Landwirte erreichen Ziel in Bonn nicht, sind aber trotzdem rundum zufrieden

rnBauernproteste

Zur Großdemo gegen das Agrarpaket der Bundesregierung sind Landwirte aus dem Westmünsterland nach Bonn gestartet. Sie kamen nicht pünktlich an, sind mit ihrer Aktion aber trotzdem zufrieden.

Ahaus

, 22.10.2019, 18:33 Uhr / Lesedauer: 5 min

Landwirte aus Ahaus, Wessum, Graes, Stadtlohn, Legden, Heek, Südlohn und Vreden haben sich mitten in der Nacht auf den Weg nach Bonn gemacht, um zu protestieren. Sie sind nicht angekommen, ihr Ziel haben sie trotzdem erreicht: Zusammen mit zehntausenden Landwirten in ganz Deutschland haben sie ihren Protest gegen das Agrarpaket und die immer striktere Reglementierung ihres Berufsstandes in die Öffentlichkeit getragen.

Unser Redakteur Stephan Teine war im Traktor von Frank Kisfeld aus Vreden dabei und hat die Fahrt bis Bonn begleitet.

Eine Geschichte, um sie den Enkeln zu erzählen

Frank Kisfeld, der einen Betrieb mit Schweinemast und Bioenergie führt, hat sich in der Nacht auf Dienstag an der Spitze einer Gruppe auf den Weg gemacht. „Lasst uns diesen Tag zu einer Geschichte machen, von der wir noch unseren Enkeln erzählen“, hatte er gegen 2.30 Uhr den Landwirten auf dem Hof Kapell in Borken zugerufen. Stürmischer Applaus.

Landwirte erreichen Ziel in Bonn nicht, sind aber trotzdem rundum zufrieden

In einer langen Kolonne machten sich Dienstagnacht viele Landwirte mit ihren Treckern aus dem Kreis Borken auf den Weg nach Bonn. © Stephan Teine

Hinter dem Steuer erklärt er, warum er die beschwerliche Tour überhaupt auf sich nimmt: „Mein Sohn ist total treckerverrückt. Wenn er möchte, soll er einmal unseren Hof übernehmen. Das geht aber nur, wenn er auch davon leben kann.“

Lange Liste an Problemen und Kritikpunkten

Und da sieht er im Moment eine ganze Reihe von Problemen. Das Agrarpaket, die Düngemittelverordnung, Handelsabkommen, Lebensmittelpreise... Die Liste geht noch lange weiter.

Er und seine Kollegen sehen sich zu Unrecht in eine Ecke gedrängt. „Die Leute sollen einfach erst einmal verstehen, dass wir nicht für jedes Problem die Sündenböcke und Fußabtreter sind“, erklärt er. Darauf deuten auch die großen Transparente und Plakate hin, die an jedem Traktor befestigt sind. „Redet mit uns, nicht über uns!“ steht da. Um diese Gespräche geht es den Landwirten, um Respekt, um Augenhöhe.

„Man hat uns Jahrelang nicht gehört, jetzt ist das Maß voll“, sagt Frank Kisfeld. Deswegen sei die Idee mit den Protesten per Traktor ja auch bundesweit auf so fruchtbaren Boden gefallen.

Fast 200 Schlepper machen sich auf den Weg nach Bonn

Rund 200 Schlepper und Lkw haben die Landwirte am Morgen in Borken aufgestellt. Gemüse, das sie bei Staus an die wartenden Autofahrer verteilen wollen, wird herangefahren. Es wird auf die Trecker verteilt.

Eine letzte Absprachen mit der Polizei, dann erwachen die Dieselaggregate zum Leben. In einer langen Kette machen sich die Maschinen auf den Weg.

Landwirte erreichen Ziel in Bonn nicht, sind aber trotzdem rundum zufrieden

Auch an Toiletten für unterwegs hatten die Landwirte gedacht. Praktisch verpackt auf einer abrollbaren Ladefläche. © Stephan Teine

Blitzende orange Warnleuchten und die Scheinwerfer von 178 Schleppern – so die erste Zählung der Polizei vor Ort – erleuchten die Nacht. Diese Zahl wird nur wenige Kilometer hinter der Hofausfahrt zum Problem. Die Polizei hat den Kreisverkehr dort abgeriegelt.

