Millionenteure Mensa am AHG: Politiker üben heftige Kritik am Vorgehen der Verwaltung

rnAlexander-Hegius-Gymnasium

Monatelang tagte eine Arbeitsgruppe, heraus kamen Pläne für einen 4,46 Millionen Euro teuren Mensa-Neubau am Alexander-Hegius-Gymnasium. Lokalpolitiker fühlen sich von den Plänen überrollt.

Ahaus

, 01.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Dass das Alexander-Hegius-Gymnasium eine neue Mensa braucht, dieses Vorhaben stand am Mittwochabend außer Frage.

Doch der Weg dorthin wurde von Mitgliedern des Schulausschusses und des Ausschusses für Stadtentwicklung in der gemeinsamen Sitzung mehr als deutlich kritisiert. Sie warfen der Verwaltung vor, die Lokalpolitik über Monate nicht über Neubau-Pläne informiert zu haben.

Zweigeschossiger Neubau

Die Verwaltung präsentierte am Mittwoch gemeinsam mit dem Architekturbüro Tenhündfeld aus Wessum Pläne für den zweigeschossigen Neubau einer Mensa auf dem Gelände des an die Schule angrenzenden Josef-Cardijn-Hauses. Dieser Neubau mit einer Nutzfläche von etwa 1400 Quadratmetern würde gut 4,46 Millionen Euro kosten.

Beigeordneter Werner Leuker erklärte, dass die Schulgremien frühzeitig in die Planungen eingebunden worden seien. „Am Ende keine Planung ohne die Nutzer“, sagte Leuker. Die provisorische Mensa in der Aula des Gymnasiums sei alles andere als optimal.

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Als Ziel der Planungen nannte Werner Leuker den Bau einer Mensa auf dem Grundstück des von der Stadt gekauften Josef-Cardijn-Hauses. So könne die Verpflegung für Lehrer und Schüler des Gymnasiums und der in der Nähe liegenden Anne-Frank-Realschule sichergestellt werden.

„Ein Mensa-Umbau im Josef-Cardijn-Haus ist nicht möglich“, erklärte Leuker. Dafür stehe zu wenig Fläche zur Verfügung. Gerechnet werde beim Mensa-Betrieb mit Daten der Schulentwicklungsplanung und einem Platzbedarf von zwei Quadratmetern je Schüler.

Kein Abriss geplant

Der Abriss des Josef-Cardijn-Hauses und ein Neubau seien wirtschaftlich nicht darstellbar, eine Mensa im Alexander-Hegius-Gymnasium sei ohne größeren baulichen Aufwand nicht umsetzbar.

Die Verwaltung schlage deshalb im ersten Bauabschnitt einen Anbau an das Josef-Cardijn-Haus (JCH) vor, in einem zweiten Bauabschnitt könne das JCH umgebaut werden.

Architekt Christian Tenhündfeld stellte die Neubaupläne vor, die das Ergebnis einer fast einjährigen Planung und der Gespräche einer im Monatsrhythmus tagenden Arbeitsgruppe sind.

Millionenteure Mensa am AHG: Politiker üben heftige Kritik am Vorgehen der Verwaltung

Die Grafik zeigt, wie die Mensa am Alexander-Hegius-Gymnasium von innen aussehen könnte. © Tenhündfeld Architekten GmbH

Die zweigeschossige Mensa bietet künftig bis zu 460 Sitzplätze. Der Neubau ist multifunktional und barrierefrei. Das Gebäude sei als Begegnungs- und Kommunikationszentrum geplant und könne vor und nach dem Unterricht genutzt werden. „Zum Beispiel von 7 bis 17 Uhr“, erklärte Christian Tenhündfeld.

Im Untergeschoss sind Technikräume und Umkleiden für Mitarbeiter vorgesehen. Im Erdgeschoss ist im ersten Bauabschnitt unter anderem Platz für den Speisebereich, im Obergeschoss könnte ein Bistro und eine Lounge entstehen, auch für Selbstversorger wäre dort Platz.

Ein Jahr Bauzeit

Die Ausschreibung und Vergabe der Leistungen würden 26 Wochen in Anspruch nehmen, steckte der Architekt den zeitlichen Rahmen ab. Vier Wochen seien für vorbereitende Maßnahmen einzuplanen, der Bau selbst würde ein Jahr in Anspruch nehmen. „Im Optimalfall ist die Mensa im Sommer 2021 fertig“, sagte Christian Tenhündfeld.

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Thomas Vortkamp (CDU) sprach von einem für die Politik nicht alltäglichen Projekt. „Ich bedauere, dass die Politik, was den Endspurt der Planung anging, komplett ausgelassen wurde.“ Man dürfe sich von einer noch so detaillierten Planung nicht blenden lassen, es seien viele Fragen offen.

