Millionen fließen in Ölsanierung

Unglück im Amtsvenn

Drei Jahre ist das Ölunglück an einer Kaverne der in Graes ansässigen Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen (SGW) jetzt her. Im April 2014 erhielt Werkleiter Martin Hart den Anruf eines Landwirtes, den er seinen Lebtag nicht mehr vergessen wird. "Bauer Sundermann sagte mir am Telefon: ,Ich glaube, meine Kühe trinken Öl.'"

GRAES/EPE

, 03.05.2017, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damals war es in 217 Metern Tiefe zu einer Leckage an einem Rohr gekommen. Bis heute sind 53.000 Liter Öl aus dem Boden geholt und 22.500 Tonnen kontaminiertes Bodenmaterial abgefahren worden.

Die SGW erstattete den Behörden damals täglich Report, später wöchentlich, zuletzt monatlich: In dieser Woche ging der 130. und voraussichtlich letzte Bericht der SWG zum Ölschaden heraus. "Das öffentliche Interesse daran hat sich etwas gelegt", sagt Martin Hart, der auch einer von drei SGW-Geschäftsführern ist. "Baustellentourismus", sagt SGW-Umweltingenieur Niels Kruthoff, wenn er an die Zeit vor drei Jahren denkt. Vor den anstehenden Kommunalwahlen im Mai 2014 sei das Interesse groß gewesen.

Umrüstung kommt voran

"Im ersten Bus saßen die Politiker, im zweiten Bus die Medienvertreter. Und dann wurde durchs Venn gefahren." Nach und nach nahm das Interesse jedoch ab. "Es lebt aber jeweils zum Jahrestag auf", erklärt Martin Hart. "Dann wollen alle wissen, wie weit wir mit der Sanierung der belasteten Flächen und dem Umbau der Ölkavernen sind." Die Umrüstung kommt wie geplant voran, antwortet Martin Hart den Fragestellern. Bis Ende 2017 werden die vier für die Ölspeicherung vorgesehenen Kavernen einsatzbereit sein. Um künftig einen Ölaustritt zu verhindern, wird an den Zuleitungen zu den Kavernen jeweils eine Doppelverrohrung eingebaut.

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Die SGW investiert in die Umrüstung, Bodensanierung und Rekultivierung einen zweistelligen Millionenbetrag. Allein die neue Rohrtechnik kostet je Kaverne etwa zweieinhalb Millionen Euro. 2018 sollen alle Anlagen betriebsbereit sein. Ab dem kommenden Jahr kümmert sich die SWG komplett um die Ölspeicherung im Amtsvenn. Ende 2017 läuft der Vertrag für die Lagerung des Öls mit BP aus. Martin Hart: "Der Ölkonzern ist bei der Öllagerung in Epe künftig raus. Wir haben einen neuen Vertrag direkt mit dem Energiebevorratungsverband geschlossen."

Nationale Energiereserve

Das im Amtsvenn gelagerte Öl ist Teil der nationalen Energiereserve. Sollte ein Krisenfall ausgerufen werden, müssen die vier Ölkavernen innerhalb von 150 Tagen geleert werden können. Die Förderleistung stellen zusätzliche Hochdruckpumpen sicher. Die größte Kaverne fasst knapp eine Million Kubikmeter Öl. Die Kaverne ist gut 250 Meter hoch und 100 Meter breit. Martin Hart zu den Dimensionen: "Der Kölner Dom würde hineinpassen."

Unterirdisch wird an der Verrohrung gearbeitet, oberirdisch muss sich die Natur noch immer erholen. Die Hofstelle von Bauer Sundermann ist verlassen. Die SWG wird die Hallen nutzen und mit ihrer Forstbetriebsgemeinschaft einziehen. Das Wohnhaus soll abgerissen werden.