterland: Kein Wunder, dass das Vertrauen weg ist

Die Menschen glauben dem Klinikum Westmünsterland kein Wort mehr. Das wurde bei den Infoveranstaltungen deutlich. Dieses Misstrauen ist das Ergebnis einer schlechten Öffentlichkeitsarbeit.

Enttäuschung, Misstrauen, das Gefühl, veräppelt zu werden, und eine eindringliche Bitte, endlich ehrlich zu sein. Bei den Infoveranstaltungen zu den Krankenhaus-Schließungen in Stadtlohn und Vreden ging es vor allem um Emotionen.

„Wieso sollten wir Ihnen noch irgendetwas glauben?“, fragte ein Zuschauer in Stadtlohn. In Vreden appellierte eine Politikerin: „Bitte seien Sie ehrlich mit uns.“

Dieses Misstrauen hat sich das Klinikum Westmünsterland selbst zuzuschreiben. Denn die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens ist eine echte Katastrophe. Auf Presseanfragen unserer Redaktion zu kritischen Themen kommen immer weichgespülte Antworten. Alles ist gut, Qualität hoch, Personal zufrieden, keine Engpässe, keine Probleme.

Aber wenn es darum geht, Schließungen und Umstrukturierungen zu begründen, gibt es auf einmal quasi nur Probleme. Und nie ist das Klinikum Westmünsterland dafür verantwortlich. Die Schuld liegt immer bei der Politik, den Krankenkassen, den Ministerien.

Bewusste Falschinformation der Bevölkerung

Hinzu kommt eine bewusste Falschinformation der Bevölkerung. In Stadtlohn wurden 2019 mehrere Abteilungen geschlossen. Natürlich kein Zeichen für die Zukunft, hieß es damals. In Vreden sagten die Geschäftsführer sogar noch 2020 ganz deutlich: „Der Standort Vreden ist sicher.“

Erst heute fällt auf: Sie sagten nicht „Krankenhaus-Standort“. Die Aussage ist damit vielleicht keine Lüge, aber auf jeden Fall eine bewusste Täuschung. Die Geschäftsführer müssen gewusst haben, wie das bei der Bevölkerung ankommt. Sie kannten die Sorgen der Menschen und haben sie ganz bewusst beruhigt, während sie selbst schon wussten, was kommen wird.

Die Argumente des Klinikums für die Umstrukturierungen sind gut und nachvollziehbar. Wohl jeder, der sich intensiv damit auseinandersetzt, wird verstehen, warum die Schritte notwendig sind. Es ist auch durchaus verständlich, dass die Pläne erst jetzt öffentlich gemacht werden können, und sehr löblich, dass es nun Infoveranstaltungen und Broschüren gibt.

Klinikum Westmünsterland hat zu viele Fehler gemacht

Doch das Klinikum hat in der Vergangenheit einfach zu viele Fehler gemacht. Diese holen das Unternehmen jetzt ein. Das Vertrauen ist weg. Und genau das ist fatal, denn in Fragen der Gesundheit geht es immer um Vertrauen.

Die Verantwortlichen müssen nun hart daran arbeiten, wieder ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Das wird nur funktionieren, wenn sie konsequent ehrlich sind, auch wenn es mal schwierig und kompliziert wird. Sie müssen zu Fehlern und Problemen stehen, und zwar nicht erst, wenn es zu spät ist. Offenheit und Transparenz sind hier der Schlüssel.

Über die Autorin
Redakteurin
Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer