Nikolaus-Feierlichkeiten in Ahaus abgesagt – keine einheitliche Lösung

rn5. Dezember

Der Nikolaus-Umzug in Ahaus wurde schon vor Wochen abgesagt. Nun steht fest: Auch die geplante Ersatzveranstaltung fällt ins Wasser. Was in den Ortsteilen passiert, ist aber noch unklar.

Ahaus

, 27.10.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor wenigen Wochen wirkte Werner Große-Lembeck, Vorsitzender des Ahauser Nikolausvereins, noch optimistisch. Zwar hatte man sich frühzeitig dazu entschieden, den traditionellen Umzug abzusagen. Allerdings stellte der Verein ein Ersatzprogramm auf die Beine, das als „coronakonform“ bezeichnet wurde. Seitdem haben sich die Zahlen in NRW und auch im Kreis Borken deutlich verändert.

Jetzt lesen

Daher zieht der Nikolausverein jetzt die Reißleine. Die Jahreshauptversammlung, die am Mittwoch (28. Oktober) in der Stadthalle angesetzt war, entfällt. Auch die Feierlichkeiten am Samstag, 5. Dezember, sind komplett gestrichen. Kein Empfang im Schlossgarten, keine Süßigkeiten-Tüten für die Kinder. Damit reagiert der Vorstand auf die veränderte Lage in der Pandemie.

Unter Corona-Bedingungen „nicht möglich“

„Wir halten es aktuell nicht für möglich, unter Corona-Bedingungen eine Veranstaltung stattfinden zu lassen“, sagt Werner Große-Lembeck. „Es wären einfach zu viele Kontakte; schon beim Sammeln der Spenden oder der Versammlung der Helfer.“

Winfried Terwolbeck, seit Jahren der „Ober-Nikolaus“ der Stadt und Beisitzer des Vorstands, ergänzt: „Es gibt die Appelle von Kanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn, unnötige Kontakte zu vermeiden. Da sehen wir uns als Nikolausverein auch in der Verantwortung, so etwas zu unterstützen.“ Leicht sei die Entscheidung niemandem gefallen. „In der Konsequenz ist es schmerzlich, aber man muss der Vernunft gehorchen. Der Gemeinsinn verpflichtet.“

Jetzt lesen

Die Sorge vor einem sogenannten Super-Spreader-Event ist auch beim Ahauser Verein groß. „Es reicht ja nur ein Corona-Positiver und schon haben wir möglicherweise hundert Infizierte“, so Terwolbeck. Werner Große-Lembeck geht es auch um die Vorbildfunktion: „Was geben wir für ein Bild ab, wenn wir in diesen Zeiten von Haustür zu Haustür ziehen, mit vielen Menschen – wenn auch auf Distanz – in Kontakt kommen und gleichzeitig die Polizei Menschenansammlungen an anderer Stelle auflösen muss?“

Großes Verständnis bei den Helfern

Unter den Helfern sei die Entscheidung auf großes Verständnis getroffen. Einige Mitglieder des Vereins hatten außerdem schon signalisiert, in diesem Jahr nicht zur Verfügung zu stehen aus Sorge vor Corona. „Sie haben dem Vorstand klar signalisiert: Unter diesen Bedingungen geht es nicht“, sagt Winfried Terwolbeck.

Die Idee, Süßigkeiten ohne Kontakt zu den Kindern und Familien einfach vor die Tür zu stellen, verwarf man schnell. „Einfach Tüten vor die Haustür zu knallen, hat mit dem Brauch nichts mehr zu tun“, erklärt Terwolbeck und betont noch einmal den Kerngedanken: „Der Nikolaus kommt, um mit den Kindern zu sprechen und ihnen Freude zu bereiten; nicht, um Leid und Krankheit zu bringen.“

Verein arbeitet an Streaming-Lösung

Ganz auf den Nikolaus verzichten, muss in Ahaus aber wohl trotzdem niemand. Denn aktuell arbeitet der Verein an einer digitalen Lösung. Die Idee: Am heimischen Bildschirm sollen die Ahauser die Rede des Nikolaus streamen können. Als Ort hat man dafür den Schlossinnenhof oder die Marienkirche ins Visier genommen. Spruchreif ist hier aber noch nichts.

Jetzt lesen

Unklar bleibt auch, wie die Ortsteile und Bauerschaften mit den Nikolaus-Feierlichkeiten umgehen. Die Suche nach einer einheitlichen Lösung, die die Stadt Ahaus offenbar anstrebte, blieb aus. Stefan Hilbring von der städtischen Pressestelle erklärte am Dienstag auf Anfrage: „Ob eine Veranstaltung geplant und beantragt wird oder nicht, liegt bei den Vereinen.“ Vielsagend ergänzte er: „Sicherlich wäre es schön gewesen, wenn es eine gemeinsame Entscheidung gegeben hätte. Aber wir können niemandem etwas aufzwingen.“

Lesen Sie jetzt