Konzert voll südländischer Leidenschaft und Lebensfreude

Euregio Symphonieorchester

Von Ahaus nach Spanien führte die musikalische Reise beim Konzert des Euregio Symphonieorchesters unter der Leitung von Michael Rein. Es war ein heißblütig-feuriger musikalischer Abend.

Ahaus

17.02.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Euregio Symphonieorchester erntete am Samstagabend in der Stadthalle im Kulturquadrat viel Beifall für seine Darbietung.

Das Euregio Symphonieorchester erntete am Samstagabend in der Stadthalle im Kulturquadrat viel Beifall für seine Darbietung. © B. Gausling

Beim Euregio Symphonieorchester der VHS traut man sich was. Das gut besuchte Jahreskonzert stand unter dem Motto „Spanisches Feuer“ und das will ja bei den eher nordeuropäisch geprägten Musikern aus den Niederlanden und dem Münsterland erst einmal geweckt werden.

„Musikalischer Feuerteufel“

Doch spätestens beim berühmten Marsch und Lied der Toreadoren aus den das Konzert eröffnenden „Carmen Suiten“ von Georges Bizet wurde klar, dass Michael Rein, der langjährige Dirigent des Orchesters, der das Konzert auch sympathisch und kenntnisreich moderierte, ein sehr erfolgreicher musikalischer Feuerteufel ist und sein Orchester eindrucksvoll mitreißen kann.

Doch nicht nur das Heißblütig-Feurige in Bizets Carmen-Musik galt es ja auszuleuchten, sondern auch die zarte Melancholie des Südens etwa in der „Nocturne“ und auch bei diesen Passagen der Carmen-Suiten gelangen berührende Momente.

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Während Bizet als Franzose mit seiner Oper „Carmen“ in gewisser Weise das spanische Idiom in der Musik kunstvoll kopiert und für viele vielleicht sogar geprägt hat, ging der Abend danach mit „original-spanischer“ Zarzuela-Musik und somit mit einer typisch-spanischen Musiktheatergattung höchst unterhaltsam und kurzweilig weiter.

Oper und Operette

Es wurde folkloristischer, hier und da hörte man Kastagnetten, und vor allem beleuchteten die neun ausgewählten Arien aus unterschiedlichen Opern respektive Operetten der verschiedensten spanischen Komponisten musikalisch auch vielfältige Facetten spanischer Musik: Tänzerische Rhythmik bis hin zum Vertrackten und auf den komplizierten Flamenco Verweisenden, tonal an Zigeunermusik Erinnerndes, agogisch fein auszutarierende Tempoveränderungen und vor allem ein ständiger Wechsel der Affekte von volksfestartiger Fröhlichkeit, südländischer Leidenschaft und Lebensfreude bis hin zu tiefer Seelennot, Schmerz und Verzweiflung – aber eben immer: großes Gefühl!

Drei Solistinnen

Zum außerordentlichen Wohlgefallen des Publikums bewältigte all das nicht nur das Orchester auf hohem Niveau, sondern man konnte sich auch an drei überragenden Gesangssolistinnen erfreuen: Die Sopranistin Irene Hoogfeld begeisterte mit ihrer sehr flexiblen und zugleich großen und ausdrucksstarken Stimme.

Ihr in nichts nach standen die Mezzosopranistinnen Sara Konig, deren Stimme etwas Zartes und Leichtes und doch zugleich auch Tragendes hatte, und Franske van der Wiel, die mit ihrem dunkleren Timbre und einer gewissen Schwere in der Stimme das spanische Kolorit wunderbar traf, was sie auch im letzten Werk des Abends, Manuel de Fallas „El amor brujo“ (Der Liebeszauber), noch einmal eindrucksvoll demonstrieren konnte.

Herausforderungen gemeistert

In diesem sehr anspruchsvollen Werk wurden Dirigent und Orchester besonders gefordert. In der Tonsprache oft noch exotisch-südländischer und mit vielen Instrumentalsoli, Tempo-, Takt- und Stimmungswechseln gespickt, bedurfte es hier äußerster Konzentration der Musiker und man darf sagen, dass diese Herausforderung gemeistert wurde. Auch hier gelang es, das Publikum zu fesseln, sodass der lang anhaltende Schlussapplaus wohlverdient war.

Man bedankte sich mit dem effektvoll dargebotenen „Lied der Tarantel“ von Jeronimo Giménez, bei dem neben dem Orchester auch noch einmal alle drei Gesangssolistinnen reüssieren konnten.

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