Ölkavernen im Venn sollen nach Unfall sicherer werden

Großes Umrüsten

Im Amtsvenn werden nach dem Ölunfall von 2014 die Kavernen umgerüstet. Dort wird derzeit emsig gearbeitet. Die Bezirksregierung Arnsberg hatte die Umrüstung zur Bedingung für die Betriebserlaubnis gemacht. Inzwischen ist auch klar, was den Unfall vor zwei Jahren ausgelöst hat.

GRAES

, 17.11.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Arbeiten zur Umrüstung der Verrohrung an den Ölkavernen ist in vollem Gange, an der S1, hier im Bild, sind sie beinahe abgeschlossen. Nitsche

Die Arbeiten zur Umrüstung der Verrohrung an den Ölkavernen ist in vollem Gange, an der S1, hier im Bild, sind sie beinahe abgeschlossen. Nitsche

Im Graeser Venn herrscht rund eineinhalb Jahre nach dem Ölunfall vom Frühjahr 2014 rege Betriebsamkeit. Tag und Nacht arbeitet die "Work-over-Anlage" zurzeit direkt neben der Kreisstraße 25 an der Umrüstung der Kaverne S1. Bis zum Frühjahr soll auch die havarierte Kaverne S5 umgerüstet sein.

"Die Arbeiten stehen im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Umstellung der Kavernen", bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung Peter Dörne von der Bezirksregierung Arnsberg. Seine Behörde hatte nach dem Ölunfall vom April 2014 für alle im Salzstock liegenden Hohlräume, in denen Öl gelagert wird, die Umrüstung zur Bedingung für die Betriebserlaubnis gemacht - NRW-weit.

"Wir fangen mit einer Kaverne an, die intakt ist", erklärte Peter Dörne. Das Verfahren sei zwar klar, versicherte der zuständige Baudezernent, "aber man macht es erstmal an einer unproblematischen Kaverne, um die Arbeitsabläufe weiter zu optimieren". Die neue Verrohrung sei bereits fertig, jetzt gehe es an den Sole-Entleerungsstrang. Die technische Umrüstung sei damit nahezu abgeschlossen, dann sollen Testläufe folgen, "vielleicht in ein bis zwei Wochen".

30 Tage pro Kaverne

Etwa 30 bis 35 Tage dauere der gesamte Umrüstungsprozess je Kaverne, schätzt Dörne. "Das Ganze ist so angelegt, dass die Arbeiten so zügig wie möglich vonstatten gehen", versichert er. Als nächste sei die Kaverne S6 dran, die gegenüber der S1, jenseits der Straße liegt, dann die S5, wo im April 2014 Öl ausgetreten war.

Die Bezirksregierung hat die Aufsicht über die Arbeiten im Salzstock des Graser Venn. Ausgeführt werden sie allerdings im Auftrag der Salzgewinnungsgesellschaft Westfalen, die dort die Abbaurechte für das Salz im unterirdischen Salzstock hat. Die unterirdischen Hohlräume, die dabei entstehen, die so genannten Kavernen, werden zur Stabilisierung wieder verfüllt und dabei auch als Lagerstätte für Rohstoffe wie Öl, Erdgas und künftig auch Helium genutzt.

Einige Irritationen

Die Salzgewinnungsgesellschaft und ihr Mutterkonzern, ein multinationaler Chemiekonzern mit Sitz in Frankreich, waren infolge des Ölunfalls vor zwei Jahren in die Kritik geraten. Von der SGW als Betreiber der Kavernen war trotz wiederholter Anfrage keine Auskunft zu den laufenden Arbeiten zu bekommen. Die vom Unternehmen beauftragte Agentur verwies an die Bezirksregierung, was auch dort zu Irritationen führte. Dörne: "Für mich unverständlich."

Bei den Arbeiten an der S5 erwarte er indes keine Probleme. "Der Bereich der Leckage wird mit einem ganz neuen Rohr überzogen und dann genauso aufgebaut wie bei den anderen Kavernen." Die "Passigkeit" sei vorab geprüft worden. "Die Durchgängigkeit ist gegeben."

Höherer Druck

Die Rohre waren schuld: Es dauerte eine Weile, bis die Ölaustrittsstelle zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Ein Leck in der Rohrleitung zur Kaverne in 217 Metern Tiefe wurde nach umfangreichen Untersuchungen gefunden. Entstanden war es an einer Verschraubung, die sich offenbar gelöst hatte. Die nun von der Bezirksregierung zur Auflage gemachte Doppelverrohrung mit einem so genannten „Kontrollraum“ dazwischen, der drucküberwacht wird, soll vergleichbare Unfälle in Zukunft verhindern.

„Wenn im ölführenden Rohr eine Leckage wäre, würde das Öl in den Hohlraum gehen und dort der höhere Druck angezeigt“, so Dezernent Peter Dörne von der zuständigen Bergbehörde bei der Bezirksregierung. Der Kontrollraum werde gefüllt mit Wasser und einem „Inhibitor“, der im Schadensfall reagiert. Die Kosten der gesamten Maßnahme trage die Salzgewinnungsgesellschaft.

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