Dunkle Wolken über St. Mariä Himmelfahrt? Noch nicht. Die Planung für die neuen Pastoralen Räume wird in Ahaus gelassen entgegen genommen. Klar ist aber, dass sich in den nächsten Jahren noch viel in den gemeinden entwickeln muss und wird. © Stephan Rape
Pastorale Räume

Neun Kirchtürme in einem Raum: Was bedeutet die Planung für die Gemeinden?

Das Bistum Münster fasst mehrere Gemeinden in „Pastoralen Räumen“ zusammen. Von weiteren Fusionen ist zwar noch keine Rede, doch Pfarrer Stefan Jürgens spricht von reiner Mangelverwaltung.

Die katholischen Kirchengemeinden im Kreis Borken sollen enger zusammenrücken: Das Bistum Münster hat Pläne vorgestellt, nach denen es künftig sechs „Pastorale Räume“ geben soll. Weitere Gemeindefusionen solle es aber nicht geben – hatte Bischof Felix Genn zugesagt. Doch was bedeutet das vor Ort?

Einer dieser pastoralen Räume spannt sich von Alstätte bis Legden. Dazu gehören dann die Gemeinden St. Mariä Himmelfahrt Ahaus (dazu gehören St. Josef Ahaus und Graes), St. Mariä Himmelfahrt Alstätte und Ottenstein, St. Andreas und St. Martinus Wüllen und Wessum sowie die Gemeinde St. Brigida-St. Margareta in Legden und Asbeck. Also neun Kirchtürme in einer Einheit. Spätestens ab 2040 – wahrscheinlich aber eher – soll für diesen Raum ein Seelsorgeteam von maximal acht Personen zuständig sein.

Personelle Probleme sind der Hauptgrund für Veränderung

Hauptgrund für die Veränderungen sind personelle Probleme: Ein Blick in die Statistik des Bistums: Zwischen 2021 und 2040 geht die Zahl der Priester ungefähr auf ein Viertel der heutigen Zahl zurück. Auch Diakone, Pastoralreferenten und -assistenten reduzieren sich auf ein Viertel. Gleichzeitig gehen aber auch seit Jahren die Zahl der Katholiken insgesamt und der Gottesdienstbesucher zurück.

Pfarrer Stefan Jürgens sieht die grundlegenden Probleme ganz woanders und wünscht sich tiefgreifende Reformen.
Pfarrer Stefan Jürgens sieht die grundlegenden Probleme ganz woanders und wünscht sich tiefgreifende Reformen. © Archiv © Archiv

Was das für die Gläubigen in Ahaus im Detail bedeutet, mögen Stefan Jürgens, Vera Naber und Marc Klein-Günnewick am Donnerstag noch nicht endgültig abschätzen. Mit dem leitenden Pfarrer, der Pastoralreferentin und dem Verwaltungsreferenten der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt Ahaus spricht unsere Redaktion da über die vorgestellten Pläne.

Für Details sei es aber einfach noch zu früh. „Wir blicken dem Ganzen aber gelassen entgegen“, sagt Stefan Jürgens. Schließlich habe die Gemeinde ja schon Erfahrung mit dem Thema Pastoraler Raum: So arbeiten die Gemeinden St. Mariä Himmelfahrt Ahaus und die Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt Altstätte und Ottenstein bereits in einem pastoralen Raum. „Das nutzen wir, um zu üben“, sagt Vera Naber. Das werde zukünftig eben noch erweitert.

Mehr Unterstützung von Laien

„Wir werden von engagierten Getauften mehr Unterstützung brauchen. Auch in Bereichen, die früher den Hauptamtlichen vorbehalten waren“, sagt Stefan Jürgens. Den Begriff „Ehrenamtliche“ vermeide er nach Möglichkeit. „Das klingt immer so, als würden diejenigen eine Auszeichnung oder einen Orden angeheftet bekommen“, fügt er hinzu.

„Diese Engagierten gibt es ja schon in den Gemeinden. Sie sollen nur in Zukunft mehr Verantwortung bekommen“, sagt auch die Pastoralreferentin Vera Naber.

In den Planungen ist vorerst nur die Rede davon, dass ein Seelsorgeteam für mehr Pfarreien verantwortlich ist. Ein Seelsorgeteam das spätestens ab 2040 nur noch aus acht Personen bestehen soll. Und acht Personen bräuchten eben auch maximal acht Büros. Also weniger als noch aktuell.

Pläne des Bistums sind reine Mangelverwaltung

Deswegen spricht Stefan Jürgens auch von Mangelverwaltung: „Hätte das Bistum genug Personal, würde es die aktuellen Schritte nicht machen.“ In seinen Augen seien Reformen deutlich sinnvoller. „Ich hätte es gerne anders“, sagt er. Ansichten, die er schon lange immer wieder – auch in verschiedenen seiner Bücher – veröffentlicht. Beispielsweise indem Laien in der Kirche mehr Befugnisse bekämen, etwa den Gottesdienst zu leiten.

Oder auch indem Frauen der Dienst in der Kirche erlaubt würde. Andere Kirchen hätten ehrenamtliche Priester längst zugelassen. In der katholischen Kirche sei das aktuell nicht denkbar. „Diese Wege sind uns versperrt. Leider“, sagt Stefan Jürgens seufzend.

Und statt diese Reformen anzufassen, gehe es aktuell wieder nur um den Schlüssel aus Personal und Fläche: Weniger Personal soll mehr Fläche betreuen. Was das für andere Räume der Gemeinde bedeute – Kirchen, Pfarrheime, Gemeindesäle, Pfarrbüros – sei aktuell noch kein Thema. Aber natürlich bedeute das, dass die aktuelle Qualität der Seelsorge und des Gemeindelebens nicht überall aufrecht erhalten werden könne.

Synergieeffekte für Gebäude und Finanzen

„Und ja, auch für die Gebäude und die Finanzen werden sich daraus Synergieeffekte ergeben“, sagt Marc Klein-Günnewick betont offen und neutral. Aber welche Entscheidungen in vier, acht oder vielleicht erst zehn Jahren getroffen werden, sei heute natürlich nicht abzuschätzen.

Schon der Umbau der St. Josefkirche in Ahaus war ganz klar den Finanzen geschuldet: Zwei große Kirchen in einer kleinen Stadt wie Ahaus wären vom Bistum nicht geduldet worden. Nur durch die Verkleinerung der Kirche und den Einbau des neuen Pfarrsaals habe die Gemeinde die Kirche überhaupt retten können, hatte Stefan Jürgens kurz vor der Eröffnung gesagt.

Und noch etwas: Erst einmal handele es sich bei den aktuell vorgestellten Planungen nur um den Startschuss für den gesamten Prozess. „Die Karte mit den eingeteilten Pastoralen Räumen ist nur ein Vorschlag“, erklärt Marc Klein-Günnewick. Der solle nun breit diskutiert werden. Oberstes Ziel sei es, alle Ebenen mitzunehmen und Kontakte untereinander zu knüpfen.

Das Problem dürfe nicht weggeschoben werden. „Wir müssen uns jetzt damit befassen“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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