Nicht von dieser Welt

Südlohn Adam hält die Hände fest um den Oberkörper geschlungen. Noch scheint er der verhängnisvollen Frucht zu widerstehen, die Eva ihm reichen will. Gut fünfhundert Jahre ist es her, dass ein unbekannter Künstler die Figuren in den noch feuchten Putz geritzt und mit Kalkfarben ausgemalt hat.

31.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Darstellung des Sündenfalls zählt gemeinsam mit weiteren Gewölbemalereien zum Kostbarsten, was die St. Vitus-Kirche zu bieten hat. Erst 1961 waren die Fresken, die seit dem Bau des Kirchenschiffs im Jahre 1507 die Decke der Kirche schmücken, wiederentdeckt worden. Heute weiß man: Die Bildnisse im Mittelschiff sind die einzigen noch erhaltenen Malereien dieser Art im gesamten Kreis Borken. "Und die vielgestaltigsten im Münsterland", ergänzt Pfarrer Stefan Scho.

Hoch in den Lüften haben auch hölzerne Heiligenfiguren und Engel ihren Platz gefunden. Sie sind Teil des prunkvollen Hochaltars aus dem 17. Jahrhundert. Lange Zeit verstaubten sie auf dem Dachboden des Pastorats, bis sie in den dreißiger Jahren wieder Einzug in die Kirche hielten. "Leider gibt es keine Abbildungen. Doch konnte sich unser Altar nach Ansicht von Wissenschaftlern durchaus mit dem in Zwillbrock messen", sagt Scho. Weiteres Überbleibsel der prunkvollen Barockzeit: die Kanzel mit Halbfiguren der vier Evangelisten.

Fast unscheinbar mutet das älteste Stück in der Kirche, ein romanisches Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert an. Es hat heute seinen Platz im Chorraum gefunden. Ob die Gläubigen allerdings schon damals in seinem Angesicht ihre Hände falteten, ist nicht bekannt. Sicher hingegen ist: Seit mehreren Jahrhunderten tragen die Südlohner ihre Kinder zu dem achteckigen Taufstein aus dem 15. Jahrhundert. Genau wie es die Vorfahren einiger Amerikaner getan haben, die neulich auf Spurensuche in der St. Vitus Kirche auf den Stein stießen. "Ein bewegender Moment für die Menschen." kh

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