Michael Genn (rechts im gelben T-Shirt) und seine Mitstreiter in der Lagerhalle in Ahaus. © Nils Dietrich
Flutkatastrophe

Mit Video: Hilfsbereitschaft der Ahauser nach Flut-Katastrophe ist „Wahnsinn“

Von der Schippe bis zur Schubkarre: Michael Genn und seine Mitstreiter organisieren Hilfstransporte in die Hochwassergebiete - mit den Dingen, die die Menschen am dringendsten benötigen.

„Das ist Wahnsinn“, staunt Michael Genn ungläubig. Immer wieder fahren Autos an der Lagerhalle vor und bringen Hilfsgüter vorbei. „Da muss mich einer kneifen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten.“ Zusammen mit einigen Mitstreitern organisiert der 56-Jährige von einem Hinterhof an der Schorlemer Straße aus Hilfslieferungen in die Katastrophengebiete.

Michael Genn ist in Sinzig aufgewachsen, Familie und Verwandtschaft leben dort. „In der Straße, in der ich aufgewachsen bin, direkt gegenüber sind Menschen gestorben“, berichtet er. Die Hilfe für die alte Heimat im Norden von Rheinland-Pfalz ist eine Herzensangelegenheit für ihn.

Überwältigende Hilfsbereitschaft in Ahaus

Noch bevor die ersten Bilder der Katastrophe über die heimischen Bildschirme flimmerten, fasste der Wahl-Ahauser den Entschluss zu helfen: „Da macht man sich seine Gedanken, wenn man das alles hört.“ Eine Bekannte rief schließlich über Facebook zu Spenden auf, Freunde, Bekannte, hiesige Unternehmer und Vereine sicherten ihre Unterstützung zu.

„Es ist unvorstellbar, was wir hier für eine Hilfsbereitschaft haben“, kommt Michael Genn aus dem Staunen nicht heraus. „Der Heimatverein hat alle Schaufeln in Ahaus weggekauft.“ Samstag wurden 6000 Windeln geliefert. Selbst aus den Niederlanden kommt Hilfe, die Autos vor der Lagerhalle haben nicht nur schwarz-weiße Kennzeichen.

Wichtig ist Michael Genn, dass sich die Hilfe an den Bedürfnissen vor Ort orientiert: „Wir haben hier nur das, was jetzt gebraucht wird. Wir hätten auch einen Lkw mit Klamotten vollmachen können.“ Aber die Bedarfe seien andere: Wer sich in der Lagerhalle umschaut, findet Schaufeln, Schubkarren, Gummistiefel, Wasser, Generatoren, Lebensmittel und Besen.

Die Lieferung nach Dernau und Bad Bodendorf, einem Stadtteil von Sinzig, ist mit den jeweiligen Ansprechpartnern vor Ort abgestimmt. Hier halfen Michael Genn die Verbindungen in die Region: „Mit dem Ortsvorsteher stehen wir in Kontakt, insofern der gerade im Empfang hat“, erzählt er. Das ist ja nicht selbstverständlich in der Situation.

Geleitschutz von der Polizei

Die Hilfe kommt von allen Seiten. So stellt die SpVgg Vreden ihren Transporter zur Verfügung, der Vorstand bezahlt den Sprit. Der Gabelstapler zum Beladen war flugs organisiert, doch das Gefährt nicht für die Straße zugelassen. Kein Problem, die Ahauser Polizei gab – quasi auf dem kleinen Dienstweg – Geleitschutz.

Am Mittwochmorgen soll es losgehen mit dem Transport. Sollte ein weiterer benötigt werden – Michael Genn und seine Mitstreiter stehen bereit.