Nacktbilder von Gebliebten an deren Ehemann geschickt

Amtsgericht Ahaus

Ein 34-Jähriger schlägt seiner Ehefrau ins Gesicht, weil ihr Geliebter intime Nacktbilder von ihr verschickt. Der Fall landet vor dem Amtsgericht.

Ahaus

, 23.08.2018, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als ihm der Geliebte seiner Ehefrau plötzlich Nacktbilder von ihr per Smartphone schickte, brannten einem 34-Jährigen alle Sicherungen durch. Er stellte seine Frau zur Rede und schlug ihr dabei mit der flachen Hand ins Gesicht. Deswegen musste sich der in Ahaus lebende Mann am Dienstag vor dem Amtsgericht verantworten.

Dort räumte er den Schlag vorbehaltlos ein. Er erklärte über seine Anwältin auch, wie es dazu kam: Die Affäre seiner Frau sei ihm schon länger bekannt gewesen. Doch das Paar habe sich noch einmal zusammengerauft, wollte noch einmal ganz von Neuem beginnen. Auch wegen der drei gemeinsamen Kinder. Doch dann bekam der Mann die intimen Bilder seiner Frau zugeschickt.

„Hand ausgerutscht“

Die Anwältin des Mannes sprach in der Verhandlung mehrfach davon, dass ihrem Mandanten in der Situation schlicht die Hand ausgerutscht sei. „Auch wenn ich Gewalt in der Ehe oder gegen Frauen hier überhaupt nicht kleinreden will“, sagte sie. Die Ehefrau selbst machte vor Gericht keine Aussage gegen ihren Mann: „Nein, er ist mein Mann und Vater meiner Kinder.“ Die aus Syrien stammende Familie lebt inzwischen getrennt.

„Nach ihrem Ritus ist das Paar geschieden“, erklärte der Dolmetscher. Der Mann habe seine Frau wegen des Vorfalls verstoßen. Ein gemeinsames Kind lebt bereits beim Vater. Die beiden jüngeren Kinder sollen demnächst zu ihm ziehen. Die Frau lebt mit ihrem neuen Partner zusammen.

Einstellung keine Option

Der junge Staatsanwalt forderte nach längerer Vorbereitung seines Plädoyers 70 Tagessätze Geldstrafe. Die Verteidigerin fiel ihm daraufhin ins Wort und fragte ungläubig und schrill nach: „70?!“ Zuvor hatte sie in einer Diskussion mit Richter und Staatsanwalt noch um eine Einstellung des Verfahrens geworben. Man müsse auch den anderen Kulturkreis, aus dem das Paar stammt, und die dort besonders ehrverletzende Wirkung der Bilder berücksichtigen.

Der Richter beließ es schließlich bei 30 Tagessätzen. Eine Einstellung des Verfahrens kam für ihn jedoch nicht in Frage. „Egal wo, Schläge gehören sich in keiner Kultur“, erklärte der Richter. Strafmildernd hatte er dem 34-Jährigen jedoch angerechnet, dass der Mann die Tat gestanden hatte und nicht vorbestraft ist. Auch sei die geschilderte Situation insgesamt sicherlich eine emotionale Ausnahmesituation gewesen.

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