Mutter stiehlt Smartphones für ihre Kinder, kommt aber nochmal mit einer Geldstrafe davon

Amtsgericht Ahaus

Gleich viermal hat eine 45-jährige Wessumerin Smartphones aus Elektronikläden gestohlen. Damit wollte sie ihren Kindern „etwas Gutes tun“, wie sie als Angeklagte vor dem Amtsgericht angab.

Ahaus

, 10.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Am ganzen Körper zitternd und mit aufgeritzten Armen nahm die völlig aufgelöste Angeklagte Platz im Gerichtssaal des Amtsgerichts Ahaus. Dort verantworten musste sich die 45-jährige Wessumerin, weil sie gleich mehrfach teure Smartphones aus Elektronik-Läden in der Umgebung gestohlen hatte. Weil sie dabei auch einen Vertrag im Namen ihrer minderjährigen Tochter abgeschlossen hatte, stand sogar der Tatvorwurf des gewerbsmäßigen Betruges in der Anklageschrift des Staatsanwalts.

Innerhalb weniger Wochen des vergangenen Sommers hatte sie sich mehrmals in Elektronikläden teure Smartphones gegen Rechnung aushändigen lassen und das Geschäft dann ohne zu bezahlen verlassen: ein Samsung J3 und ein Huawei J7 für 364 Euro in Ahaus, eine Samsung Galaxy S8 für 665 Euro in Ochtrup, ein Samsung Galaxy S9 für 849 Euro erneut in Ahaus und zwei Samsung Galaxy S9 für 1431 Euro in Steinfurt. Eine lange Liste, die offenbar auch den Richter verwirrte, der von einem „Hyundai J7“ sprach.

Die Angeklagte selbst wollte sich zwar zur Sache äußern, war aber kaum dazu in der Lage. Auf die Vorwürfe antwortete sie so leise wimmernd, dass der Richter sie mehrmals ermahnte: „Sie müssen lauter sprechen. So kann Sie niemand verstehen.“ Und: „Jetzt setzen Sie sich doch mal richtig hin. Wenn Sie sich etwas zusammenreißen, würde das die Sache hier erleichtern.“ Doch viel leichter wurde es nicht. Denn während der gesamten Verhandlung hörte die Frau nicht auf zu weinen.

Kinder suchten aus, sollen aber von nichts gewusst haben

Dennoch gelang es dem Richter, ihr ein paar Worte zu entlocken. „Ich wollte den Kindern etwas Gutes tun“, erklärte sie ihre Taten, die sie vollumfänglich einräumte. Warum sie nicht bezahlt habe, konnte sie nicht erklären. „Weil sie nicht bezahlen wollten und konnten“, so der Richter.

Fünf Kinder hat die Wessumer Hausfrau, die nach eigenen Angaben monatlich über rund 1240 Euro aus Kindergeld und Kinder-Zuschlag verfügt. Mehrmals waren die Kinder zum Aussuchen der Handys dabei. Dass sie von dem Diebstahl gewusst hätten, bestritt die Angeklagte aber. Warum sie einen Vertrag im Namen ihrer Tochter abgeschlossen hatte, konnte sie sich nicht erklären. „Weil sie in dem Laden schon gesperrt waren“, entgegnete der Richter. Die Handys habe sie sofort an die Kinder verschenkt, so die Angeklagte. „Die sollten doch auch mal was Vernünftiges haben.“

Geld- statt Freiheitsstrafe

„Das ist kein gewerbsmäßiger Betrug, sondern ein gewöhnlicher Diebstahl“, stellte der Richter fest. Außerdem stellte sich heraus, dass die 45-Jährige wegen diverser psychiatrischer Erkrankungen, darunter Zwangsstörungen, und des „schädlichen Gebrauchs“ von Arzneimitteln in stationärer Behandlung war. „Da ist von erheblich verminderter Schuldfähigkeit auszugehen“, so der Richter.

Dennoch beantragte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung. Dies ging dem Richter deutlich zu weit. „Anders als die Staatsanwaltschaft sehe ich hier absolut nicht die Voraussetzung für eine Freiheitsstrafe“, sagte er und verhängte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro.

Schließlich sei die Frau geständig und deutlich von den Taten gezeichnet. Ebenfalls strafmildernd berücksichtigte er, dass die Wessumerin sich weder vor noch nach den Taten etwas zu Schulden kommen ließ. Zugleich redete er der 45-Jährigen ins Gewissen: „Wenn Sie hier auf Mitleid machen, nehme ich ihnen das nicht ab. Das waren schon dreiste Taten mit einem klaren Plan. Sie haben ja nicht für Dreifuffzig ne Wurst im Aldi geklaut.“

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