„Next One“ öffnet: So plant Tobit den ersten coronakonformen Club der Region

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An der Bahnhofstraße eröffnet am Freitagabend das „Next One“ seine Türen. Der von „Tobit Labs“ betriebene Club soll (fast) komplett digital und coronakonform zugleich sein.

Ahaus

, 13.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lange Zeit wollte sich das Ahauser Unternehmen „Tobit Labs“ nicht in die Karten schauen lassen. Ankündigungen zum Nachfolger der Diskothek „Next“ an der Bahnhofstraße – sofern es sie überhaupt gab – formulierte Tobit-CEO Tobias Groten noch kryptischer als sonst. Geschicktes Marketing? Oder vielleicht doch eher eine strategische Reaktion auf die sich ständig ändernden Corona-Regeln?

Am Ende war es wohl eine Mischung aus Beidem. So oder so: Einen Tag vor der Eröffnung am Freitagabend, 14. August, zeigt Tobit Labs, was es „auf der Hand“ hat. Claire Krotofil, beim Ahauser Unternehmen für das Marketing zuständig, kündigt im Gespräch mit der Redaktion den „digitalsten Club Deutschlands“ an.

Die Flure im "Next One" sind nur einbahnig begehbar – alles, um unnötige Kontakte zu vermeiden.

Die Flure im "Next One" sind nur einbahnig begehbar – alles, um unnötige Kontakte zu vermeiden. © Tobit Labs

Eine Formulierung, die auch Tobias Groten vor einem Monat gewählt hat, aber wohl auch auf den Vorgänger zugetroffen hätte. Schließlich gehörten bereits im Next Online-Ticketing, Getränke-Bestellung per Smartphone und tanzende Roboter(innen) dazu.

Digitale Vorreiterrolle einnehmen

Doch was unterscheidet das „Next One“, so der offizielle Name, von der Mitte März geschlossenen Disco? Es ist vor allem die Coronaschutzverordnung, die das neue Konzept prägt. Trotz der riesigen Fläche von 4000 Quadratmetern ist zum Beispiel der Zugang nur maximal 450 Gästen gestattet, zunächst sogar nur 300. Einzeltickets gibt es keine, nur Gruppentickets für bis zu sechs Personen.

Tanzflächen, wie sie zumindest vor Corona für jeden Club obligatorisch waren, wurden abgeschafft. „Natürlich darf man bei uns auch tanzen, aber man muss jetzt kleiner denken“, sagt Claire Krotofil.

Feste Plätze für jeden Gast

Konkret bedeutet es, dass es für jede Gruppe einen fest zugewiesenen Tisch gibt. „Dieser kleine Bereich gehört dann den sechs Personen. Hier können sie ihren Drink zu sich nehmen, gute Musik hören, aber natürlich auch tanzen“, sagt Krotofil. Zu den anderen Gruppen wird der Sicherheitsabstand gehalten oder in seltenen Fällen Plexiglas als Abtrennung genutzt.

Die Durchmischung mit den anderen Gästen soll wegen der Ansteckungsgefahr auf ein Minimum reduziert werden. „Das ist es ja, womit die Club-Betreiber zu kämpfen und bis heute keine richtige Lösung gefunden haben“, so die Tobit-Mitarbeiterin. Daher herrscht auf den Fluren auch ein striktes Einbahnstraßen-System. Bestellungen an der Theke gibt es gar nicht mehr. Alles läuft per Smartphone, auch die Rückverfolgung wird hierüber abgewickelt.

Tanzende Roboter wird es auch im Next One geben.

Tanzende Roboter wird es auch im Next One geben. © Tobit Labs

Abwechslungsreich soll der Abend trotzdem für jeden Gast werden. Dafür sollen nicht nur die DJs sorgen, sondern auch die Möglichkeit, jederzeit innerhalb des Next One die Location wechseln zu können. Insgesamt gibt es vier Floors, zwei Bars und ein Restaurant. „Wer den Wunsch hat, den Bereich zu wechseln, muss nur auf seinem Smartphone einen Platz reservieren“, erklärt Claire Krotofil.

Farben weisen einem den Weg

Im nächsten Raum zeigt dann die von einem selbst bestimmte Farbe an, welcher Tisch für die Gruppe vorgesehen ist. Komplett auf Kontakte verzichten, soll im Next One aber keiner. So ist es möglich, über eine Chatfunktion mit anderen Gästen zu kommunizieren – flirten ausdrücklich erlaubt.

Auch ein, wenn auch begrenzter, Austausch zwischen den Gruppen ist möglich. „Wer möchte, kann eine Art ‚Gefangenenaustausch‘ durchführen. Zum Beispiel können dann zwei junge Kerle von dem einen Tisch mit zwei jungen Damen vom anderen Tisch die Plätze wechseln. Natürlich unter Einhaltung der geltenden Regeln. Das unterscheidet sich ja nicht von einer Bar“, sagt die Tobit-Mitarbeiterin. „Wichtig ist aber, dass man nicht einfach durch die Gegend läuft und sich irgendwo niederlässt.“

Claire Krotofil glaubt daran, dass sich der Besuch des Next One von früheren Club-Besuchen stark unterscheiden wird. „Ich vermute, dass sich alles nach vorne verschiebt. Es wird eine andere Atmosphäre herrschen, etwas gesitteter zugehen.“ Während des einstündigen Gesprächs fällt immer wieder der Begriff „neue Normalität“.

„Wir befinden uns nicht in einer Übergangszeit“

Sie sagt: „Viele glauben, dass wir uns gerade in einer Übergangszeit befinden und irgendwann wieder alles so wird wie früher. Wir hingegen denken, dass es nie wieder so wird wie vor Corona.“ Daher habe man nach einem Konzept gesucht, dass für die Gegenwart und Zukunft geeignet sei. Dabei möchte man Vorreiter in der Branche sein.

„Die Clubs werden die letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Wir wollen mit dem Next One den anderen Betreibern Mut machen“, erklärt Claire Krotofil. Und schiebt hinterher: „Wir wissen, dass wir immer radikal denken, aber vielleicht kann ein anderer Club zumindest Module des Konzepts für sich übernehmen. Es ist eine Blaupause dafür, was möglich ist.“

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Doch warum überhaupt eine Disco eröffnen, wenn doch die Infektionszahlen allerorts steigen. „Bei uns ist es nicht so, dass wir damit unser täglich Brot verdienen müssen, aber wir merken, dass es gerade die jungen Menschen wieder raus zieht. Aber auch ihnen ist das Virus nicht egal. Von daher haben wir eine coronakonforme Lösung gefunden ohne in eine Gesetzeslücke zu stoßen“, so Krotofil.

Vier Wochen haben sie und ihre Kollegen durchgeplant, jeweils freitags und samstags öffnet das Next One. Und danach? „Wir werden genau schauen, was gut funktioniert und wo vielleicht noch Nachholbedarf besteht. Aber wir sind überzeugt: Die Zeit ist reif.“

Info: Die ersten beiden Abende sind bereits ausverkauft. Für die anderen Wochenende gibt es Tickets gibt es unter www.next-one.club.

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