So könne er sich zum Beispiel nicht daran erinnern, dass Pläne für einen Neubau in Angriff genommen werden sollten. Die Verwaltung hatte vor über einem Jahr von „Umbauplänen am Josef-Cardijn-Haus“ gesprochen.

Politiker kritisieren die Verwaltung

„Wir sind über Neubau-Planungen nicht informiert werden“, pflichtete Christian Rudde (CDU) seinem Parteikollegen bei. „Ich weiß ja nicht einmal, wer in der entsprechenden Arbeitsgruppe gesessen hat.“

Die Vorlage zur Sitzung habe ihn überrascht, sagte Rudde. „Ich wusste nicht, dass seit einem Jahr geplant wird.“ Es werde über einen mittleren siebenstelligen Betrag geredet. „Da hätte ich ein bisschen mehr als zwei Seiten Bauausschuss-Vorlage erwartet“, sagte Rudde in Richtung Verwaltung. Zudem fehle ihm eine Alternative, ob nicht auch günstiger gebaut werden könne. „Wenn ja, wo sind die Zahlen?“

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Andreas Beckers (UWG) sprach auf der einen Seite davon, dass es längst überfällig sei, dass das „Stiefkind der Ahauser Schullandschaft“ bedacht werde. Auf der anderen Seite sei es schlecht, dass es keinen Architektenwettbewerb gegeben habe und nur ein Konzept vorgestellt werde.

Zu keiner Zeit ein Bericht

Norbert Rose, Fachbereichsleiter Immobilienwirtschaft, erklärte, dass es für die Erweiterung des Josef-Cardijn-Hauses ein Architektenauswahlverfahren gegeben habe.

Beigeordneter Werner Leuker verwahrte sich dagegen, „dass wir niemanden aus der politischen Landschaft informiert hätten. Wir hatten das Thema Schulentwicklung und Schulbau in fast jedem interfraktionellen Gespräch. Wir haben uns wirklich bemüht, Sie zu informieren. Auch wenn wir keine Ergebnisse mitteilen konnten.“

Dr. Michael Räckers (CDU) hingegen sagte, dass es im Schulausschuss zu keiner Zeit einen Bericht gegeben habe, in welche Richtung die Planungen gehen würden, ob nun ein Neu- oder ein Umbau geplant sei.

Verantwortung für Steuergelder

Thomas Vortkamp mahnte, dass aktuell über den Bedarf hinaus geplant werde. „Wir haben Verantwortung für Steuergelder. Wir haben das Josef-Cardijn-Haus gekauft, wir müssen noch über die Schulhofgestaltung und mehr reden. Da liegen wir bei sieben bis acht Millionen Euro für das ganze Vorhaben.“

Vortkamp erinnerte an anstehende Millionen-Projekte bei der Feuerwehr, an den geplanten Neubau einer Turnhalle in Wüllen und an den geplanten Grundstückskauf in zweistelliger Millionenhöhe. Einsparpotenziale beim Mensa-Neubau seien nicht vorgestellt worden. „Das ist hier heute Kaffeesatzleserei.“

„Die Schule leidet unter dem Provisorium“

Bürgermeisterin Karola Voß sprach von einer Chance, am Alexander-Hegius-Gymnasium eine wesentlich bessere Situation darzustellen. Ziel sei eine attraktive Mensa, die von Schülern genutzt werde. „Ich habe geschluckt, als ich die Zahlen gesehen habe“, sagte die Bürgermeisterin über die Investitionssumme.

„Ich bin seit zehn Schulleiter“, meldete sich AHG-Schulleiter Michael Hilbk zu Wort. „Ich bin jetzt am dritten Mensa-Projekt beteiligt. Die Schule leidet unter dem Provisorium.“

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So sah es auch Dietmar Brüning (SPD), der sich vom Konzept überzeugt zeigte. „Es wird Zeit für eine vernünftige Anlage am AHG, das ist eines Gymnasiums würdig.“

Dass es Zeit wird, sahen auch beide Ausschüsse so – allerdings wollten beide Gremien nicht schon am Mittwochabend über einen Mensa-Neubau entscheiden.

Das Thema wurde vertagt, das Architekturbüro Tenhündfeld wird verschiedene Neubau-Varianten erarbeiten und deren Kosten vorstellen. Bürgermeisterin Karola Voß sicherte zu, dass die Verwaltung innerhalb der nächsten vier Wochen die Fraktionen einladen und Fragen zum Mensa-Projekt beantworten werde.

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