Ein Polizist klopft an die Fahrertür von Frank Kisfelds Schlepper. „Kommen Sie mal mit“, ruft er ihm zu. Frank Kisfeld steigt aus. Er zuckt mit den Schultern. Organisator oder gar Versammlungsleiter will er eigentlich nicht mehr sein.

Autobahnfahrt wird verboten, Organisationsteam löst sich auf

Nachdem Polizei und Verwaltungsgericht Münster am Montag verboten hatten, dass die Landwirte über die Autobahn nach Bonn fahren, lösten die Organisatoren ihre Gruppe auf. „Die Landwirte fahren auf eigenes Risiko nach Bonn. Dass wir in einer langen Kolonne unterwegs sind, ist da eher Zufall“, sagt Frank Kisfeld. Und schmunzelt noch verschwörerisch.

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Hunderte Landwirte aus dem Kreis Borken beteiligen sich an Protesten in Bonn

178 Traktoren aus Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden und weiteren Städten im Kreis Borken sind in der Nacht auf Dienstag zu den Protesten nach Bonn gefahren. Angekommen sind sie nicht, die Aktion war dennoch ein Erfolg.
22.10.2019
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Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine
Auch wenn es nicht ganz bis auf den Münsterplatz in Bonn gereicht hat, die Landwirte verbuchen ihren Protest – nach einigen Startschwierigkeiten ganz zu Beginn – als Erfolg.© Stephan Teine

Bei den Polizisten am Kreisverkehr kommen die Landwirte nach einer halben Stunde mit dieser Argumentation noch durch. Doch die Fahrt dauert wieder nur wenige Minuten. An einer Kreuzung warten wieder Polizisten.

Landwirte wollen Polizei einen Haken schlagen

Einige Traktoren ignorieren die Polizeisperren, schlagen einen Haken und setzen ihre Fahrt ungerührt fort. Frank Kisfeld und einer Gruppe von Kollegen an der Spitze des Zugs wird es zu bunt. „Die spielen auf Zeit“, funkt Frank Kisfeld an den Traktor vor ihm.

Landwirte erreichen Ziel in Bonn nicht, sind aber trotzdem rundum zufrieden

Nichts geht mehr: Bonn ist abgeriegelt. Die Traktoren werden auf einem Acker kurz hinter dem Ortsschild geparkt. © Stephan Teine

Mit der Spitzengruppe biegt er schließlich ab. Ihre Idee: Die Polizeifahrzeuge über einen Wirtschaftsweg umgehen und dann zurück auf die Hauptstraße Richtung Ruhrgebiet.

Abkürzung endet im Wald bei der Polizei

Die Fahrt endet im Wald. Der Weg nach vorn wäre frei, doch von hinten melden sich die anderen Landwirte. Die Polizei hat die Kreuzung endgültig gesperrt.

Bevor die ausgerissenen Traktoren wieder da sind, soll keiner weiterfahren. Die hitzige Diskussion im Wald endet, als plötzlich fünf Polizeibeamte zwischen den laufenden Traktoren auftauchen.

„Wir wissen nicht, was Sie vorhaben“, erklärt eine Beamtin. Auch bei der Polizei ist zu diesem Zeitpunkt längst nicht alles klar.

Der Funk funktioniert nicht richtig. Zuständigkeiten sind unklar. „Wir versuchen zusammen, dass Sie ankommen und wir die Kreuzung freibekommen“, sagt die Beamtin betont ruhig.

Sie will deeskalieren, gerät bei den Landwirten aber an die falsche Adresse. Sie fühlen sich an der Nase herumgeführt. Schließlich geben sie doch nach.

Kreuzung fast eine Stunde lang blockiert

Die Kreuzung ist durch Traktoren und den beginnenden Berufsverkehr komplett blockiert. Einsatzhundertschaft, Zivilbeamte, Streifenpolizisten. Immer mehr Polizisten werden zusammengezogen.

„Sie können erzählen, was Sie wollen, wir nehmen Sie als Versammlung wahr“, erklärt ein Polizist der Einsatzhundertschaft, der schließlich die Kontrolle übernimmt. Die Verhandlungen ziehen sich.

Wachleiter redet jungem Traktorfahrer ins Gewissen

Auch der Wachleiter der Polizeiwache Ahaus, Manfred Lütjann, ist vor Ort. „Eben immer da, wo etwas los ist“, grüßt er.

Doch für die Landwirte soll hier definitiv erst einmal Schluss sein. Die wollen das nicht akzeptieren. Einige hupen. Andere fahren von hinten an der Kolonne vorbei, verstopfen die Kreuzung zusätzlich.

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Ein junger Traktorfahrer fährt langsam hinter einem Polizisten her, will ihn abdrängen, um schließlich eine Lücke zu finden. „Dem muss ich wohl gleich den Schlüssel wegnehmen“, sagt Manfred Lütjann und redet dem jungen Mann ins Gewissen.

Es fallen Worte wie „Vorsicht“ und „versuchte Nötigung“. Der junge Landwirt knickt ein. Er lässt seinen Traktor stehen und gesellt sich zu den anderen, die wütend über die Taktik der Polizei diskutieren.

Die Emotionen schwanken zwischen Gelassenheit, offener Wut und Ratlosigkeit. Die Beamten haben Verständnis für die Ziele der Landwirte, doch eine Demonstration muss eben gewissen Regeln folgen. Gut 50 Minuten geht es so hin und her.

Es geht weiter, doch die Gruppe teilt sich

Schließlich können sie weiterfahren. Nicht direkt, sondern durch das Rheinland. Das Feld wird immer weiter auseinander gerissen. Dass weiter hinten im Feld plötzlich ein Landwirt abbiegt und ihm rund 170 Fahrzeuge folgen, bemerkt vorne niemand.

Erst eine gute Stunde später wird klar: Aus der großen Kolonne sind eine große und zwei kleine geworden. Frank Kisfeld mit seiner Clique folgt den Polizeifahrzeugen. Knapp 20 Schlepper gehören noch zu dem versprengten Haufen.

Jeder einzelne Teilnehmer musste viel organisieren

Dennoch ist Frank Kisfeld froh über jeden Einzelnen. „Das war für jeden Einzelnen eine riesige Organisation“, sagt er. Schließlich sei man als Landwirt ja täglich und rund um die Uhr beschäftigt.

Umso höher sei jedem teilnehmenden Landwirt die Fahrt nach Bonn anzurechnen. Das sagt er, während er per Smartphone gerade die Futtersteuerung in einem seiner Schweineställe verändert.

Schaulustige nehmen Protest positiv auf

Durch kleine und größere Orte kommt Bonn langsam näher. Inzwischen hat der kleine Zug fast durchgehend mehr als 30 km/h auf dem Tacho.

Trotzdem: Es ist gerade kurz nach Neun. Bis Bonn sind es noch 140 Kilometer. Das wird nicht pünktlich zur zentralen Kundgebung in Bonn klappen.

Doch der Weg ist zum Ziel geworden. Unterwegs verteilen sie Gemüse an Schaulustige oder Wartende in den Autos. Die lächeln, winken, recken den Daumen nach oben, machen Fotos.

An anderen Stellen sollen Passanten mit Steinen oder Eiern geworfen haben. In der Kolonne von Frank Kisfeld passiert so etwas nicht. Zwei erhobene Mittelfinger eines wütenden BMW-Fahrers der sich zwischen die Fahrzeuge drängeln will, bleiben die einzige Provokation.

In Bonn geht nichts mehr

Schließlich das Ortsschild von Bonn. Die Polizei teilt per Lautsprecher mit, dass die Stadt überfüllt ist. Auf der Straße geht nichts mehr. Die Traktoren werden auf einen Acker umgeleitet und bleiben dort erst einmal stehen.

Dann starten sie zusammen mit der Polizei doch noch einen Versuch in Richtung Innenstadt, brechen ihn aber nach kurzer Zeit ab. Sie wollen sich lieber mit der großen Gruppe treffen, die sich morgens abgespaltet hat. Die soll irgendwo in Köln sein. Und dann ist da ja auch noch der Rückweg...

Schwieriger Rückweg bis tief in die Nacht

Auch der gestaltet sich noch schwierig. Gegen 18.30 Uhr rollen die Traktoren gerade erst durch Grevenbroich. „Wir sind ein paar Mal aufgehalten worden, weil unsere Route so nicht von der Polizei abgenommen wurde“, sagt Frank Kisfeld am Telefon.

Auf dem Rückweg ist der Konvoi außerdem zum Längsten in ganz Deutschland angewachsen: 768 Schlepper machen sich aus dem Rheinland auf den Weg in den Norden. „Aus Wesel, dem Emsland und dem Kreis Borken haben wird Schlepper dabei“, sagt Frank Kisfeld. Wann sie wieder zuhause eintreffen, mag er da noch nicht abschätzen.

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