Kolumbianer schaut sich deutsche Agrarökologie ab

Besuch in Ahaus

Wenn Henry López Daza am 23. März nach Hause reist, wird er wohl bald ein Care-Paket aus Wessum bekommen: Felix Benning muss den kolumbianischen Ex-Kommilitonen mit deutschen Brotbackmischungen versorgen. Doch der Agraringenieur schätzt an Deutschland vor allem das Know How in Sachen Öko-Landbau.

WESSUM

, 09.03.2015, 17:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kolumbianer schaut sich deutsche Agrarökologie ab

Henry López Daza aus Kolumbien nimmt viel Know How und neue Motivation für seine Arbeit in Kolumbien mit aus Deutschland.

2004 war López Daza zum ersten Mal in Deutschland, damals noch als Student. Der heute 41-Jährige hat eine Vision, für die er bereits viele Mühen - und viele Reisen - auf sich genommen hat. Er möchte dazu beitragen, die ökologische Vielfalt in seiner Heimat zu erhalten und dabei den Kleinbauern helfen, ohne Export aus Monokulturen von ihrer Arbeit zu leben. Fair Trade, dezentrale Strukturen und Ökologie sind dabei die Säulen des Konzepts.

Irgendwann möchte er ein eigenes Institut für ökologischen Landbau in Kolumbien gründen. Dazu braucht er einen Doktortitel. Die Promotion würde er gerne in Deutschland ablegen.

Hilfe für Kleinbauern

"Die Bauern brauchen Unterstützung", sagt er, "damit nicht nur große Bananen-, Kaffee- und Palmölplantagen entstehen. Dazu gehört etwa die Pflege, der Erhalt und die Dokumentation alter Sorten, bisher vor allem bei Pflanzen." Doch auch in der Tierhaltung will der Experte ökologische Strategien entwickeln. Gleichzeitig schwappen per Internet Trends auch nach Kolumbien über, wie etwa der zur veganen Ernährung.

Der Öko-Landbau steckt in Kolumbien in weiten Teilen noch in den Kinderschuhen. "Wir sind da, wo Deutschland vor 25 Jahren war", sagt der Agraringenieur, der 2011 schon den Master in Deutschland gemacht hat. In seiner Heimat arbeitet er für eine Nichtregierungsorganisation namens Recab.

Gute Kontakte

Noch bis Ende der Woche ist López Daza in Ahaus zu Gast, bei der Familie Benning, mit deren Sohn Felix Benning er im Studium eine Wohngemeinschaft hatte. Er pflegt seine Kontakte nach Deutschland, auch wenn es jetzt schon wieder vier Jahre her ist, dass er das letzte Mal hier war.

Aus gutem Grund: Das Know How und auch einiges an Gerät, das er für seine Arbeit einsetzen kann, findet er in Kolumbien nicht. Ein Instrument wie etwa ein pH-Meter koste dort das Drei- bis Vierfache. Darum habe er schon nach seinem Besuch der Biofach-Messe in Nürnberg zehn Kilo Post in die Heimat vorgeschickt.

Fachmessen und Freunde

Der insgesamt 42 Tage dauernde Aufenthalt in Deutschland ist vollgepackt mit Terminen und Besuchen. Neben Fachmessen, wie etwa zur ökologischen Tierhaltung stehen Besuche bei früheren Kommilitonen wie Felix Berning, aber auch bei Instituten und Betrieben an, die López Dazas Weg prägten.

Ende der Woche geht es für den Kolumbianer nach Mecklenburg-Vorpommern. Dann am 23. März zurück nach Kolumbien, wo eine große Aufgabe auf ihn wartet. "Wir sind noch ganz am Anfang."

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