Augenarzt Jan Greijdanus und dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl arbeiten in dem grenzüberschreitenden Projekt zusammen. © privat
Facharztversorgung

Modellprojekt „Euregionale Buurtkliniek“: Von den Niederländern lernen

Die deutsch-niederländische Gesundheitsversorgung rückt weiter zusammen: Die Augenklinik Ahaus startet deutsch-niederländisches Modellprojekt „Euregionale Buurtkliniek“ – gefördert von der EU.

Was 2018 mit einer guten Idee begann, wurde im vergangenen Monat dank der Zusammenarbeit dreier unterschiedlicher Fachdisziplinen in die Tat umgesetzt, wie die Augenklinik Ahaus mitteilt: Das grenzüberschreitende Modellprojekt „Euregionale Buurtkliniek“ ist an den Start gegangen.

Ziel des Projekts ist es, die unterschiedlichen Ebenen in der Patientenversorgung derart miteinander zu verzahnen, dass der Patient die Versorgung erhält, die er benötigt, ohne dabei die begrenzten Kapazitäten des Gesundheitssystems unnötig zu belasten. In den Niederlanden wird zwischen mehreren Versorgungsebenen unterschieden – darum geht es nun auch in dem Projekt.

Haus- und fachärztliche Versorgung sicherstellen

Das Projektkonzept basiert auf der Entwicklung von Synergien und beinhaltet die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Versorgung im niederländischen Denekamp (nahe der Grenze zu Nordhorn) sowie der umliegenden Region.

Mit an Bord sind, neben der Augenklinik Ahaus, vertreten durch dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl, auch die Huisartsenpraktijk De Verdieping in Denekamp, vertreten durch Dr. Gerard Koekkoek, sowie das Oogzorg Centrum Twente (OZCT), vertreten durch die Optometristen Robert van der Moolen und Ruud de Koning.

In den Niederlanden gehen Patienten nicht direkt zum Facharzt

Anders als in Deutschland, wo sich ein Patient mit Augenbeschwerden in der Regel direkt zum Facharzt begibt, gibt es in den Niederlanden eine „Zwischenebene“ zwischen dem Hausarzt und dem Facharzt, und zwar die Optometristen. Sie fungieren als eine Art zusätzlicher Gatekeeper, indem sie vorab die Patienten untersuchen und innerhalb ihres Kompetenzbereiches entscheiden, welche weiteren Schritte eingeleitet werden müssen.

So konnte im Rahmen des Projekts bereits gezeigt werden, dass rund 80 Prozent der Patienten, die zunächst zum Optometristen überwiesen wurden, keine weitere Abklärung durch einen Augenarzt benötigten (etwa bei Brillenanpassung oder trockenen Augen).

„Gerade bei einer zunehmenden Patientendichte ist dieses stufenweise Herangehen von großem Vorteil“, so die Augenklinik. Terminkapazitäten bei den Fachärzten würden geschont, sodass notwendige Facharzttermine wieder zeitnah verfügbar sind.

Zukunftsweisend auch für Deutschland

„Wir halten dieses Projekt auch für Deutschland zukunftsweisend, denn nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Deutschland werden wir uns ernsthaft überlegen müssen, durch welche strukturellen Veränderungen wir unser jetziges Versorgungssystem dauerhaft tragfähig halten können“, so dr. med. (Univ. Bud.) Matthias Gerl, Leiter des Praxis- und Klinikverbunds Augenärzte Gerl & Kollegen.

Seit Juni 2021 können niederländische Patienten und Patientinnen nun also auch in die Sprechstunde von Augenarzt Jan Greijdanus nach Denekamp kommen. Greijdanus, der schon seit mehreren Jahren die niederländische Sprechstunde in Ahaus durchführt, freut sich, dass er einen Teil seiner Patienten und Patientinnen nun auch in den Niederlanden behandeln kann und damit die deutsch-niederländische Gesundheitsversorgung ein Stück weiter zusammenwächst.

Erfreut waren die beteiligten Akteure auch über den zusätzlichen Rückenwind, den das Projekt über eine EU-Förderung erhielt, denn dank der Fördermittel konnten Untersuchungsgeräte und spezielle Lüftungsgeräte für den Operationsraum angeschafft werden, sodass die Voraussetzungen für die Inbetriebnahme der Untersuchungs- und Operationsräume schneller geschaffen werden konnten.

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