Landwirte nehmen Bauernpräsident Johannes Röring ins Kreuzfeuer – der weist Kritik zurück

rnLandwirtschaftliches Fachgespräch

Wenn Bauernpräsident Johannes Röring mit dem Trecker anrollt, ist das ein Statement: Ich bin einer von euch! Nicht alle Gäste beim landwirtschaftlichen Fachgespräch der CDU sahen das so.

Ahaus

, 04.12.2019, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dienstagabend, 19 Uhr. Vor der Ahauser Stadthalle haben rund 50 Bauern ihre Trecker geparkt. Unter ihnen auch Johannes Röring, amtierender Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands, MdB-CDU, Hauptredner des landwirtschaftlichen Fachgesprächs, zu dem die Kreis-CDU eingeladen hatte. Das Thema: „Lasst uns reden!“.

Und das wollten offensichtlich sehr viel mehr Besucher als gedacht. Die gestellten 140 Stühle im Foyer reichten jedenfalls bei weitem nicht aus. Letztlich waren es rund 250 Teilnehmer – meist Landwirte – die mit Johannes Röring ins Gespräch kommen wollten.

Kein harmloses Heimspiel

Willi ist da, Bernhard auch. Man kennt sich. Johannes Röring nennt viele beim Vornamen. Ein harmloses Heimspiel war dieser Abend für ihn dennoch nicht. Auch wenn er gleich zu Beginn seiner kurzen Rede potenziellen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen glaubte: „Ich werde eines nicht machen, die Politik des Bundeslandwirtschaftsministeriums zu verteidigen.“

Landwirte nehmen Bauernpräsident Johannes Röring ins Kreuzfeuer – der weist Kritik zurück

Die Stühle reichten nicht aus, um allen Besuchern das landwirtschaftlichen Fachgesprächs Platz zu bieten. © Markus Gehring

Rörings positive Rückschau auf die Großdemos der letzten Zeit („Endlich passiert etwas!“) und den jüngsten Agrargipfel mit der Kanzlerin („Es ist der Auftakt zu Gesprächen zur Zukunft der Landwirtschaft.“) sowie markige Sprüche („Für allen Shit in der Welt sollen wir Bauern verantwortlich sein.“) hielten die Gäste nicht von kritischen Nachfragen ab.

Politik und Verband als Zielscheibe

Zielscheibe der Kritik: CDU-Politiker und Verbandsfunktionär Johannes Röring, eigentlich Politik und Verband überhaupt. Die Frage, die einige im Saal bewegte: Ist die CDU noch die Partei der Landwirte, oder ist es vielleicht eher die FDP? Sie fühlten sich von der Partei, die zum Teil schon seit Generationen die ihrige sei, nicht mehr richtig vertreten. Und von ihrer Standesvertretung, dem Landwirtschaftsverband, schlecht beraten: „Es hakt auch an euch.“ Visionen für die Landwirtschaft wurden vermisst.

Landwirte nehmen Bauernpräsident Johannes Röring ins Kreuzfeuer – der weist Kritik zurück

Vor dem Ahauser Kulturquadrat parkten einige Landwirte aus Protest ihre Trecker. © Markus Gehring

Auch wenn Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Demo in Berlin eine Stunde geredet habe und nicht zweieinhalb Minuten wie Umweltministerin Svenja Schulze, gesagt habe sie dennoch nicht viel, hieß es. Bei den Großveranstaltungen der letzten Zeit habe sie sogar immer fast die gleiche Rede gehalten.

Klare Kante vermisse man nicht nur bei ihr, sondern bei Politik und eben auch bei Johannes Röring. Ein Landwirt nannte da als positives Beispiel den früheren Bauernpräsidenten Freiherr Heereman. Johannes Röring aber sah das anders: „Die Zeiten, um mit der Faust auf den Tisch zu hauen, sind vorbei.“

Deutliche Worte der Berufskollegen

Ein Landwirt fühlte sich sogar aktuell der „Demokratie beraubt“. Er bezweifelte auch, dass man allein mit Reden weiterkomme. Manche scheuten auch nicht vor rustikalen verbalen Formulierungen zurück, sprachen von „Trauerspiel“, „Gelaber“, „Schuld“ und „Versagen“. Der Eindruck einiger: Wenn die Demos nicht gewesen wären, säße man heute nicht hier.

Klar, dass Johannes Röring, aber auch seine Parteifreunde auf Landes- oder Kommunalebene das nicht stehen lassen wollten. So übte sich Landtagsabgeordneter Willi Korth zwar auch in Selbstkritik („Wir haben zu wenig den Mund aufgemacht und zu viel mit uns machen lassen.“), plädierte aber für die CDU als einzige Partei, die Interessen der Landwirte vertrete.

Allerdings sah er, wie auch Johannes Röring, die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen Landwirts und forderte dazu auf, sich verantwortlich mit einzubringen. Und auch darin waren sich beide einig: Schützengräben aufzumachen, sei der gemeinsamen Sache überhaupt nicht dienlich: „Es geht nur miteinander.“ Johannes Röring gab die Kritik sogar in den Saal zurück: „Ich habe noch keinen Vorschlag gehört, wie es besser werden könnte.“

Aktuelle Brennpunkte der Landwirtschaft

Und natürlich ging es auch um die aktuellen Brennpunkte der Landwirtschaft: Mercosur-Abkommen, Düngeverordnung, Insekten-, Gewässerschutz, Klimaschutz, Tierhaltung. Beklagt wurde unisono das schlechte Image der Landwirte, das Auseinanderdriften von Wunsch und Wirklichkeit, dass sich viele Bürger zwar mehr Tierwohl und Klimaschutz wünschten, dafür aber nicht bezahlen wollten.

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Außerdem werde gar nicht wahrgenommen, dass die Bauern durch Humuseinlagerung eigentlich für die größte CO2-Bindung sorge. Deutliche Zweifel gab es – auch von Johannes Röring – an wissenschaftlichen „Erkenntnissen“: „Welchem Wissenschaftler soll man glauben?“. Gleichzeitig zweifelte man das Verfahren und das Messstellen-Netz bei der Untersuchung der Wasserbelastung an und so mancher glaubte in einer immer grüneren Politik (selbst in Bayern) die eigentliche Ursache für die jetzige Schieflage der Landwirtschaft.

Veränderte Haltung der Gesellschaft

Eine Einschätzung, die der Präsident nicht in allen Punkten teilte und auf eine veränderte Haltung der Gesellschaft hinwies. Und: „Die belasteten Proben haben auch etwas mit der Landwirtschaft zu tun. Wir können nicht sagen, dass nicht.“ Eine mögliche Halbierung der Tierzahlen im Norden wertete er aber als „Kampfansage“. Die Nachfrage einer Nichtlandwirtin kommentierte er so: „Die Tiere hier bei uns werden gut behandelt, ob 10 oder 100 Tiere, das hat nichts mit der Größe zu tun.“

Außerdem sei vieles, auch auf seine Initiative hin, in Bewegung, bei Mercosur-, aber auch Insektenschutz noch nicht das letzte Wort gefallen. Positive Ansätze sah er bei einer möglichen Mehrwertsteuer auf Fleisch und auch neuen technischen Möglichkeiten.

Am Schluss dankte CDU-Kreisgeschäftsführer Markus Jansing Johannes Röring, dass er sich gestellt habe, auch den kritischen Fragen. Und der nahm trotz alledem die „Veranstaltung als Rückendeckung“ mit nach Berlin, um dort noch mehr Dampf zu machen.

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