Mit dem Teufel im Bunde

Ahauser Hexenprozesse

Ein übles Pflaster muss Ahaus früher gewesen sein. Wie schlimm, das zeigt aktuell die Ausstellung "Ketzer, Hexen und Inquisition". Die Ausstellungsmacher Melanie Schwarthoff, Rick Achteresch und Dr. Jörg Stange haben erzählt, was sie an dem Thema fasziniert. "Und das hat nichts mit unseren roten Haaren zu tun", sagen Schwarthoff und Achteresch.

AHAUS

, 10.07.2017, 18:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die beiden sind Studierende am Driland Kolleg an den Standorten in Ahaus und Gronau. Ihr Geschichtslehrer Dr. Jörg Stange behandelte zu Beginn des Wintersemesters 2016/17 das Thema "Mittelalter und frühe Neuzeit". Schwarthoff: "Wir haben ihn ein bisschen in die Richtung gelenkt, weil uns das Thema Hexen und Inquisition interessiert hat." Achteresch: "Mich schon von klein auf." Stange kam die Idee zu einem Projektkurs für die Abiturphase. "Im Unterricht kann man das Thema gar nicht so tiefschürfend behandeln."

Recherche in Archiven

Wie haben die Leute damals gedacht? Warum wurden für alles Unglück Menschen verantwortlich gemacht? Darum sollte es gehen. Schwarthoff (36) und Achteresch (24) senkten ihre Köpfe über Bücher in mehreren Archiven. "Beim Kreis Steinfurt wurden wir gleich fündig. Es gibt dort einen sehr gut dokumentierten Fall über die vermeintliche Hexe Hille Blomers in Ahaus. Wir waren uns sicher, Blomers war nicht der einzige Fall hier."

Mit ihrem Spürsinn lagen sie richtig. 1608/09 gab es einen Hexenprozess gegen die "Schwartesche". Der Frau wurde vorgeworfen, in Ahaus Schadenzauber zu betreiben. Jörg Stange: "Das war im landwirtschaftlich orientierten Münsterland die Denunziation überhaupt. Die Frau soll mit dem Teufel im Bunde gewesen sein und Schaden an Natur, Tier und Mensch vollzogen haben." Das Besondere an diesem Fall: Die "Schwartesche" gestand die ihr zur Last gelegten Zaubereiverbrechen nicht. Wahrscheinlich ist, dass die Frau sich der "peinlichen Befragung" unterziehen musste. "Trotz Folter blieb sie standhaft." Welche Torturen damit verbunden waren, auch darüber gibt die Ausstellung Auskunft. Im Januar 1609 starb die "Schwartesche" im Kerker der Burg in Ahaus. Den Aufzeichnungen ist zu entnehmen, dass "ein böser Engel der ungeständigen Hexe den Hals gebrochen" habe.

Schwarthoff und Achteresch glauben, dass es in Ahaus noch mindestens einen dritten Hexenprozess gebeben hat. "Aber es dauert, die Dokumente im Landesarchiv in Münster zu sichten. 90 Seiten in alter Schrift übersetzt man nicht mal eben in zehn Minuten." Schwarthoff, Achteresch und Stange wollen aber am Ball bleiben: "Wir arbeiten weiter." Auch übers Schuljahr hinaus.

Bestnote vergeben

Gelohnt hat sich das Projekt schon jetzt. Die Studierenden erhielten von ihrem Lehrer die Bestnote. Pädagoge Jörg Stange: "Wir saßen teilweise bis 22 Uhr abends zusammen und haben das Material ausgewertet. Meine Kollegen mahnten schon meine Fürsorgepflicht an." Das Ergebnis der Arbeit sind 33 großformatige Tafeln mit Fotos und Texten. Hinzu kommen Originalquellen wie Bücher aus dem 17. Jahrhundert oder ein "Hexen-Schulungsbrief" der NSDAP aus dem Jahr 1937. Voraussichtlich ab Dezember ist die Ausstellung in Ahaus zu sehen.

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