Lückenschluss hoch fünf

Projekt an der Wessumer Straße

Ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1978 lässt an der Wessumer Straße Gebäude mit bis zu sechs Geschossen zu. Das überraschte auch die Verwaltung.

AHAUS

, 26.09.2017, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lückenschluss hoch fünf

In diese Baulücke an der Wessumer Straße soll ein fünfgeschossiges Gebäude gesetzt werden.

In Ahaus war in den 70er-Jahren baulich so einiges möglich. Von Wolkenkratzern träumten die Stadtverwaltung und die Ratsmitglieder nicht, aber deutlich in die Höhe sollte es schon gehen. Ein damals beschlossener Bebauungsplan sorgte am Montagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Verkehr für Reaktionen zwischen Verwunderung und Unverständnis.

Der gültige Bebauungsplan aus dem Jahre 1978 ist die Grundlage für einen Bauantrag, auf dem Grundstück an der Wessumer Straße 6 ein Wohn- und Geschäftshaus zu bauen. Das Areal wird derzeit als Parkplatz und Grünfläche genutzt und ist 836 Quadratmeter groß. Der Knackpunkt: der Neubau ist fünfgeschossig mit einer Höhe von 16,08 Metern geplant. „Möglich wäre an dieser Stelle sogar ein sechsgeschossiger Bau“, erklärte Michael Rörick vom Fachbereich Bauordnung. Im Erdgeschoss sind 66 Quadratmeter für ein Gewerbe vorgesehen, weitere 13 Wohnungen sind zwischen 60 und 90 Quadratmeter groß. Eine Wohnung im obersten Geschoss weist laut Plan eine Größe von 240 Quadratmetern auf. Auf dem Grundstück sind 22 Stellplätze vorgesehen.

„Ein fünfgeschossiger Neubau und daneben dreieinhalbgeschossige Gebäude, das ist ein Bruch und gestalterisch misslungen“, blickte Hubert Kersting (UWG) auf die schon vorhandene Bebauung. Dazu Beigeordneter Georg Beckmann: „Den Bruch habe ich so oder so, es wäre auch ein sechsgeschossiger Bau möglich.“

„Städtebaulich sinnvoll“

Die Fläche schreie nach einem Lückenschluss, sprach Thomas Vortkamp (CDU) städtebauliche Aspekte an. Ob der vorgelegte Plan gut sei oder nicht, wolle er nicht bewerten, das sei Geschmackssache. „Er ist aber städtebaulich sinnvoll.“ Ludwig Nie-stegge (SPD) hatte sich seine Meinung über den Entwurf schon gebildet: „Nicht sehr gelungen. Das ist ein Geschoss zu hoch.“ Niestegge wollte zudem wissen, ob es in Ahaus noch eine Reihe weiterer solch alter Bebauungspläne gebe. „Ich bin überrascht, was hier möglich ist.“ Das sei die Verwaltung auch gewesen, erklärte Walter Fleige vom Fachbereich Stadtplanung. „Vielleicht hat man damals zu voreilig etwas genehmigt. Vielleicht ist man damals etwas zu sorglos an der ein oder anderen Stelle den Wünschen der Eigentümer nachgekommen.“ Sechs Geschosse in der Ahauser Innenstadt seien selbst in den 70ern „gewagt“ gewesen.

„Wir werden die Anregungen zum Anlass nehmen, um nochmal mit dem Planer und dem Investor zu sprechen“, sagte Georg Beckmann. „Das ist ein typisches Projekt, bei dem man den Gestaltungsbeirat hätte beteiligen können. Wenn man denn schon einen hätte“, beendete Reinhard Horst (FDP) die Diskussion.

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