Wer kommt am späten Nachmittag schneller durch Ahaus? Stephan Rape mit dem Fahrrad oder Sascha Keirat mit dem E-Smart? © Nils Dietrich
Vergleichstest

Mit Video: Wer ist in Ahaus schneller? Auto oder Fahrrad?

Wer kommt an einem Nachmittag schneller einmal quer durch Ahaus? Unser Redaktionsauto oder ein nicht ganz untrainierter Fahrradfahrer? Ein ganz knappes Rennen.

Auf kurzen Strecken soll das Fahrrad schneller sein als das Auto. Das sagen der ADFC, diverse Umweltschutzorganisationen und auch Verkehrsplaner. Die magische Grenze liegt irgendwo um die fünf Kilometer. Im dichten Stadtverkehr etwas darüber.

Mit dem Radverkehrskonzept wird in Ahaus gerade viel für den Radverkehr getan. Also genau der richtige Zeitpunkt, um einmal auszuprobieren, wie das denn in Ahaus aussieht. Oberste Regel: Alle Verkehrsregeln werden eingehalten. Logisch.

Ich verabrede mich mit meinem Kollegen Sascha Keirat für einen kurzen Test. Von der Heeker Straße wollen wir zum Aquahaus. Auf dem Papier beziehungsweise dem Routenplaner im Internet eine Strecke von knapp vier Kilometern. Müsste also eigentlich kein Problem sein.

Kein leichtes Rennen am frühen Nachmittag

Doch schon vor dem Start ist mir klar, dass das nicht leicht wird: Auf den langen Geraden Heeker Straße und Vredener Dyk kann mein Kollege bequem Gas geben. So viele Ampeln gibt es auf unserer Strecke nicht und auch der Verkehr ist am Nachmittag noch nicht so dicht wie in der Rushhour.

Gegen Tempo 50 komme ich beim besten Willen nicht an. Aber ich gebe mich so früh noch nicht geschlagen und trete direkt vom Start an kräftig in die Pedale.

Und habe Glück: Wegen einer Fahrzeugkolonne schafft Sascha Keirat es nicht, sich zügig einzuordnen. Ich gewinne schnell einen ordentlichen Vorsprung. Doch das Glück verlässt mich umso schneller wieder: Die Ampel an der Kreuzung Bahnhofstraße/Fuistingstraße zeigt rot, als ich ankomme. Sascha kann im Auto also wieder aufschließen. Und so überholt er mich kurz hinter der Ampel. Ich sehe nur noch seine Rücklichter.

Auf der Bahnhofstraße werfe ich einen Blick auf meinen Tacho: 33 km/h. Für ein Fahrrad ohne E-Motor und noch dazu mit ziemlich dicken Reifen finde ich das ganz ordentlich. Was ich kaum bemerke: Der Untergrund ist ziemlich uneben. So uneben, dass die Kamera meines Smartphones, das ich am Lenker befestigt habe, später kein einziges brauchbares Bild abliefert. Klar, ein komfortabler Radweg wäre breiter und ebener. Aber das stört mich nicht. Ist eben ein ganz normaler Fahrradweg.

Geisterradlerin kostet wertvolle Sekunden

An der Fußgängerampel am Marienplatz wird es kurz eng: Eine Radfahrerin kommt mir auf der falschen Seite entgegen. Weil gerade einige Leute auf den Bus warten, kann sie nicht auf dem Gehweg weiterfahren und weicht erst im letzten Moment aus. Ich muss bremsen. Wieder gehen mir wertvolle Sekunden verloren. Doch die hole ich wieder heraus. Der Entschluss steht.

Ich biege rechts in die Kreuzstraße ab. So spare ich mir den Verkehr am Kreisverkehr Wessumer Straße/Wüllener Straße, der Sascha im Auto hoffentlich einen Moment einbremst. Und tatsächlich: Als ich wieder rechts in die Wessumer Straße abbiege, kommt er hinter mir gerade erst aus dem Kreisverkehr. Doch die Freude ist nur von sehr kurzer Dauer: Ich biege links in die Arnoldstraße ab und er schafft es in der gleichen Ampelphase. Ich muss ihn wieder an mir vorbeifahren lassen.

Die Vorentscheidung fällt am Adenauerring

Erst an der Ampel am Adenauerring hole ich ihn wieder ein. Jetzt ist es praktisch unmöglich, noch Erster zu werden. Bis zum Aquahaus geht es nur noch geradeaus. Als es grün wird, schaffe ich es zwar noch, vor ihm die Kreuzung zu überqueren, dann hat er mich aber wieder und zieht davon.

Ich kann es aber immer noch schaffen, zumindest fast gleichzeitig mit ihm anzukommen. Also Endspurt. Das klappt bis zur Ampel am Finanzamt auch ganz gut. Denn die ist für mich wieder rot. Der Kollege im Auto ist gerade noch bei dunkelgelb rübergekommen. Kann man nichts machen. Einige Minuten vergehen, bis ich wieder losfahren kann.

Ziemlich außer Puste biege ich schließlich an der Hockeyhalle nach rechts zum Freizeitgelände Ork ab. Noch ein paar Meter Radweg, dann treffe auch ich am Aquahaus ein. „Wo bleibst du denn?“, ruft er mir entgegen. Ich meine, dass da ein bisschen Schadenfreude mitschwingt.

Fazit: Das Auto ist minimal schneller als das Rad

Fazit: Das Auto ist zu dieser Uhrzeit in Ahaus tatsächlich einen minimalen Hauch schneller als das Fahrrad. Ich habe das kleine Rennen verloren. Mit einer Menge „Aber“ , „Trotzdem“ und „Wobei“ könnte ich jetzt versuchen, das kleinzureden: Klar, der Verkehr hätte dichter sein und ich hätte eine grüne Welle erwischen können. Bei einer anderen Route hätte das alles ganz anders ausgesehen und natürlich war meine Fahrt gesünder und umweltschonender. Und selbstverständlich sollte man für kurze Fahrten in einer Stadt wie Ahaus in jedem Fall das Rad und nicht das Auto nehmen. Doch ehrlich gesagt fehlt mir dafür gerade die Puste.

Für Radfahrer sieht es in Ahaus nicht schlecht aus. Wenn nun die eine oder andere Engstelle noch beseitigt und die geplanten Velorouten umgesetzt und ausgebaut werden, könnten noch mehr Ahauser den Wagen stehen lassen und aufs Rad umsteigen. Auch abseits der Freizeit.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape